Schönheitsoperation für Kampens Schmuckstück

Mit Hilfe eines Krans wurden die Einzelteile des Leuchtturmkopfes Stück für Stück abgebaut. Foto: Steur
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Mit Hilfe eines Krans wurden die Einzelteile des Leuchtturmkopfes Stück für Stück abgebaut. Foto: Steur

In Vorbereitung auf den 100. Geburtstag des Quermarkenfeuers wird das Wahrzeichen derzeit komplett saniert

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25. April 2012, 12:47 Uhr

Kampen | Maurice Morells Augen glänzen, als er über die Leiter durch die Luke klettert. Er arbeitet zurzeit zusammen mit seinem Bruder Robert Morell und Benjamin Risch auf dem Quermarkenfeuer in Kampen. Die Renovierung des 99 Jahre alten Seezeichens steht an.
"Als Kinder waren Robert und ich mal hier oben. Wir sind durch die Tür rein, die stand offen oder so", erinnert sich der ältere der Brüder. "Nein, wir sind durchs Fenster", wirft Robert ein. "Na, jedenfalls war es ganz aufregend. Wir beide sind die Treppe rauf gelaufen und dann über die Leiter zum Feuer hoch." Und jetzt stehe er an demselben Ort, der ihn als Kind so fasziniert habe und arbeite an der Sanierung des Turms mit.
Die Kuppel wurde von den Dreien bereits komplett abgebaut - einige Teile werden ausgetauscht, andere an Spezialfirmen zur Überarbeitung geschickt. Risse im Mauerwerk werden noch behoben, Schneefanggitter und Blitzableiter erneuert. Einen frischen Anstrich gibt’s innen auch. "Der muss wahrscheinlich einmal im Jahr erneuert werden bei der Witterung hier", mutmaßt Bauleiter Gerd Böhm, der regelmäßig auf der Baustelle vorbeischaut.
Bei jedem Handgriff den er täte, müsse er an die Erbauer von vor 99 Jahren denken, sagt Robert Morell. "Wie haben die das geschafft, diese schweren Teile hier rauf zu schleppen? Haben die sich Tipps von den Ägyptern geholt? Was sie alles bedacht haben, irre." Die Scheiben in der Kuppel standen in kleinen Rinnen, die genug Platz für abfließendes Kondenswasser boten. Von dort wurde es durch Abflüsse nach außen geleitet, so dass es am Turm abtropfen konnte. Gefreut haben Morell und seine Helfer sich, als sie Fett an einigen Schrauben gefunden haben. "Die haben damals schon an uns gedacht. So geht das Lösen natürlich viel leichter", lacht Robert Morell.
Alte Baupläne haben sie im Vorfeld gewälzt, sich ein Bild davon gemacht, wie es tatsächlich vor Ort aussieht. "Nicht alles, was in den Plänen stand, war auch wirklich so. Es wurden zum Beispiel nicht grundsätzlich dieselben Schrauben verwendet, warum auch immer", Robert Morell zuckt mit den Schultern.
Die Dachkonstruktion jedenfalls war logisch aufgebaut und innerhalb kürzester Zeit demontiert. Die Streben zwischen den Fensterscheiben waren in sich gedreht und jede wieder anders, so dass die Handwerker diese durchnummeriert haben, um sie später wieder richtig einbauen zu können. "Die sehen ein bisschen aus wie Propeller, wahrscheinlich damit auf den gebogenen Scheiben nicht zu viel Druck entsteht." Man gehe mit Ehrfurcht und sehr viel Vorsicht an den Turm heran. "Wie lange der Aufbau damals wohl gedauert und auch gekostet hat", fragt Maurice Morell. Aufzeichnungen darüber waren in den alten Unterlagen nicht zu finden. Die Spuren, die Sandflug und Salzluft hinterlassen haben, sind dagegen unübersehbar. "Die Scheiben in nordwestlicher Richtung sind komplett zerkratzt und wir haben Unmengen Dünengras im Leuchtturmkopf gefunden."
Das Arbeiten in der Kuppel erforderte hohe Aufmerksamkeit. "Wir haben wenig Platz, außerdem sind die Einzelteile sehr schwer und es soll schließlich keinem von uns was passieren", sagt Robert Morell. Er ist zuversichtlich, dass die geplanten zwei Monate für die Sanierung des Quermarkenfeuers ausreichen.

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