Bauplanung auf Sylt : Schluss mit Wellness-Urlaub in der Nordseeklinik auf Sylt

Das Gelände der Nordseeklinik (Bildmitte) soll in vier Sondergebiete eingeteilt und vollständig überplant werden.
Das Gelände der Nordseeklinik (Bildmitte) soll in vier Sondergebiete eingeteilt und vollständig überplant werden.

Weniger Betten für Reha-Patienten in der Nordseeklinik: Die Bauverwaltung will das Gelände der Asklepios-Klinik überplanen. Medizinfremde Nutzungen soll dort künftig nicht mehr erlaubt sein.

23-62765520_23-66131881_1417185228.JPG von
19. Juni 2015, 05:00 Uhr

In der Asklepios-Nordseeklinik soll es künftig keine so genannten Urlaubsangebote mehr geben dürfen. Außerdem könnte die maximale Anzahl der Betten für Reha-Patienten und deren Angehörige auf 300 begrenzt werden. Dies sind nur die Wesentlichsten der zahlreichen Einschränkungen, die in den Entwürfen eines Bebauungsplans für das Klinikgelände enthalten sind. Insbesondere soll festgelegt werden, welche Art von Gebäuden zu welchen Nutzungszwecken in den beiden Sondergebieten „Krankenhaus/Reha-Klinik“ und „Personalwohnen“ errichtet oder umgebaut werden dürfen. Wie bei den neuen B-Plänen für das Gebiet „Osterende“ in Morsum, wird die Bevölkerung auf einer öffentlichen Info-Veranstaltung frühzeitig beteiligt und erhält die Möglichkeit zu Anregungen und Hinweisen. Dazu hat das Bauamt der Gemeinde Sylt für kommenden Montag, 22. Juni, 19 Uhr in den Sitzungssaal des Westerländer Rathauses eingeladen.

Mit der Überplanung des Areals im Norden Westerlands setzt die Verwaltung unter der Leitung von Bürgermeister Nikolas Häckel einen Beschluss der Politik aus dem Jahr 2012 um. Die Bauausschuss-Mitglieder hatten verlangt, wegen konkreter Absichten des Betreibers Asklepios, die Klinik neu zu strukturieren und möglicherweise erhebliche Umnutzungen vorzunehmen, endlich einen verbindlichen B-Plan aufzustellen. Diese Forderungen hat das Bauamt jetzt mit konkreten Festlegungen und ausführlichen Erläuterungen umgesetzt. Es soll gewährleistet sein, dass diejenigen Einrichtungen, die der medizinischen Versorgung der Bevölkerung auf der Insel Sylt und in der Region dienen, also das Krankenhaus mit Notfallambulanz und die Fachklinik für Dermatologie und Allergologie, langfristig planungsrechtlich gesichert werden und als Hauptnutzung des Klinikgeländes fortbestehen. Außerdem wird durch die Festsetzung im B-Plan die Nutzung der Reha-Klinik abgesichert. Mit der Begrenzung der dort erlaubten Bettenanzahl soll jedoch eine Ausweitung des Reha-Betriebes zu Lasten der Akut-Klinik verhindert werden, weil die Klinik für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung von zentraler Bedeutung ist.

Ein Dorn im Auge sind Politik und auch Verwaltung jedoch die „Gesundheitsarrangements“ im Angebot der Nordseeklinik. Für 1  369 Euro können Urlauber beispielsweise das Angebot „Sylt gesund“ mit sieben Übernachtungen für zwei Personen „im Seehaus mit gehobenem Ambiente“ buchen, Aufpreis für eine Suite: 50 Euro je Tag. Dafür erhalten die Gäste Entspannungsmassagen, Anwendungen auf dem Hydrojet oder Meeresschlickpackungen, können Kneipp-Wassertreten, ihre Fitness trainieren, Nordic Walking oder Aqua-Gymnastik machen sowie Schwimmbad und Sauna nutzen. Ärztliche Leistungen sind nicht enthalten, selbst die Eingangsuntersuchung ist optional.

Dieses und weitere Urlaubsangebote wie die „Offene Badekur“, die zwar teilweise Einrichtungen des Krankenhauses mitnutzen, aber nicht zur medizinischen Grundversorgung oder zum Reha-Betrieb beitragen, darf die Klinik künftig nicht mehr anbieten, heißt es in den Vorlagen des Bauamtes. Zwar sei die Insel Sylt laut Landesentwicklungsplan ein Schwerpunktraum für Tourismus und Erholung und daher bevorzugter Standort für entsprechende Angebote, gleichzeitig sei der Bereich Westerland/Tinnum jedoch auch Schwerpunkt für die Versorgung mit Infrastruktureinrichtungen, dazu gehörten ebenso medizinische Dienstleistungen. Touristische Angebote könnten auch an anderen Stellen auf Sylt entwickelt werden. Im Sinne einer nachhaltigen Daseinsvorsorge wäre sinnvoll, die vorhandene Kliniknutzung zu erhalten und sie vor einer Verdrängung durch andere Nutzungen zu schützen.

Auf Anfrage der Sylter Rundschau sagte Asklepios-Sprecher Mathias Eberenz, die Nordseeklinik werde ihrem Versorgungsauftrag auch künftig uneingeschränkt nachkommen. Auf das drohende Ende des „Tourismusbetriebs“ in der Nordseeklinik ging Eberenz nicht ein, sondern sagte lediglich, die Angebote der Akutklinik und der Rehaklinik stünden nicht zur Disposition. Im Gegenteil – das Unternehmen plane, „zur Sicherung des Standorts und der medizinischen Qualität“ die Gebäude an aktuelle und künftige Bedürfnisse der Patienten anzupassen. Zudem wolle man „Reha- und Präventions-Angebote für Selbstzahler erweitern, die eindeutig medizinisch indiziert sind und sich klar vom touristischen Angebot der Insel abgrenzen“, so der Asklepios-Sprecher. „Die Vermutung, wir könnten damit in Konkurrenz zum hochwertigen Wellnessangebot der Insel treten, ist für uns nicht nachvollziehbar.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen