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Interview : Schulschließung: "Ich sehe leider keine Alternative"

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Seit drei Jahren erwartet das Land von den Syltern einen gesamtinsularen Schulentwicklungsplan. Im Gespräch mit Ulrike Bergmann kritisiert Westerlands Bürgermeisterin Petra Reiber, dass dieser bisher nicht vorliegt und berichtet von Erkenntnissen aus einem Besuch im Kieler Bildungsministerium.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2008 | 06:55 Uhr

Kiel fordert von Sylt einen inselweiten Schulentwicklungsplan. Wie weit ist man damit?

Leider nicht sehr weit. Es gab im Februar ein Treffen aller Schulleiter und Schulträger, bei dem wir über einen insularen Schulverband diskutiert haben, dem auch die Grundschulen angehören sollten. Dagegen gab es extreme Widerstände. Die Norddörfer beispielsweise erklärten, dass sie zurzeit ausreichende Schülerzahlen haben und eigenständig bleiben wollen. Erst wenn das nicht mehr gegeben ist, sind sie bereit, sich der Westerländer Nordkamp-Schule anzuschließen.

Im Zuge der Fusion hoffe ich jetzt auf ein Umdenken und darauf, dass ein gemeinsamer Schulverband zustande kommt. Denn wir sind in jedem Falle am Zug und wissen schon seit drei Jahren, dass wir dem Ministerium ein Entwicklungskonzept liefern müssen.

Was sollte da Ihres Erachtens nach drin stehen?

Was da drin steht, muss sich in jedem Fall an den Vorgaben des Schulgesetzes orientieren, nach dem Grundschulen mindestens 80 Schüler haben müssen. Das ermöglicht es uns leider nicht mehr, kleine Grundschulen zu erhalten. Ich bedaure das wirklich sehr und empfinde es auch als Standortnachteil beispielsweise für die Orte an den Inselenden, List und Hörnum, die wir ja gerne weiter entwickeln wollen.

Hörnum hat doch aber noch eine Grundschule...

...an der 42 Kinder unterrichtet werden. Ich sehe das so und der Schulverband Hörnum-Rantum ist sich darüber auch völlig im Klaren, dass dort mit Beginn des nächsten Schuljahres Schluss ist. Es gibt dazu zwischen uns auch schon Gespräche. Wegen zu geringer Schülerzahlen wird man dort nicht mehr genug Lehrerstunden bekommen. Da hilft auch keine Außenstellen-Regelung, auf die wir alle gehofft hatten. Denn wenn Lehrer von der Nicolai-Schule die Defizite auffingen, würden sie wiederum in Westerland fehlen.

Woher wissen Sie das alles so genau?

Vor kurzem war ich gemeinsam mit unserem Bürgervorsteher Peter Schnittgard in Kiel, wo uns im Bildungsministerium einiges sehr deutlich gesagt wurde. Spätestens seitdem habe ich eine Vorstellung davon, wie die Sylter Grundschullandschaft aussehen wird: Ich denke, dass mittelfristig die Tinnumer Schule die Kinder aus Morsum und St. Nicolai die Rantumer und Hörnumer aufnehmen wird. Die Norddörfer-Schule hat wegen höherer Kinderzahlen die Möglichkeit, Außenstelle der Nordkamp-Schule zu werden, womit diese auch wegen der Gesamtgröße für einen potenziellen neuen Schulleiter interessanter wäre.

Wobei die nach Ihren Worten zu schließenden Grundschulen ja Rektoren haben...

...die sich selbstverständlich auf diese Position bewerben können. Die Hörnumer Leiterin Frau Glöckner hat sich ja auch schon mit der Montessouri-Lehre, die an der Westerländer Grundschule praktiziert wird beschäftigt.

Die Eltern halten sehr große Stücke auf Schulen in den Dörfern. Gibt es gar keine Möglichkeit etwas zu retten?

Ich halte da auch sehr viel von. Gleichzeitig sehe ich, dass die Gemeinden als Schulträger gar keine andere Chance haben, als Schulen zu schließen, die vom Schulamt nicht mehr genug Lehrerstunden bekommen. Und deren Zuteilung hängt wiederum an den Kinderzahlen. Als es um die Rettung der Lister Grundschule ging, hat Bürgermeister Strenger ja sogar vorgeschlagen, dass die Gemeinde eine Lehrkraft finanziert, aber das wurde vom Schulamt abgelehnt. Was also soll man tun? Mit der Philosophie, wir machen einfach nichts und alles bleibt wie es ist, kommen wir beim Land meiner Einschätzung nach nicht mehr weiter.

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