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Bauprojekt auf Sylt : Schwimmende Häuser im Wattenmeer: Naturschützer sind entsetzt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Investoren wollen Häuser vor der Sylter Ostküste bauen – und trotz heftiger Kritik an ihrem Plan festhalten.

von
erstellt am 29.Aug.2015 | 18:42 Uhr

Das Projekt „Schwimmende Häuser vor Hörnum“ sorgt für heftige Proteste der Umweltschützer. In einer gemeinsamen Erklärung kritisieren die Naturschutzgemeinschaft Sylt, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Söl’ring Foriining und die Schutzstation Wattenmeer das Vorhaben zweier Investoren, 30 Wohnhäuser auf schwimmenden Pontons vor der Sylter Ostküste zu bauen.

Ferienwohnungen auf dem Wasser im Nationalpark Wattenmeer am zu errichten, das gehe gar nicht. Denn der Schutzzweck des Gebietes sei ja gerade die weite unbebaute Wattenlandschaft. „Wir sind entsetzt über diese Idee. Es gibt genug leerstehende Luxuswohnungen auf Sylt. Die alten Investitionsruinen an Land brauchen keine Ergänzung durch neue auf dem Meer“, erklärt Dennis Schaper, Stationsleiter der Schutzstation Wattenmeer. Ein solches Projekt würde die Küste weiter verschandeln.

„Nicht nur durch die Rammarbeiten bei der Errichtung der Häuser, auch im laufenden Betrieb wäre die sensible Wattlandschaft mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt durch Lärm-, Licht- und Müllbelastung beeinträchtigt“, teilt Walter Koernig, der Sylter Schutzgebietsreferent des NABU, mit. Er zieht auch die Behauptung des Investors in Zweifel, es bestünde Kontakt zu seinem Verband. „Mit uns hat niemand über das Vorhaben gesprochen.“

Es sei zwar ein architektonisch interessantes Projekt, sagt Margit Ludwig: „Wir halten es aber für nicht umweltverträglich, weitere Baugründe – und dann auch noch im Wattenmeer – zu erschließen. Die Belastungsgrenze ist überschritten“, so die Geschäftsführerin der Naturschutzgemeinschaft Sylt. „Das Vorhaben ist eine Utopie ohne Substanz“, ergänzt Sven Lappoehn, Geschäftsführer der Söl’ring Foriining. Es sei zweifelhaft, ob ein solches Projekt baurechtlich überhaupt genehmigungsfähig sei. Aus Sicht der Naturschutzverbände sollte die Vision schwimmender Bauten im Wattenmeer dorthin verschwinden, wo sie plötzlich hergekommen ist: in die Schublade ihres Schöpfers.

Auch Hörnums Bürgermeister Rolf Speth sagt, aus dem Projekt könne gar nichts werden. Er habe sich bei zuständigen Stellen wie der Oberen Naturschutzbehörde, der Landesplanung und dem Wasser- und Schifffahrstamt Tönning erkundigt: Alle hätten das Vorhaben abgelehnt, zum Beispiel mit Verweis auf den Regionalplan Fünf oder aus Küstenschutzgründen. „Das habe ich den Investoren mitgeteilt. Sie sollten besser die Finger davon lassen“, sagt Speth. Außerdem habe Hörnum genug Flächen für Wohnraum an Land: „Da muss man gar nicht aufs Wasser gehen.“

Noch aber steht Werner Zucker von Mare Invest Sylt zu seinem Plan „Wohnen auf dem Wasser vor Hörnum“. Die Auswertung einer Umfrage auf seiner Website sunnyaufsylt.com habe ergeben, dass 59 Prozent das Vorhaben ganz allgemein für gut halten. 23 Prozent fänden es überflüssig, 14 Prozent unrealistisch. Kritikern hält er entgegen, ihm ginge es keineswegs um ein Lifestyle-Projekt im Wattenmeer. „Es geht um Wohnen mit bezahlbarer Miete, die sich nicht an den horrenden Sylter Grundstückpreisen orientieren muss.“

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