Winterchaos im Norden : Schnee blockiert Sylt

Jede Menge Schnee legte den Schienenverkehr zeitweise lahm.
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Jede Menge Schnee legte den Schienenverkehr zeitweise lahm.

Der heftige Wintereinbruch auf dem Festland wirkte sich gestern auch auf die Insel aus: Stundenlang fuhren weder Autozüge noch Syltfähre

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01. März 2018, 20:54 Uhr

Auf Sylt war es gestern zwar eisig kalt mit böigem Ostwind um sechs Beaufort, stärkeren Schneefall gab es aber nicht – die Insel ist noch immer nur dünn überzuckert. Ganz anders jedoch auf dem nahen Festland: „Hier ist die Hölle los“, sagte ein Bahnmitarbeiter aus Niebüll und berichtete von 50 Zentimeter hohen Schneemassen, in Verwehungen sogar bis 1,50 Meter. Seit der Nacht hatte es im Norden Schleswig-Holsteins pausenlos geschneit und die Folgen des heftigen Wintereinbruchs wirkten sich auch auf Sylt aus. So war die Insel zumindest in den Morgenstunden mit Kraftfahrzeugen überhaupt nicht zu erreichen.

„Beim Sylt Shuttle konnten in der Zeit von 5 Uhr bis 7.30 Uhr in beiden Richtungen keine Autozüge fahren, weil Loks und Waggons komplett eingeschneit waren“, erklärte Egbert Meyer-Lovis. „Es mussten zunächst Schnee und Eis entfernt werden. Seit 7.30 Uhr konnten wir dann wieder mit zwei Zugpaaren fahren.“ Das sei allerdings ein Paar weniger als sonst, räumte der DB-Sprecher ein, auch wären die eingesetzten Autozüge kürzer als normal. Dadurch kam es im Laufe des Tages zu teils heftigen Verspätungen von bis zu anderthalb Stunden, die auch die Personentriebwagen des Sylt Shuttle Plus betrafen. Insgesamt habe es gestern neun Ausfälle beim DB Sylt Shuttle gegeben, sagte Meyer-Lovis.

Auch Konkurrent „Autozug Sylt“ machte das Schneechaos zu schaffen: „Kein Autozugverkehr von 6 Uhr bis 9 Uhr aufgrund witterungsbedingt gesperrter Verladeterminals“, teilte Meike Quentin mit, „das heißt Ausfall von fünf blauen Autozügen.“ Fahrgäste mit gebuchten Online-Tickets wären vorab persönlich per E-Mail informiert worden, so die Unternehmenssprecherin, und die zeitliche Zugbindung für Fahrgäste mit Online-Sparpreis-Ticket sei für den gestrigen Tag aufgehoben worden.

Die Alternative einer Überfahrt mit der Syltfähre stand gestern Vormittag für Kraftfahrzeuge auch nicht zur Verfügung. „Aufgrund von Niedrigwasser im dänischen Hafen Havneby entfielen die Abfahrten zwischen 5.15 Uhr und 8.30 Uhr“, sagte Tim Kunstmann, Verkaufsleiter der Römö-Sylt-Linie. Die Ursache sei jedoch nicht das Schneechaos gewesen: Grundsätzlich hätte die Syltfähre fahren können, aber aufgrund des Wasserstands sei es nicht möglich gewesen, in Havneby Fahrzeuge be- und entladen zu können.

„Das hatte also nichts mit Eis oder Schnee zu tun. Es lag tatsächlich nur am Wind, welcher über mehrere Tage sehr stark aus der falschen Richtung kam und daher kaum Wasser im Hafenbecken übrig ließ“, so Kunstmann. „So etwas hatten wir in dieser Stärke schon lange nicht mehr. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob das während meiner Zeit schon mal so stark war. Und ich bin schon lange dabei.“ Aus Sicherheitsgründen musste das Schiff während der Wartezeit nach List geholt werden. Ab 9.30 Uhr konnte die Syltfähre dann für den Rest des Tages wieder ihren regulären Verkehr fahren.

Aufgrund der besonderen Witterungsverhältnisse kam es gestern auch in Personennah- und Fernverkehr auf der Marschbahnstrecke zu zahlreichen Zugausfällen und -verspätungen. So mussten laut DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis zum Beispiel drei der neuen Bombardier-Loks der Baureihe 245 wegen Schäden aus dem Verkehr genommen werden. Die Zugverspätungen lagen über den gesamten Tag verteilt in Bereichen von 15 Minuten bis zu mehr als einer Stunde. Auch konnte die Strecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland häufig nur abschnittsweise bedient werden. „Stand 17.30 Uhr ist leider davon auszugehen, dass es bis zum Betriebsschluss zu weiteren Ausfällen und Verspätungen kommt“, erklärte Egbert Meyer-Lovis.


 

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