zur Navigation springen
Sylter Rundschau

23. September 2017 | 04:17 Uhr

Halle 28 : Schließung der Halle – und dann?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fraktionen wollen für 500 000 Euro eine neue Halle an der Feuerwache bauen: „Schlag ins Gesicht der Katastrophenschützer".

Die Sperrung der Halle 28 – ein herber Schlag für die ehrenamtlichen Katastrophenschützer von DRK und Feuerwehr. Am Mittwoch wurde die „Nutzungsuntersagung“ des Kreises Nordfriesland der Gemeinde zugestellt, die Nutzung angesichts der Mängel bei Brandschutz und Standsicherheit „ab sofort“ verboten. Die bange Frage der Insulaner: Was wird nun aus dem Katastrophenschutz?

Der DRK-Vorsitzende Karl-Heinz Kroll kündigte gestern bereits an, das in Halle 28 untergestellte Material und die Fahrzeuge nun auf das Festland zu verfrachten oder zu verkaufen. „Dann sind wir beschränkt auf den regulären Rettungsdienst, falls ein Unglück passiert.“ Ein gerüttelt Maß an Frustration über die Kommunalverwaltung war nicht zu überhören.

Bürgermeister Nikolas Häckel mahnt zur Besonnenheit – eine sofortige Räumung der Halle 28 sei nicht nötig. „Wir haben keine zeitlichen Vorgaben.“ Da in der Halle nur Fahrzeuge und Material gelagert würden und keine Menschen gefährdet seien, könne „in aller Ruhe“ nach einer Lösung gesucht werden. Das Thema werde am 14. Juni im Hauptausschuss beraten. Auch der Katastrophenschutz sei durchaus gewährleistet, beruhigt der – dafür verantwortliche – Bürgermeister. „Wenn heute etwas passiert, werden wir auch Herr der Lage. Wir müssen nicht panisch werden.“ Bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung für den Katastrophenschutz werde auf jeden Fall das Ehrenamt miteinbezogen. „Wir sollten uns lösen von der zentralen Halle, damit wir auch die Inselenden gut versorgen können.“

Die Gemeindevertretung hat am 10. September 2009 beschlossen, alle Gebäude auf dem Fliegerhorst abzureißen und das Gelände zu renaturieren – eine Entscheidung, die am 19. März 2015 nochmal bestätigt wurde. SPD, SWG, SSW und Grüne wollen stattdessen eine neue Materialhalle nördlich der Westerländer Feuerwache errichten. Ein Plan, den die vier Fraktionen gestern abend mit einem Eilantrag in die Gemeindevertretersitzung einbringen wollten. Beim Thema Katastrophenschutz bestehe dringender Handlungsbedarf, und daher empfehlen sie vorübergehend einen Umzug von Halle 28 in Halle 74 und den sofortigen Baubeginn für eine Lager- und Fahrzeughalle in Industriebauweise. 500  000 Euro sollen noch im Nachtragshaushalt 2016 für diese „Kathalle“ zurückgestellt werden.

Eine Summe, für die sich Halle 28 locker renovieren ließe, argumentieren die Abrissgegner. In der Bevölkerung gäbe es eine große Mehrheit für den Erhalt der Halle 28, meint Ronny Glauth von den Sylter Unternehmern. „Man merkt deutlich, dass es im Hintergrund Kräfte gibt, die den Abriss unbedingt wollen, ohne auf die Mehrheit der Bürger zu hören.“ Und diese Taktiererei – auch vom Kreis – fördere nicht gerade die Motivation der ehrenamtlichen Helfer: „Wie das eingefädelt wurde, ist ein Schlag ins Gesicht der Katastrophenschützer,“ sagt Glauth. Doch vielleicht löse der Bescheid aus Husum nun ja eine Gegenreaktion bei den Syltern aus, wenn sie am 12. Juni zum Bürgerentscheid an die Wahlurnen treten.

Klare Worte findet auch die Insulaner/Piraten-Fraktion. Sicherheitsmängel an der Halle hätte Bürgermeister Häckel längst abstellen lassen können. „Aber auch hier war er eher seinen politischen Freunden loyal als den Menschen, die sich aktiv für die Sicherheit der Sylter und der Gäste einsetzen.“ Aus „sturer Verbissenheit und Arroganz“ werde den Katastrophenschützern „ins Gesicht gespuckt, um eine Lösung um jeden Preis zu verhindern.“

CDU-Gemeindevertreter Manfred Uekermann hält den Eilantrag der S-Parteien und der Grünen für unzulässig: „Bis zum Bürgerentscheid gibt es eine Friedenspflicht zwischen Gegnern und Befürwortern.“ Es sei Beschlusslage, dass die Halle 28 stehen bleiben soll, bis es einen Neubau gibt. Zudem sei ein Umzug in die Halle 74 nicht von heute auf morgen möglich, da sie unter anderem von einer Flugzeugwerft genutzt wird.

„Wo waren denn die Fahrzeuge und das Material, bevor der Katastrophenschutz in die Halle eingezogen ist?“, fragt dagegen die Grünen-Gemeindevertreterin Maria Andresen. Ihre Fraktion ist für den Hallenabriss, will den Fliegerhorst dann großräumig einzäunen und zu einer „wilden Weide“ mit freilaufenden Pferden umgestalten. Außerdem könnte ein Fahrrad- und Wanderweg nach Munkmarsch über den Fliegerhorst führen. Für den Katastrophenschutz der Insel seien dezentrale Lösungen sinnvoller als ein zentraler Anlaufpunkt. Bei einer Katastrophe könnten Menschen auch in den Schulen, Turnhallen, Kursälen und Kliniken der Insel untergebracht werden.

Maria Andresen schlägt vor, die Halle vor dem Bürgerentscheid öffentlich zugänglich zu machen – aus Sicherheitsgründen natürlich nur von außen. „Dann können sich Fußgänger und Radfahrer ein eigenes Bild vom schlechten Zustand der Halle machen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen