Hitze auf Sylt : Schön heiß, aber auch gefährlich

Die Temperaturen laden zu einem frischen Bad in der Nordsee ein.

Die Temperaturen laden zu einem frischen Bad in der Nordsee ein.

Einige sprechen schon vom Sylter Jahrhundertsommer, für Menschen, Tiere und Pflanzen kann die Hitze aber auch gefährlich werden.

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26. Juli 2018, 06:00 Uhr

An diesen Sommer, manche neigen bereits dazu, ihn „Jahrhundert-Sommer“ zu nennen, werden sich wohl viele noch lange erinnern. Kein Tag vergeht ohne strahlend blauen Himmel, mehrere Sonnenstunden und hohe Temperaturen. Die Strände der Insel sind pickepacke voll und durch die strandnahen Straßen zieht unablässig der zarte Duft von Sonnencreme und dem Plastik der Luftmatratzen und Schwimmtiere.

Doch die Hitze birgt auch Gefahren, warnt der Westerländer Arzt Dr. Thomas Blanck. „Wir haben hier momentan mediterrane Verhältnisse – also sollten wir uns am besten auch so verhalten, wie es die Menschen im mediterranen Raum jeden Tag machen“, sagt er. Das bedeute: Die pralle Sonne und die Mittagshitze meiden, Schatten suchen, die Räume kühl halten, einen Hut aufsetzen, Aktivitäten in die Abendstunden verschieben und, wenn es irgendwie möglich ist, ein bisschen Mittagsruhe halten. Außerdem sei leichtere Kost bei diesen Temperaturen die beste Wahl. „Aber das macht der Mensch meist automatisch und wählt eher einen Salat als die Haxe“, so Blanck. Wer in die Sonne geht, solle sich unbedingt eincremen und auf Sonnenschutz achten, um Hautverbrennungen und bösartigen Entartungen von Hautzellen vorzubeugen.

Aber was macht die Hitze eigentlich mit dem Körper? „Sie bringt ihn zum Schwitzen und damit verdunstet viel Flüssigkeit“, erklärt der Arzt. Und weil auf der Insel immer ein leichter Wind wehe, würde diese Verdunstung den Körper sogar kühlen. „Wir finden das angenehm und merken gar nicht, wie viel Flüssigkeit wir tatsächlich verlieren“, so Blanck. Diese verdunstete Flüssigkeit müsse aber dringend wieder aufgefüllt werden. Er empfiehlt daher gesunden Menschen, bei dieser Hitze zwei bis zweieinhalb Liter am Tag zu trinken.

Aber nicht nur für die Menschen, auch für Tiere ist die Hitze nicht ungefährlich. Aus diesem Grund sollten Spaziergänge und sportliche Betätigungen mit dem Hund in die Morgen- und Abendstunden verlegt werden, wenn die Temperaturen gemäßigter sind. Andernfalls können – vor allem bei älteren Tieren – Kreislaufprobleme auftreten. „Wir sehen immer wieder, dass Hunde neben Fahrrädern ihrer Besitzer herlaufen müssen, das sollte man bei diesen Temperaturen lieber nicht machen“, betont eine Mitarbeiterin des Sylter Tierheims. Zudem müsse den Tieren immer ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stehen.

Auch die Gärtner auf der Insel haben es viele Jahre nicht mehr mit so einer langanhaltenden Hitzewelle zu tun gehabt. „Das ist für uns wirklich eine Extremsituation“, sagt Marcel Konopka von der Gärtnerei Willi Petersen & Sohn in Westerland. Der Gärtner empfiehlt, die Pflanzen am besten in den Morgen- oder Abendstunden zu wässern. Mittags würde das Wasser derzeit eher „verdampfen, bevor es dort ankommt, wo es eigentlich hin soll.“ Außerdem könnten auch Pflanzen Sonnenbrand bekommen, vor allem, wenn sie in der Sonne von oben gewässert werden, warnt Konopka. Dieser äußere sich vor allem durch eine Verfärbung der Blätter. Etliche ehemalige Grün-Flächen haben sich in den vergangenen Wochen in Stroh-Flächen verwandelt, das Gelb-Braun der ausgetrockneten Grashalme ist in vielen Inselorten die vorherrschende Farbe. „Die vertrockneten Wiesen sind in diesem Sommer leider nicht mehr zu retten“, so der Gärtner. Erst im Herbst könne man diese wieder aufpäppeln, „das ist dann aber generell kein Problem“, so Konopka. Trotz des Wassers aus dem Schlauch: Er würde sich über ein bisschen Regen freuen: „Es könnte gut fünf bis sechs Nächte hintereinander durchregnen. Dann würden die Gärten wieder richtig in die Gänge kommen.“

Und in der Tat ist etwas Regen für die kommenden Tage angesagt. „Schon heute wird es etwas kühler und es kann sogar den einen oder anderen Schauer geben, vielleicht sogar am Nachmittag ein kurzes Gewitter“, sagt Sebastian Wache von Wetterwelt in Kiel. Doch das soll nur kurzfristig für Abkühlung sorgen. „Die Temperaturen bleiben grundsätzlich bis zum Wochenende warm“, so der Meteorologe. Am Sonnabend kommt dann aber eine Kaltfront, die voraussichtlich am Abend für kräftige Schauer und Gewitter sorgen wird, bevor es in der kommenden Woche wieder warm wird.

Nach der wochenlangen Trockenheit steigt auf der Insel auch die Brandgefahr in ausgedörrten Salzwiesen, Dünen und auf den Deichen. Viele Priele des Wattenmeers, in die eigentlich zweimal pro Tag die Flut gelangt, sind von Trockenrissen durchzogen. Die Küstenlandschaft ist so verdorrt wie selten zuvor. „Viele Besucher sind sich der Folgen nicht bewusst, die ihre Fahrlässigkeit und Unachtsamkeit für die Natur im Wattenmeer haben kann“, sagt Christoph Goetze von der Schutzstation Wattenmeer. Im Augenblick könnten selbst kleine Funken oder Glutreste Flächenbrände auslösen und auch liegengelassene Glasflaschen können schnell zum Brandverursacher werden“, ergänzt der Biologe Rainer Schulz. Er appelliert an die Besucher: „Wer Zigaretten in den Nationalpark hineinträgt, kann sie auch wieder mitnehmen.“ Im übrigen sei das Wegwerfen der Kippen eine Ordnungswidrigkeit, betont Christoph Goetze, „bei Ausbruch eines Feuers macht sich der Verursacher einer fahrlässigen Brandstiftung strafbar.“


Morgen in der Sylter Rundschau: Wein- und Essenstipps für heiße Tage.

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