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Meerkabarett auf Sylt : Schlechte Chancen für neues Geld

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Joachim Wussow bittet die Gemeinde Sylt um weitere Unterstützung für das Meerkabarett, doch der ISTS warnt vor den finanziellen und steuerlichen Risiken.

Trotz finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Sylt sei sein erklärtes Ziel, die wirtschaftliche Situation des Meerkabaretts zu verbessern und unter dem Strich „sogar eine schwarze Null“ schreiben zu können, nicht erreicht worden. Dies gesteht Geschäftsführer Joachim Wussow in einem Schreiben von Ende November 2015 an Bürgermeister Nikolas Häckel und Bürgervorsteher Peter Schnittgard ein. Nur einen Monat zuvor zog der Meerkabarett-Chef in der Sylter Rundschau zwar ein positives Fazit der zurückliegenden Saison, konnte zur aktuellen finanziellen Situation aber noch keine Angaben machen. Angesichts des 2015 nach drei Jahren ausgelaufenden Ausgleichs jährlicher Verlusten bis zu 50  000 Euro über den Insel Sylt Tourismus Service (ISTS) hatte Wussow jedoch angekündigt, sich für die Zukunft intensiv um neue Finanzierungsmöglichkeiten zu bemühen: „Wir suchen zum Beispiel nach Partnern, die das Meerkabarett als Werbeplattform nutzen wollen oder Unternehmen, die Patenschaften in einer Art von Tagessponsoring für einzelne Programme übernehmen werden.“

Es seien bereits viele Gespräche geführt und eine Reihe renommierter Unterstützer für das Meerkabarett gefunden worden, teilt Joachim Wussow mit. „In der Hoffnung, dass die bisherigen alle dabei bleiben, scheint sich die Situation also zu verbessern. Allerdings bin ich mir unsicher, ob es uns gelingt, für 2016 über 15  000 Euro von Dritten zusätzlich zu akquirieren. Schließlich haben wir auch leider schon eine Reihe Absagen bekommen.“ Um einen Mehrerlös von beispielsweise zwei Euro je verkaufter Karte über den Ticketpreis zu erreichen, wäre eine Preiserhöhung von fast zehn Euro erforderlich. Dies umzusetzen hält der Chef der Rantumer Eventhalle allerdings für unrealistisch. „Aus heutiger Sicht muss ich etwas resigniert feststellen, dass das Meerkabarett als ‚kultureller Leuchtturm der Insel‘ in der heutigen Form auch in den nächsten Jahren nicht kostendeckend durchzuführen sein wird“, lautet Joachim Wussows Fazit.


Meerkabarett-Chef bittet um „wohlwollende Prüfung“


„Ich möchte daher die Zukunft des Meerkabaretts auch in Ihre Hände legen und die Gemeinde bitten, das Meerkabarett weiterhin zu begleiten“, schreibt Joachim Wussow in seinem Brief an Bürgermeister Häckel und Bürgervorsteher Schnittgard. Die Gemeindevertreter werden gebeten, „wohlwollend zu prüfen“, ob dies in der bisherigen Form und auch Höhe als Verlustübernahme möglich sei. Für das Jahr 2013 wurden laut Angaben von ISTS-Geschäftsführer Peter Douven 50  000 Euro als Zuschuss abgerechnet, für 2014 seien es 43  000 Euro gewesen. Der Zuschuss für das vergangene Jahr in bisher nicht bekannter Höhe werde dann mit offenstehenden Forderungen gegen das Meerkabarett verrechnet. Alternativ zu einer Defizitabdeckung wie bislang schlägt Meerkabarett-Chef Wussow vor, entweder einen festen Betrag je Saison oder kennzahlenorientierte Zuschüsse, zum Beispiel pro Veranstaltung oder Besucher, zu zahlen. Anfang Dezember hatte sich der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt dafür ausgesprochen, diesen Antrag des Meerkabarett-Chefs auf weitere finanzielle Unterstützung nicht, wie sonst üblich, zunächst an den Fachausschuss für Schule, Jugend, Kultur- und Sportausschuss zu überweisen. Vielmehr sollen die Gemeindevertreter auf ihrer ersten Vollversammlung des neuen Jahres am Donnerstag, dem 21. Januar, direkt über das Thema beraten und einen Beschluss fassen.

Ob die Politiker den erneuten finanziellen Zuwendungen an das Meerkabarett – in welcher Form auch immer – zustimmen werden, scheint allerdings fraglich. Bereits in der Vergangenheit wurde über das Für und Wider einer Unterstützung strittig diskutiert – auch angesichts weiterer Angebote und zunehmender Konkurrenz durch neue Veranstaltungsstätten auf der Insel wie das Kulturhaus Sylt im Keitumer Friesensaal oder den Kursaal³ im Wenningstedter Haus am Kliff.

Aktuell hat jetzt auch Peter Douven seine Bedenken zu dem erneuten Antrag des Meerkabaretts geäußert. In einem Schreiben an Bürgermeister Nikolas Häckel verweist der ISTS-Chef auf die finanziellen und auch steuerlichen Risiken eines weiteren Verlustausgleichs. Die Überweisungen, die auf Beschluss der Gemeinde über den ISTS laufen, würden das Vermögen des Unternehmens mindern und sich auch auf die Höhe des Gewinnes auswirken. Weil die Zuschüsse an das Meerkabarett nicht als Betriebsausgaben anerkannt werden, führe dies zu einem Anstieg des zu versteuernden Einkommens und zu einer Erhöhung des Gewerbeertrags. Außerdem löse die verdeckte Gewinnausschüttung eine Kapitalertragssteuer aus. Aufgrund dieser Sachlage werde die Betriebsleitung des ISTS – auch vor dem Hintergrund anderer Anbieter auf der Insel – keine Zustimmung für eine einseitige finanzielle Unterstützung eines Marktteilnehmers geben und den Antrag des Meerkabarett-Chefs nicht befürworten.

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