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Lufthoheit : Schwere Lasten heben bei guter Aussicht

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Helmut Bahr ist Kranführer, arbeitet zurzeit auf der Hotelbaustelle in List und genießt den Blick über die Insel.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2008 | 06:51 Uhr

List | Da, wo Helmut Bahr (59) arbeitet, sieht er das Meer und die Dünen am Horizont, er kann auf den Ellenbogen und den Lister Hafen schauen, und schon einmal einen Blick in das entstehende Arosa-Hotel werfen. Bahr, der in Ostenfeld bei Rendsburg wohnt, arbeitet dort, wo viele ihr Leben lang hin möchten: ganz oben. Er ist Kranführer und bedient einen der drei gelben Kolosse, die auf der Baustelle des Hotels in List stehen.
"Absolut schwindelfrei"

Wer den ganzen Tag diese gute Aussicht genießen darf, muss zumindest einen beschwerlichen Weg zum Führerhäuschen in 40 Metern Höhe in Kauf nehmen: Fast 100 Leitersprossen erklimmt Bahr jeden Morgen - und steigt sie am Abend wieder hinunter.

"So weit oben zu sein, das ist für mich mittlerweile zur Gewohnheit geworden, ich bin absolut schwindelfrei", sagt er und blickt zu seinem Arbeitsplatz in luftiger Höhe hinauf. "Und der Ausblick ist natürlich immer schön. Auch hier auf der Insel gefällt mir das sehr gut. Aber auch in größeren Städten ist es toll, über all die Dächer blicken zu können."

Die Gegend von oben zu erkunden, ist zwar angenehmer Nebeneffekt der Arbeit, zählt jedoch nicht zu Bahrs Hauptaufgabe: Er bewegt mit seinem Kran Lasten auf dem Bau beispielsweise Fertig- oder auch Betonteile, die am Boden von einem anderen Arbeiter an den vier Haken befestigt werden. Nach oben wird das Gut mit der so genannten Katze - einem beweglichen Bauteil auf Rollen am waagerechten Ausleger des Krans - befördert.
Persönlicher Rekord: 95 Meter

"Acht Tonnen können maximal angehoben werden. Vorn an der Spitze des Auslegers trägt der Kran immerhin noch 2,5 Tonnen", erklärt Bahr. Umkippen kann sein Arbeitsplatz nicht: "Ein Computer berechnet, an welcher Position die Katze bei welchem Gewicht der Last maximal stehen darf. Wenn es eng wird, hupt es im Führerhäuschen."

Ganz ohne die Hilfe der Technik muss Helmut Bahr entscheiden, wie weit oben und wie lange er noch in diesen Höhen arbeiten möchte. "Ich mache das jetzt seit 40 Jahren, aber mit dem Alter ist einem die Höhe doch nicht mehr ganz einerlei." Seinen persönlichen Rekord - Lastenheben mit einem 95 Meter hohen Kran - wird Helmut Bahr daher sicher nicht mehr brechen können.

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