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Sylter Rundschau

24. August 2017 | 00:11 Uhr

Sergio & seine Sylter Latinos

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Heißer südamerikanischer Sound im kühlen Norden: Seit zehn Jahren bringt die Latino Loco Band die Insel musikalisch zum Kochen

So klingt die Insel: Unter dem Motto „Sylter Sounds“ stellt die Sylter Rundschau in einer Serie Musiker der Insel vor. Sie vertreten ganz unterschiedliche Stilrichtungen, haben ganz verschiedene Sounds – doch gemeinsam bringen sie Sylt zum Klingen.


Draußen geht es gegen den Gefrierpunkt. Ein wild loderndes Feuer im Kaminofen verhindert jedoch, dass es in dem spartanisch gedämmten Übungsraum der „Latino Loco Band“ nicht genau so kalt ist. Fängt die Band allerdings an zu musizieren, wird es gefühlt sofort ein paar Grad wärmer. Bandleader Sergio Tremaria, der ursprünglich aus Venezuela stammt, trifft sich mit seinen fünf Sylter Bandkollegen mindestens einmal in der Woche, um im kühlen Norden heißen, südamerikanischen Sound zu spielen.

Angefangen hat die „verrückte lateinamerikanische Band“, wie die Formation frei übersetzt heißen müsste, im Jahr 2006 als „Jon Jon and the Poco Loco Band“ – damals noch mit einem deutsch-amerikanischen Sänger und in anderer Besetzung. „Beim Henner Krogh-Preis im Jahr 2008 haben wir den 2. Platz gemacht und zusätzlich den Reinhard Mey-Preis abgeräumt“ sagt Percussionist und Sänger Axel Junker, der zur Gründungsformation der Band gehört.

Nach Gitarrist „Schnirk“ Behnfeld, Sänger und Keyboarder Sergio Tremaria und der ebenfalls singenden Percussionistin Feli Clausen stieß Bassist Markus Gieppner zur „Latino Loco Band.“ „Das war ein absoluter Glücksgriff. Denn Markus spielt nicht nur einen super Bass, sondern ist auch in puncto Technik auf Top-Niveau.“ Der Bassist ist für das Mitschneiden der Stücke verantwortlich und mixt nebenbei den Sound am Pult, das beim Zupfen der Saiten direkt neben ihm steht.

Als letzter ist Schlagzeuger Werner Dreessen zur Band gestoßen, „seit vier Monaten wird er nun an das musikalische Programm der Band herangeführt und macht seine Sache super“, betont Axel Junker, der vorher den Part des Drummers innehatte. „Aber ich bin kein ausgebildeter Schlagzeuger, in dieser Konstellation macht das viel mehr Sinn.“ Inzwischen berserken also gleich drei Bandmitglieder auf Trommeln herum, was den südamerikanischen Groove noch authentischer macht.

Gitarrist Behnfeld und Bassist Gieppner haben musikalisch gesehen noch ein zweites Standbein: Sie spielen bei der Band „Joker Katze King“ psychedelischen Funk. „Aber Sergio hat uns mit seinem Latin-Sound ganz schön infiziert“ sagt Schnirk, „der gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts anderes mehr spielen möchte. Das Sylter Publikum ist super dankbar, es wird immer relativ schnell getanzt. Da kann man bei einer Rockband lange drauf warten.“ „Und wenn, dann sieht es eher komisch aus“ ergänzt Bassmann Markus mit einem Lächeln, während er sich die nächste Zigarette dreht.

Das Repertoire umfasst einige gecoverte Stücke von anderen Künstlern, dazu viele Eigenkompositionen von Latino Sergio Tremaria . Der hat mit dem Komponieren schon im zarten Alter von 17 angefangen und mittlerweile fast 400 Lieder geschrieben. „Aber das mache ich nur für mich oder besser gesagt für uns“ sagt er bescheiden. Die Texte singt die Band größtenteils auf Spanisch, inhaltlich geht es meistens um das ganz große Gefühl: die Liebe – lateinamerikanischer Schlager sozusagen.

Im letzten Jahr war es um die Band ruhiger geworden. Das lag einerseits an der neuen Besetzung. Andererseits daran, dass die Gruppe eine Platte produzieren möchte. „Ein richtig gut gemachtes Album ist das, was wir uns alle wünschen“ sagt Axel Junker. „Und dazu vernünftig bezahlte Auftritte. Es ist eine Tendenz zu verzeichnen, dass die Gagen in den Keller gegangen sind, weil sich einige Bands hier in der Vergangenheit leider unter Wert verkauft haben“ moniert Markus Gieppner am Pult.

Aber hauptsächlich spielt die Band, weil sie einfach Spaß am Musizieren hat. „Wenn wir das rein kommerziell betrachten würden, hätten wir die Segel schon längst streichen können.“ Percussionistin Feli Clausen äußert zum Ende noch einen Wunsch ans „Sylter Universum“, wie sie en nennt: „Ich wünsche mir, dass die Insel weiterhin so viel musikalisches Talent hervor bringt und musikalische Befruchtung stattfindet. Denn Sylt ist sehr musikalisch – das ist ganz gewaltig, was hier passiert!“




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