Kolumne "Strandgut" : Sehr schön, aber sehr speziell

Keitum von oben
Keitum von oben.

von
31. August 2018, 16:38 Uhr

Keitum ist schön, sehr schön sogar – nicht ohne Grund wird das Kapitänsdorf liebevoll auch „das grüne Herz der Insel“ genannt. Keitum hat die schönsten Friesenhäuser, die schönsten Museen, die schönsten Ateliers von Kunsthandwerkern und Goldschmieden und die schönsten Boutiquen. Keitum hatte lange Zeit auch die „schönste“ Ruine deutschlandweit und hat natürlich die schönsten Häuser, Gärten und Straßen – zumindest auf Sylt.

Keitum ist aber auch speziell, sehr speziell sogar. Dies gilt in vielerlei Hinsicht: für das Traditionsbewusstsein und daraus abgeleitet auch für das Selbstbewusstsein seiner Einwohner ebenso wie für ihre friesische Starrköpfigkeit und für ihre Durchsetzungskraft.

Keitum ist darüberhinaus so speziell, weil es – wahrscheinlich mit purer Absicht – auch so verwirrend ist. Dies gilt insbesondere für das Ortsbild und vor allem für die „Topografie“ des Dorfes. Wer neu nach Keitum kommt, braucht lange, um sich in den verwinkelten Straßen mit ihren seltsamen Namen und mit vielen, sehr vielen weißgetünchten, reetgedeckten Häusern, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, zurecht zu finden. Ein dreiwöchiger Urlaub reicht dafür keineswegs! Man muss schon zehn Jahre lang regelmäßig kommen oder gleich ganz nach Keitum ziehen, um sich einigermaßen zurechtzufinden.

Extrem gewöhnungsbedürftig ist auch der Straßenverkehr im Kapitänsdorf – besonders für Autofahrer, aber ebenso für Zweirädrige und für Fußgänger. Denn auf die sanften Mahntafeln „Keitum ist zu Fuß am schönsten“ reagieren wenige, zumeist nur Erstbesucher. Deshalb quälen sich gerade beim so genannten Keitum-Wetter Kolonnen von breiten SUVs oder von Fahrrädern plus schicken Anhängern – in denen zunehmend übrigens keine Kinder, sondern dicke oder ältere Hunde transportiert werden – durch die engen Straßen.

Besonders kritisch sind dabei Begegnungsverkehre auf Abschnitten mit der „berüchtigten“ Keitumer Rinne. Weil oft keiner weiß, wo die Straße endet und wo der Bürgersteig beginnt, kommt es immer wieder zu Ausweichkonflikten von Zweibeinern zu Fuß und denen mit Rädern unter dem Hintern.

Deshalb will jetzt der Ortsbeirat ein neues Keitum-Konzept entwickelt – das wird sicher schön, sehr schön – aber auch wieder sehr speziell!

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen