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Interview : Schulleitung: „Das Sylter Gymnasium bleibt erhalten“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf der Insel rumort es: Wir haben die Schulleitung des Sylter Schulzentrums gefragt, was an den Gerüchten dran ist.

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 05:13 Uhr

Neue Konzepte, neue Strukturen, aber ebenso Unruhe bei Schülern, Eltern und Lehrern – das Schulzentrum steht in der Kritik. Schulleiterin Gonde Detlefsen und ihr künftiger Stellvertreter Wolf-Dietmar Stein äußern sich im Interview zu Vorwürfen und Befürchtungen.

Frau Detlefsen, Herr Stein, Sie beide sind die neue Doppelspitze des Schulzentrums Sylt – kann man das so sagen?

Gonde Detlefsen: Ich freue mich, dass Dr. Stein mein Stellvertreter wird. Die Ernennung liegt vor. In Kraft treten wird dies zum neuen Schuljahr.

Welche Veränderungen wird das mit sich bringen?

Wolf-Dietmar Stein: Wir hatten ja 2010 den Zusammenschluss von Hauptschule, Realschule und Gymnasium zu einem Schulzentrum. Haupt- und Realschule wurden aufgelöst, sind heute der Gemeinschaftsschulteil – und das Gymnasium besteht so weiter. Wir haben also zwei Abteilungen unter einem Dach. Deshalb ist es zwangsläufig und richtig, wenn in der Schulspitze auch beide vertreten sind.

Warum gibt es diese Doppelspitze nicht bereits seit 2010?

Stein: Weil man bestehende Strukturen aus beamtenrechtlichen Gründen übernehmen musste – und Schulleiter sowie Stellvertreter der einzelnen Schulen zunächst weiter beschäftigt werden mussten.

Gemeinschaftsschule und Gymnasium parallel – funktioniert das überhaupt?

Detlefsen: Von diesen organisatorischen Verbindungen gibt es noch fünf weitere in Schleswig-Holstein, die im Landesgesetz als eigenständige Schulform verankert sind. Zum Beispiel auf Föhr, in Büsum oder in Sankt Peter-Ording.

Stein: Also kleinere Standorte oder Inseln, die vor gleichen Problemen standen: Entscheiden wir uns für eine Schulform und lassen wir die anderen sterben? Oder versuchen wir, alles an Abschlüssen anzubieten? Und da hat man eben diese Schulform als ländlich-spezifische Lösung gefunden.

Und hat sich diese Lösung in den vergangenen fünf Jahren bewährt?

Detlefsen: Von 2010 bis jetzt ist das Zusammenwachsen stärker geworden. Lehrkräfte werden nicht nur in einer Abteilung eingesetzt, sondern in beiden. Das braucht wahnsinnig große Koordinierungsräume, das geht natürlich besser, wenn es einen gemeinsamen Plan gibt und das wird zum 1. August umgesetzt.

Stein: Wir versuchen, die Vorteile von Gemeinschaftsschule und Gymnasium zusammenzuführen. Wir machen beides: Eine Schule, in der ein Schüler, der Förderung braucht, diese auch erhält, bis er sich frei entwickeln kann. Und eine Schule, in der ein Schüler, der absolut leistungsorientiert denkt, auch genug „Futter“ bekommt, um leistungsorientiert arbeiten zu können. Das ist unserer Meinung nach zum größten Teil gelungen. Feinheiten können allerdings weiter verbessert werden.

Es wird also weiter ein Gymnasium auf Sylt geben. Manche befürchten ja noch immer das Aus, auch wegen mangelnder Schülerzahlen ...

Detlefsen: Das Sylter Gymnasium bleibt erhalten. Wir haben aktuell 930 Schüler, 490 im Gymnasium und 440 im Gemeinschaftsschulteil – wir stehen also sehr gut da. Und wir werden einen großen Schwung der Schüler, die hier den mittleren Schulabschluss machen, jetzt auch wieder in unsere Oberstufe übernehmen können. Das sind diejenigen, die früher nach Niebüll gefahren sind, um dort ihr Abitur zu machen. Die können jetzt im Schulzentrum bleiben.

Wie viele Schüler nutzen denn tatsächlich diese Möglichkeit?

Stein: Das sind deutlich mehr geworden. Über 50 Prozent des Abschlussjahrgangs einer zehnten Klasse gehen direkt weiter in die Oberstufe. Die Abiturientenquote auf Sylt lag 2009 noch unter 20 Prozent. In kurzer Zeit ist uns eine Verbesserung gelungen. Das führt natürlich auch dazu, dass sich die Schülerzahlen vom Gemeinschaftsschulteil verlagern. Das Gymnasium ist heute unsere stärkste Abteilung.

Dennoch wechseln viele Schüler noch immer auf’s Festland ...

Detlefsen: Dieses tägliche Pendeln muss sich niemand zumuten. Wir werden ab nächstem Schuljahr vier verschiedene Profile anbieten: Sprachen, Gesellschafts- und Naturwissenschaften, sowie – ganz neu – Sport, auf Sylt natürlich auch viel Wassersport. Das erhöht natürlich weiter die Attraktivität der Oberstufe.

Aktuell jedoch machen sich Schüler und auch Eltern um das Abitur Sorgen, weil der Oberstufenleiter zum 1. Mai die Schule verlässt ...

Detlefsen: Das Abitur läuft und es wird laufen. Kurse und Unterricht sind abgesichert. Wir haben sogar mehr Lehrkräfte als noch vor einem Jahr. Wir sind personell sehr gut aufgestellt. Auch die Stelle der Oberstufenleitung wird sehr zeitnah nachbesetzt.

Ziehen denn sonst alle Kollegen mit bei den Veränderungen? Man hört ja auf der Insel, dass Sie deshalb ganz schön in der Kritik stehen ...

Stein: Wir haben natürlich das Problem, dass sich die Art und Weise der Arbeit stark verändert. Das war schon so, als Haupt- und Realschule zusammengelegt wurden und war eine große Umstellung für viele Lehrer. Den gleichen Anspruch haben wir jetzt für gymnasiale Lehrkräfte, die auch im Gemeinschaftsschulteil eingesetzt werden, weil dort ja G9 angeboten wird. Das ist eine enorme Herausforderung, der sich nicht alle stellen wollen. Aber erstens ist das in Europa Standard – und zweitens ist es die Zukunft auch in Deutschland.

Detlefsen: Drittens ist es nicht Sylt-spezifisch, sondern seit zwei Jahren in Schleswig-Holstein vorgeschrieben.Wir kriegen Vorgaben, wie viele Stunden Gymnasiallehrer im Gemeinschaftsteil unterrichten müssen. Das führt teilweise zu Unruhe. Wir haben aber auch Lehrkräfte, die sagen: Ich möchte meine halbe Stundenzahl am Gymnasium, die andere in der Gemeinschaftsschule machen. Aber es ist mit Bedenken verbunden – und es braucht einfach Zeit.

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