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Mensch des Jahres : Sie ist nicht nur als Ärztin aktiv

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dr. Kathrin Klint ist eine der vier Kandidaten als Sylter Mensch des Jahres. Sie organisierte im Juni die Typisierungsaktion für Berat.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 00:32 Uhr

1 200 typisierte Sylter und 50 000 Euro Spendengelder für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) – die groß angelegte Typisierungsaktion für den zweijährigen leukämiekranken Berat im Juni war ein Erfolg. Treibende Kraft hinter der Aktion war Dr. Kathrin Klint.

Die 39-Jährige ist Kinderärztin in der Wenningstedter Syltklinik, einer Reha-Einrichtung für Familien mit einem krebskranken Kind. Den ersten Kontakt zu Berats Eltern Erkan und Sibel Caliskan hatte Klint bereits 2011, als Berats große Schwester an Krebs erkrankte und die Ärztin das Mädchen betreute. „Als sich nach Berats Geburt zeigte, dass auch bei ihm etwas nicht in Ordnung ist, haben die Caliskans sich an mich gewandt“, erzählt Klint. Von diesem Moment an begann ihr Engagement, das bis heute weit über ihre Aufgabe als Ärztin hinaus geht. Als in diesem Frühjahr klar wurde, dass Berat an Leukämie erkrankt war und es in der DKMS keinen Spender für ihn gab, „wusste ich sofort, dass wir einen finden müssen“, erinnert sich die Mutter eines siebenjährigen Sohnes. Privat organisierte sie die Spendenaktion. „Ich wollte der Familie helfen und wurde von Björn Nielsen von der Facebook-Gruppe Gesucht Gefunden Sylt, von Kathrin Rohleder von der Lebenshilfe und Berats Physiotherapeuten Daniel Winkler unterstützt.“

Mittlerweile geht es Berat, nachdem ein Spender für ihn gefunden und er transplantiert worden ist, den Umständen entsprechend gut. „Aber das Risiko für Komplikationen ist im ersten Jahr noch besonders hoch“, erklärt Klint. Normalerweise gehört es zu ihrem Beruf, die Distanz zu den Patienten zu halten. „Ich arbeite bereits lange mit krebskranken Kindern. Inzwischen kann ich recht professionell damit umgehen, aber einige besonders schwere Fälle treffen mich doch.“ 20 Prozent der krebskranken Kinder können nicht geheilt werden. „Selbst hier in der Reha kommt es vor, dass ich Kinder behandele, von denen ich weiß, dass sie sterben werden.“

In Berats Fall hat Klint die Distanz nicht aufrecht gehalten. „Hier hat sich eine Beziehung entwickelt. Frau Caliskan sagt immer, ich sei ihr Engel.“ Bei Berat genüge kein Arzt, der nur von acht bis achtzehn Uhr erreichbar sei.

Seit 2004 lebt Klint auf Sylt – unterbrochen von einer dreijährigen Pause, während der sie ihren Facharzt gemacht hat. Zuvor lebte sie in Heilbronn, Kiel und Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Künstler Peter Klint, beschloss sie nach einem Urlaub im Februar auf die Insel zu ziehen. „Es war grau, kalt, nass und einfach wunderschön.“

Die Ärztin engagiert sich nicht nur für Berat. Seit 2006 ist sie erste Vorsitzende des Förderkreises Syltklinik, der die Arbeit der Klinik unterstützt und im vergangenen Jahr hat sie mit ihrem Mann den Verein „Meer leben“ gegründet. „Wir wollen therapeutisches Wellenreiten für krebskranke Jugendliche in Portugal organisieren.“ Für Klint ist dieses ehrenamtliches Engagement selbstverständlich. „Dadurch, dass ich durch meinen Beruf weiß, wie sehr krebskranke Kinder auf Spendengelder angewiesen sind, helfe ich gerne.“

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