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Landgericht Flensburg : Sechs Jahre Haft für Sylter Schmuckräuber

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der 47-Jährige überfiel eine Goldschmiede in Keitum – und vergrub einen Teil seiner Beute. Nun ist das Urteil gefallen.

Keitum | Mit regungslosem Gesicht nahm der Angeklagte sein Urteil im Landgericht Flensburg entgegen. Für einen Raubüberfall auf eine Sylter Goldschmiede muss der 47-jährige Kai E. für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Die Richterin folgte damit am Donnerstag weitestgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die sechseinhalb Jahre gefordert hatte. Der Verteidiger hatte für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren plädiert.

Nach Überzeugung des Gerichts überfiel der Mann im Oktober die Goldschmiede in Keitum, fesselte und knebelte eine 27-jährige Angestellte und zwang sie, einen Tresor zu öffnen. Er stahl Schmuck und Edelsteine im Gesamtwert von rund 100.000 Euro und vergrub einen Teil der Beute am Tinnumer Bahndamm. Einen Monat später wurde er von der Polizei an der Schweizer Grenze aufgegriffen.

Neben schwerem Raub werden Kai E. auch erpresserischer Menschenraub und Körperverletzung zu Last gelegt. Die beiden letzteren Taten können mit fünf bis fünfzehn Jahren Haft bestraft werden. Die Strafe von sechs Jahren und drei Monaten begründete die Richterin unter anderem damit, dass der Verurteilte die Angestellte der Goldschmiede fesselte, knebelte, ihr die Augen verklebte und sie dazu zwang, den Tresor zu öffnen.

Die junge Frau leidet noch heute unter den Tatfolgen – sie erlitt eine post-traumatische Belastungsstörung, musste ihren Beruf aufgeben, zog zurück in ihr Elternhaus und kann noch immer nicht nachts alleine sein. Dazu kommt der hohe finanzielle Schaden für die Inhaberin der Goldschmiede – Schmuck im Wert von 40.000 Euro ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Zu Gute hielt die Richterin Kai E. allerdings, dass er ein umfassendes Geständnis ablegte, sich bei der Angestellten entschuldigen wollte, ihr während der Tat keine unnötigen Schmerzen zufügte und kurz zuvor seine Arbeit und seine Wohnung verloren hatte. Trotzdem folgte sie nicht dem Verteidiger, der für einen minderschweren Fall plädierte. „Dafür müsste das Tatbild vom Durchschnitt soweit abweichen, dass eine gesonderte Betrachtung in Frage kommt. Das ist hier aber nicht der Fall.“

Emotionen zeigte der Angeklagte erst, als sein Anwalt auf seine frühe Jugend zu sprechen kam. Mit belegter Stimme erzählte Kai E. wie er mit drei Jahren adoptiert wurde, mit elf Jahren stark unter dem Tod seines Stiefvaters litt und danach in „ein ganz falsches Umfeld“ geriet. Zu dieser Zeit beging er zahlreiche Diebstähle und Einbrüche und wurde in zehn verschiedenen Heimen untergebracht. Erst nachdem er 1996 seine letzte Haftstrafe abgebüßt hatte, beschloss er, sein Leben zu ändern und ging nach Sylt. Dort lernte Kai E. seine spätere Frau kennen, von der er mittlerweile wieder geschieden ist. Gerade als er auf diesen Abschnitt seines Lebens zu sprechen kam, wirkte der Angeklagte stark betroffen.

Mit dieser Geschichte und der Schilderung, wie Kai E. seinem Opfer die Fesseln lockerte, als dieses über Schmerzen klagte, wollte sein Verteidiger deutlich machen, dass sein Mandant „kein brutaler, kalter Räuber“ sei.

Die Anwältin der Nebenanklage überzeugte er damit nicht: Sie nahm weder die Entschuldigung von Kai E. ernst, noch glaubte sie daran, dass dieser in der Tatnacht zufällig den Weg zur Goldschmiede gefunden habe: „Einen Elektroschocker und eine Maske nimmt man nicht mit, wenn man damit nur entwischen will.“

Die Richterin ging auf diese Beschuldigungen in ihrer Urteilsverkündung nicht näher ein. Sie folgte in erster Linie den Ausführungen des Staatsanwalts, der dem Angeklagten den schweren Raub und die psychischen Folgeerscheinungen der jungen Angestellten zur Last legte. 

 

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erstellt am 22.Mai.2014 | 11:30 Uhr

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