Schönes Dorf : Schluss mit Keitumer Schilderchaos

An allen Ecken und Enden von Keitum standen Pfähle mit Wegweisern zu Geschäften, Restaurants und Hotels. Erhalten bleiben nur wichtige Hinweise – wie auf Apotheke, Bushaltestelle und Nahversorger.
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An allen Ecken und Enden von Keitum standen Pfähle mit Wegweisern zu Geschäften, Restaurants und Hotels. Erhalten bleiben nur wichtige Hinweise – wie auf Apotheke, Bushaltestelle und Nahversorger.

Im Kapitänsdorf werden derzeit sämtliche Hinweisschilder auf kommerzielle Anbieter entfernt / Moderne Alternativen werden gesucht

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13. Februar 2018, 04:53 Uhr

Das Chaos von Hunderten Hinweisschildern an Dutzenden von Standorten überall im Kapitänsdorf ist Bürgern wie Politikern schon lange ein Dorn im Auge. Bereits im Dezember 2014 hatte der Ortsbeirat beschlossen, das vorhandene Beschilderungssystem zumindest für private Institutionen wie Hotels, Restaurants, Appartement-Vermietungen oder Boutiquen nicht weiterzuführen. Es verschandle das historische Ortsbild, die Hinweistafeln seien teilweise veraltet, häufig ungepflegt, manche Masten stünden nur noch verrottet und schief im Wind – so lauteten die Argumente der Schildergegner. Künftig soll ausschließlich auf Orte und Einrichtungen hingewiesen werden, die von allgemeinem Interesse sind: wie zum Beispiel Heimatmuseum und Altfriesisches Haus, Apotheke und Ärzte, Bahnhof und Bushaltestelle, Nahversorger und Tourismus-Service oder den Friesensaal und die Kirche St. Severin.

Am vergangenen Donnerstag haben Mitarbeiter des Bauhofs der Gemeinde Sylt begonnen, sämtliche Hinweisschilder auf kommerzielle Anbieter zu entfernen – unabhängig davon, in welchem Zustand diese sind und ob sie vielleicht erst vor kurzer Zeit neu angebracht wurden. „Unsere Kollegen werden damit einige Tage, ja Wochen zu tun haben“, erklärte Björn Christiansen, der Leiter des Bauhofs. Die Aluminiumschilder und deren Befestigung seien mitunter so verwittert, dass Spezialwerkzeug notwendig wäre und allein die große Anzahl sorge für hohen zeitlichen Aufwand. Ursprünglich sollte es eine andere Variante geben, mit der Keitumer Gewerbebetriebe wie Hotels, Restaurants oder Einzelhandelsgeschäfte gegen Entgelt auf sich und den Standort ihres Betriebes hinweisen können. Dazu war an sieben Stellen die Aufstellung von Ortsplänen inklusive Werbeflächen geplant. Um dieses Projekt umzusetzen, wären jedoch zirka 15 000 Euro erforderlich. Geld, das die Gemeinde laut Bürgermeister Nikolas Häckel nicht hat – deshalb der Plan einer Finanzierung über gewerbliche Inserenten. Doch trotz einer im Juli 2017 nochmals verlängerten Anmeldefrist, scheiterte das Projekt aufgrund geringer Nachfrage.

Alternativ sollten dann in Kooperation mit dem Verein Sylter Unternehmer (SU) Werbemöglichkeiten in Form von sechs „Vitrinen“ – eine davon bereits am Friesensaal vorhanden, zwei weitere neu an Buswartehäuschen sowie drei mit Standfuß im Ort – hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität geprüft und dies eventuell als Gemeinschafts- oder Einzelprojekt im Unternehmerverein umgesetzt werden.

Der SU sieht jedoch ein Problem darin, dass die angedachte Werbeform (Vitrinen mit Ortsplan und Werbeflächen) nicht wirklich überzeugen kann. Es sei nicht zeitgemäß beziehungsweise unattraktiv. Daher habe sich der Verein nach moderneren Alternativen umgesehen (zum Beispiel Stelen mit LCD-Panel), die aber preislich eine große Herausforderung darstellen werden, teilte SU-Geschäfsstellenleiter Ronald Glauth mit. Allein bei drei Vitrinen mit Standfuß kämen schnell 60 000 Euro zusammen. Die Vitrinen hätten auch einen weiteren entscheidenden Nachteil: Die Werbewirkung und Information sei zu sehr auf deren Standorte begrenzt. Vielmehr brauche es eine Besucherlenkung im Ort, vor allem an den Kreuzungen.

Dazu sei das bisherige System mit den Hinweisschildern durchaus geeignet gewesen, so Glauth. Wie eine Besucherlenkung mit modernen technischen Möglichkeiten realisiert werden könne und welche Lösungen es bereits gebe, dazu sehe sich der SU trotz Internetrecherche zu wenig im Thema. Allerdings liege darin eher die Herausforderung, anstatt auf eine nicht mehr zeitgemäße Werbemöglichkeit zu setzen. Zumal dieses Thema sich nicht nur auf den Ort Keitum beschränke, sondern gesamtinsular von Belang sei. Auch Oliver Ewald zeigt sich weiter offen für neue Ideen notwendiger Informationen und einer sinnvollen Besucherlenkung im Dorf. „Aber wir haben auch beschlossen, das ungeliebte Schilderchaos zu beseitigen - dazu stehen wir und das ist auch gut so“, sagte der Keitumer Ortsbeiratsvorsitzende.

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