Wohnungsbau auf Sylt : Schlechte Zeiten für Spekulanten

Auf dem Bastianplatz in Westerland entstehen gegenwärtig zehn Reihenhäuser auf Erbpachtbasis
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Auf dem Bastianplatz in Westerland entstehen gegenwärtig zehn Reihenhäuser auf Erbpachtbasis

Gemeinde Sylt befristet künftige Erbpachtverträge auf 50 Jahre Laufzeit / Im Gegenzug soll der Erbbauzins sinken

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19. Januar 2018, 06:07 Uhr

Baukosten auf der Insel sind hoch, die Grundstückspreise noch viel höher. Da verspricht vielen Normalverdienern das Bauen auf Gemeindeland die Chance auf die eigenen vier Wände. Bisher waren Erbpachtverträge über 99 Jahre die Regel. Die Gemeinde Sylt wird künftig Verträge mit 50-jähriger Laufzeit anbieten.

Beim Erbpachtmodell mietet der Bauherr ein Grundstück, um darauf ein Haus zu bauen. Das Haus gehört ihm, für das Grundstück zahlt er jeden Monat einen Erbbauzins. Weil Grund und Boden auf Sylt rar und teuer ist, bieten die Gemeinden ihren Bürgern Grundstücke an, um sie in ihren Dörfern zu halten. Der Bauherr freut sich über das günstige Grundstück, die Gemeinde behält ihren Einfluss – und will so verhindern, dass der Hausbesitzer bei einem Verkauf Kasse macht.

Wer künftig ein Grundstück von der Gemeinde pachtet, ist nicht mehr für 99 Jahre auf der sicheren Seite, sondern nur noch für 50 Jahre. Der Vorstoß von Marcus Kopplin, Chef des gemeindeeigenen Kommunalen Liegenschaftsmanagements (KLM), wurde vor vier Wochen von der Gemeindevertretung ohne Gegenstimmen angenommen.

Auslöser waren laut Kopplin mehrere Fälle, in denen kleine, renovierungsbedürftige Reihenhäuser am Seedeich in Westerland für 350 000 bis 450 000 Euro verkauft worden sind. Reihenhäuser, die die Eigentümer zuvor für 60 000 bis 70 000 Euro zuzüglich Erbpacht von der Gemeinde gekauft hatten. Angesichts von Restlaufzeiten von 70 oder 80 Jahren sind Käufer bereit, die hohen Preise zu zahlen. Bei einer kürzeren Laufzeit, so das Kalkül der Gemeinde, wären die Immobilien weniger wert. Der Verkaufsgewinn fiele kleiner aus, wenn das Grundstück nur für 20 oder 30 Jahre gesichert sei. Im Gegenzug könnte der Erbbauzins sinken.

Für 2018 plant das KLM 16 neue Reihenhäuser auf Erbpachtbasis – zehn auf dem Bastianplatz, zwei am Morsumer Deelgung und vier hinter der alten Schule in Archsum.

„Unser Ziel ist, dass die Häuser an Bürger gehen, die ernsthaft hier leben wollen“, sagt Marcus Kopplin. „Und nicht an Käufer, die einen guten Schnitt durch einen späteren Verkauf machen wollen.“

Das Problem: In den Pachtverträgen kann nicht für ewig festgeschrieben werden, dass Spekulationsgewinne abgeschöpft werden. Rechtssicher könne nur für 20 Jahre vereinbart werden, dass der Verkäufer die Differenz zwischen ursprünglichem Kaufpreis und einem hohen Verkaufspreis an die Gemeinde abführen muss, erläutert Kopplin. Hinzu kommt: Für Zweitwohnungsinteressenten sei es gar kein Problem, die Oma kurzerhand mit Dauerwohnsitz Sylt anzumelden.

Doch was passiert, wenn ein heute 30-Jähriger in 50 Jahren mit dem Ende seines Pachtvertrages konfrontiert ist? „Dann kann eine Verlängerung bis zu seinem Umzug ins Pflegeheim oder seinem Tod erfolgen“, entgegnet der KLM-Chef. Mit den Erben könnte ein neuer Vertrag über weitere 50 Jahre geschlossen werden – wiederum mit einer 20-jährigen Abschöpfungsfrist für Verkaufsgewinne. Kopplin glaubt nicht, dass die KLM-Angebote durch die kürzere Laufzeit für die gewünschte Zielgruppe an Attraktivität verlieren. „Und wenn wir doch keine Käufer finden, nehmen wir die Häuser in die Vermietung.“

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