Mermaiding auf Sylt : Selbstversuch: Einmal Meerjungfrau sein

Flossen hoch: Im Meerjungfrauen-Schwimmkurs können kleine - und ausnahmsweise auch eine große - Wasserbegeisterte lernen, wie man als Nixe durchs Wasser gleitet. Lea Albert wedelt ganz links mit ihrer grünen Flosse.
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Flossen hoch: Im Meerjungfrauen-Schwimmkurs können kleine - und ausnahmsweise auch eine große - Wasserbegeisterte lernen, wie man als Nixe durchs Wasser gleitet. Lea Albert wedelt ganz links mit ihrer grünen Flosse.

Halb Fisch, halb Mensch: Wie es sich anfühlt, als Meerjungfrau durchs Wasser zu gleiten, hat die Volontärin der Sylter Rundschau getestet.

shz.de von
30. Mai 2015, 05:40 Uhr

Wie Neri die Meerjungfrau fühle ich mich, als ich mit meiner grünen Flosse durch das Wasser gleite. In wellenförmigen Schlägen bewege ich mich vorwärts, fühle mich schwerelos und weit weg von allem Leben an Land. Als großer Fan der australischen Serie „Ocean Girl“ habe ich als Kind im Meer und in Pools Wassernixe gespielt. Heute darf ich den Traum Meerjungfrau zum ersten Mal mit einer „richtigen“ Flosse leben. Im Schwimmbad Sylter Welle will ich, Lea Albert, Volontärin bei der Sylter Rundschau, testen, wie es sich mit Fischflosse statt Beinen anfühlt. Immer mehr Mädchen tauschen ihren Badenanzug gegen den Fischschwanz ein und schwimmen als Meerjungfrau verkleidet durch Hallenbäder. Der Trend zur Hobby-Nixe schwappt inzwischen auch auf einige Erwachsene über.

Es ist acht Uhr morgens am Sonntag: Gemeinsam mit fünf anderen Mädchen nehme ich an einem sogenannten Mermaiding-Kurs teil, um den Umgang mit der Meerjungfrauenflosse (Monofin) zu lernen. Die Tauchlehrerin „Syltine“ - deren irdischer Name Tina Chladek ist - wird uns die richtige Technik zeigen. Das Kurs-Konzept hat sie für die Insel Sylt Tourismus-Service GmbH (ISTS ) entwickelt. Eigentlich wird der Kurs nur für Kinder zwischen acht und 14 Jahren angeboten, für mich (29) machen sie heute eine Ausnahme. Mindestens 1,28 Meter muss man groß sein und maximal Konfektionsgröße 38 tragen sowie mindestens Schuhgröße 32 haben - diese Voraussetzungen erfülle ich zum Glück.

Bevor es ins Wasser geht, starten wir erst einmal im Trockenen: Auf Gummimatten lernen wir, welche Arm-und Beinbewegungen wir später im Wasser machen sollen. Dann wird es ernst, wir bekommen die Flosse, die während der nächsten zwei Stunden unser Beinersatz werden soll. Die kleinen Mädchen bekommen leuchtende Augen, als sie zwischen verschiedenfarbigen schillernden Fischschwänzen wählen dürfen.

Die Euphorie verfliegt allerdings schnell, als die angehenden Sirenen die dünnen, schimmernden Hüllen bis zum Bauch über ihre trockenen Beine ziehen sollen. Schwitzend versuche ich meine Füße in die engen Gummischuhe zu quetschen. Auch die Mädchen, zwischen acht und elf Jahren alt, müssen trotz ihrer kleineren Körper kämpfen. Nach einigen Minuten haben es alle geschafft: Mit ihren langen Haaren sehen die Meerjungfrauen-Anwärterinnen aus, wie man sie aus Büchern und Filmen kennt.

„Wie dreht sich eine Meerjungfrau, sie kann ja ihre Füße nicht öffnen?“, fragt unsere „Meerjungfrau-Mutter“. Wir kullern von den Matten, als wir versuchen, uns von der Rücken- in die Bauchlage zu bewegen, ohne bei mit den Füssen den Boden zu berühren. Ebenfalls ohne Wasser lernen wir, wie man als Meerjungfrau schwimmt: „Das geht in Wellenbewegungen vom Brustbein, bis zum Flossenende“, sagt Syltine. Endlich dürfen wir - halb Fisch, halb Mensch - das Gelernte auch im Wasser testen. Wie ein gestrandeter Wal fühle ich mich, als der Bademeister mich rückwärts auf einer Gummimatte aus dem flachen Bereich ins Tiefe zieht. Meri, die grazile Meerjungfrau meiner Träume, ist in diesem Moment ganz weit weg.

Eine Schwimmnudel gibt mir Aufrieb bei den ersten Zügen als Nixe. Das Salz brennt in meinen Augen, als ich untertauche. Doch dann mache ich den ersten Flossenschlag, und bin plötzlich mittendrin im weiten Meer - die gefliesten Beckenwände des Schwimmbades existieren für mich nicht mehr. Toll fühlt sich das an. Mit kräftigen Schwanz-Schlägen bewege ich mich mehr als doppelt so schnell wie sonst unter Wasser.

„Oh, du siehst aus wie ein sehr, sehr eleganter blauer Fisch - du schillerst so schön“, sagt ein Mädchen und blickt ihre Freundin bewundernd an. Wir tauchen nach Ringen und machen Rollen vor und zurück. Einigen Mädchen fällt es - im Gegensatz zu mir, die mehr Schwimmerfahrung hat - schwer, sich mit der Flosse fortzubewegen.

Nach einer Stunde als Meerjungfrau komme ich wieder an Land. Die leichte Eleganz, die ich im Wasser gefühlt habe, weicht einer unbeholfenen Plumpheit. Flossenwesen können sich eben am besten im Wasser bewegen. Ich fühle mich erschöpft und bin froh, dass ich die Flosse wieder abstreifen kann. Nixe sein sieht einfach aus, ist aber unglaublich anstrengend. Das merke ich auch am Muskelkater in meinen Beinen am nächsten Tag. „Das kostet schon einiges an Kraft und Geduld, mit der Flosse zu schwimmen“, sagt Tina Chladek. Der Spaß stehe klar im Vordergrund, betont die Trainerin weiter.

Einen Meerjungfrau-Schwimmkurs für Erwachsene würde ich sofort besuchen - vorausgesetzt, ich muss mir weder einen Muschelbikini anziehen, noch Blüten ins Haar stecken.

Meerjungfrauen-Schwimmkurs für Kinder zwischen 8-14 Jahren, im Freizeitbad Sylter Welle, Preis pro Teilnehmer: 35 Euro. Anmeldung unter 04651 998-111. Termine:

www.sylterwelle.de/extras/kurse/

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