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Sylter Seehund-Streit : Seehundstation: Wildtiere auch als solche behandeln

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Seehundstation Friedrichskoog stellt sich hinter die Arbeit der von Tierschützern kritisierten Sylter Seehundjäger und verweist auf die erfolgreiche Auswilderungspraxis.

Trotz großer Kulleraugen und unbestreitbar hohem Niedlichkeitsfaktor sind und bleiben Seehunde Wildtiere. Und als solche haben sie auch das Recht, behandelt zu werden, sagt Tanja Rosenberger, Leiterin der Seehundstation Friedrichskoog. Bislang hat sich die Station in der Debatte um die Arbeit der Sylter Seehundjäger zurückgehalten. Angesichts der Vorwürfe und Unterstellungen auch gegenüber der Seehundstation, stellt sich Tanja Rosenberger voll hinter die Seehundjäger und erklärt die Arbeit in Friedrichskoog.

Die Seehundstation ist die einzige vom Land autorisierte Aufnahmestelle für verlassene, erkrankt oder geschwächt aufgefundene Robben in Schleswig-Holstein. Neben Informations- und Umweltbildungsarbeit sind die tierschutzgerechte Aufzucht von Seehunden und Kegelrobben sowie aktuelle Forschungen zum Artenschutz die wesentlichen Aufgaben der Seehundstation.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 187 Seehunde betreut, 160 davon schwimmen schon wieder im Wattenmeer, 23 starben während der Aufzucht, vier wurden bei der Eingangsuntersuchung eingeschläfert. „Einige Symptome sind nicht auf den ersten Blick erkennbar, die werden erst von unserer Tierärztin festgestellt“, erklärt Tanja Rosenberger die toten Seehunde in der Station.

Über die im Internet kursierenden Unterstellungen, die Station sei jetzt überbelegt und könne keine Tiere mehr aufnehmen, kann sich die Leiterin nur wundern. „Wir hatten im Sommer über 160 Tiere und weitere Aufzuchtbecken neu gebaut, um genügend Platz zu haben. Aktuell sind noch zwölf Kegelrobben bei uns.“ Von Platzmangel könne daher keine Rede sein.

Aber auch, wenn noch Platz für kranke Tiere vorhanden ist – die Seehundpopulation soll nicht künstlich hochgehalten werden, indem alle kranken Tiere gerettet werden. Ohnehin: Seehunde mit Medikamenten vollzupumpen, das verbietet das Abkommen der drei Wattenmeer-Staaten Deutschland, den Niederlanden und Dänemark. Die natürlichen Abläufe im Nationalpark Wattenmeer sollen möglichst ungestört ablaufen. Diese Bestimmung unterstreicht Nicola Kabel, Pressesprecherin des Umweltministeriums mit ihrer Aussage: „Das Land Schleswig-Holstein verfolgt ein ganzheitliches Konzept, das neben Tierschutz auch andere Kriterien berücksichtigt.“ Das seien unter anderem Fragen der Wildpopulation, insbesondere deren Gesundheitszustand, des Artenschutzes und des Nationalparks. Die Arbeit der Föhrer Tierärztin Janine Bahr, die die Arbeit der Seehundjäger und Friedrichskoog kritisiert, steht im Widerspruch dazu. Vom Ministerium heißt es, dass Frau Bahr zwar ein hohes Engagement für den Tierschutz zeige, das Land aber ein anderes Konzept verfolge.

„Das Engagement mit dem sich die Sylter Seehundjäger einsetzen, sollte gewürdigt werden. Welcher Zeitaufwand ihr Job mit sich bringt – darüber spricht keiner“, kritisiert Tanja Rosenberger. Auch nicht über die sechs Kegelrobben, die im Dezember und Januar von Sylt nach Friedrichskoog geschickt, aufgezogen und zum Teil schon wieder ausgewildert wurden.

Wie bei jeder Wildtierart werden auch bei den Seehunden mehr Tiere geboren als das erste Lebensjahr überleben. „30 bis 40 Prozent eines Jahrgangs sterben üblicherweise.“ Die Zahl der Totfunde steige konform mit der positiven Bestandsentwicklung. Und damit auch die Zahl der sterbenskranken Tiere, die von ihrer Qual erlöst werden. Dass die Jäger in der Lage sind, ein totkrankes Tier zu erkennen, davon ist Tanja Rosenberger überzeugt. Auf regelmäßigen Fortbildungen lernen die Ehrenamtler unter anderem Krankheitssymptome zu unterscheiden. Auf dem Plan stehen außerdem Vorträge zu Krankheitsbildern, Tierschutz und eigenem Schutz. Denn wie alle Wildtiere können auch Seehunde Krankheiten auf Menschen übertragen.

Nicht Seehundjäger, sondern Tierärzte sollen entscheiden

Das Leid der Seehunde zu mindern, sie vor dem Tod zu bewahren – dafür kämpft die Föhrer Tierärztin Janine Bahr nach eigener Aussage. Gegen den Vorwurf, einige der von ihr nach Friedrichskoog geschickten Tiere seien auf dem Weg dorthin verstorben, wehrt sie sich. Ihrer Meinung nach sei es bei einer geschützten Tierart wie den Seehunden nicht mehr zeitgemäß, Jägern die Entscheidung über Leben und Tod zu überlassen. Ausgebildete Tierärzte nach einem mehrjährigen Hochschulstudium seien viel besser dafür geeignet.

„Ich möchte gegen die Seehundjäger keinen Krieg führen“, betont sie. Alle Beteiligten, Jägerschaft und Ministerium,   an einen Tisch zu bekommen, um an der bestehenden Situation etwas zu ändern – das sei ihr Ziel.

 

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erstellt am 13.Feb.2014 | 12:30 Uhr

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