Nachtruhe auf Sylt : Schluss mit lustig um 22 Uhr?

Party und Musik unter freiem Himmel sind laut Gesetz nur bis 22 Uhr zulässig.
Party und Musik unter freiem Himmel sind laut Gesetz nur bis 22 Uhr zulässig.

Kampener Hotelier Dirk Erdmann setzt sich für eine spätere Musikruhe in Sylter Cafés und Restaurants ein.

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07. Juni 2018, 06:00 Uhr

Kampen | Sommerliche Temperaturen, lauschige Abende – da wird das gesellige Beisammensein unter freiem Himmel schon mal später. Doch wenn vor Sylter Cafés und Restaurants die Stimmung steigt und die Musik aufgedreht wird, sinkt die Laune der ruhebedürftigen Nachbarn. Sogar das Schleswiger Verwaltungsgericht muss sich mit einer Klage von lärmgestressten Sylter Zweitwohnungsbesitzern beschäftigen. Nun schlägt der Kampener Hotelier und Gemeindevertreter Dirk Erdmann vor, den Betrieb in der Hauptsaison von 22 Uhr auf 23.30 Uhr zu verlängern. Die Unterstützung vieler Sylter ist ihm sicher.

Für Gaststätten gilt das Bundesimmissionsschutzgesetz, und das sieht grundsätzlich eine Nachtruhe ab 22 Uhr vor, bei „Schankvorgärten“ aber auch Ausnahmen in der Woche bis 23 Uhr und am Wochenende bis 24 Uhr. Unter dem Druck der klagenden Zweitwohnungsbesitzer vom Kampener Bergentenweg, der parallel zur Partymeile Strönwai verläuft, muss das Ordnungsamt nun rigoroser durchgreifen. Nach 22 Uhr darf von den Außenterrassen keine Musik mehr zu hören sein.

Die Einhaltung der aktuellen Vorschriften in Kampen kontrolliert ein Kieler Sicherheitsdienst. Für die Kosten des von 22 bis 6 Uhr patrouillierenden Wachdienstes kommen die sechs Wirte von Pony, Odin, Gogärtchen, Rauchfang, Dorfkrug und Rotes Kliff gemeinsam auf. „Wir haben die musikalische Nachtruhe gut im Griff“, glaubt Odin-Chef Jörn Steffen.

„Musik aus um 22 Uhr – das verträgt sich nicht mit einem Tourismusort“, findet Dirk Erdmann, dessen Hotel Rungholt in der Kurhausstraße nur wenige Hundert Meter vom Strönwai entfernt liegt. „Dass man Rücksicht nehmen muss, ist klar, aber 22 Uhr ist sehr früh.“ Erdmann geht es nicht um den eigenen Betrieb, nach 22 Uhr gibt es bei ihm sowieso kein Terrassengeschäft mehr. „Mir geht es um den Ort“, stellt er klar. „Ich wünsche mir Leben im Dorf.“ Es sei der Wunsch der Gäste, auch nach 22 Uhr mit Musik in moderater Lautstärke draußen sitzen zu können. Seine Hotelgäste fühlten sich dadurch nicht gestört. Die Ruhezeit um 22 Uhr bedrohe jedoch die Existenz der Gastronomen.

Für eine spätere Ruhezeit setzt sich auch die Kampener Bürgermeisterin Steffi Böhm ein. „Ruhe und Schlaf ist ein wichtiges Gut“, sagte sie unserer Zeitung, „aber ein vernünftiges Miteinander muss möglich sein.“ Es sei ganz selbstverständlich, im Urlaub länger gemeinsam draußen zu sitzen. Zudem sei die Whiskystraße ein wichtiger Bestandteil von Kampen – und die Gastronomie wichtig für den Tourismus. Weil das Immissionsschutzgesetz auch für andere Gemeinden an Nord- und Ostsee problematisch sei, müsse der Tourismusverband aktiv werden.

Bürgermeister Nikolas Häckel zeigt Verständnis für den Vorschlag aus Kampen: „Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Gastronomen die landesgesetzlichen Regelungen zum Immissionsschutz einschränkend empfinden.“ Allerdings sei die Gemeinde an geltendes Landesrecht gebunden und könne die Nachtzeit nicht ändern. „Wir sind präventiv mit den Gastronomen im Gespräch und werden nur aktiv, wenn Beschwerden oder Anzeigen eingehen.“ Seine Empfehlung: Der Hotel- und Gaststättenverband sollte auf Landesebene auf eine Rechtsänderung drängen.

Bis sich das Schleswiger Verwaltungsgericht mit dem Fall beschäftigt, dürfte die Saison 2018 aber längst beendet sein. „Die Akten sind noch nicht vollständig“, erklärte Pressereferent Dr. Harald Alberts, „ein Verhandlungstermin ist nicht absehbar.“

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