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Spendenaktion : Schlaganfall auf Sylt: Was passiert dann?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Beim Schlaganfall ist schnelle Hilfe notwendig. Die Erstversorgung ist dabei entscheidend. Doch die ist auf der Insel Sylt problematisch. Eine Spendenaktion soll Abhilfe schaffen.

Westerland | Es geschah auf einer Sylter Party, als der Gastgeber plötzlich ins Stocken kam, Schweißausbrüche sichtbar wurden und der 69-jährige seine Begrüßungsrede nicht zu Ende bringen konnte. Ein Arzt aus dem Kreis der Gäste erkannte sofort, dass jetzt schnelle Hilfe notwendig war, denn alle Symptome sprachen für einen Schlaganfall. Was dann kam, alarmierte die Partygäste, denn wie sie später erfuhren, wurde der Mann zwar gleich in der Nordseeklinik, so gut es das Krankenhaus vermochte, medizinisch betreut, aber eben nur so gut wie es die Ausstattung der Klinik zulässt. Und die ist gerade in diesem Bereich sehr eingeschränkt. „Wir können unseren Patienten eine integrierte, ganzheitliche Behandlung anbieten, mit Ausnahme einer Schlaganfallversorgung“, bekennt die Asklepios Nordseeklinik offen.

Denn eine solche Versorgung bedarf einer besonderen medizintechnischen und personellen Ausstattung, die sehr teuer ist. „Wenn die Klinik diese Kosten nicht aufbringen kann, dann müssen wir als Freunde der Insel und als Sylter versuchen, diese lebensrettende Investition selbst aufzubringen“, sagt ein Hamburger Unternehmer, der seinerzeit Gast bei dem Fest war. Der Hamburger und seine Frau, die beide ungenannt bleiben möchten, gründeten die Initiative „Schlaganfallversorgung auf Sylt“. Diese Initiative setzt sich für ein sogenanntes „24/7 Stroke-Unit“-Konzept ein. Das besteht zum einen aus einem leistungsstarken Computertomographen (CT) und einer telemedizinischen und -radiologischen Versorgung durch eine Anbindung an das AK Nord Hamburg. So soll eine schnelle und exakte Diagnose möglich werden, denn die entscheidet über die richtige Versorgung des Patienten.

Wissen muss man, dass sich ein Schlaganfall zwar schnell diagnostizieren lässt, aber nicht, welcher Art dieser Schlaganfall ist. Um den Patienten aber so versorgen zu können, dass er außer Lebensgefahr ist und weitestgehend vor lebenseinschränkenden Spätfolgen bewahrt wird, ist eine schnelle akutmedizinische Versorgung und damit auch eine früh einsetzende Rehabilitation dringend erforderlich, denn im Fall eines Schlaganfalls heißt es „Zeit ist Hirn“. Für Menschen, die auf Sylt einen Schlaganfall erleiden, kann zur Zeit die Erstversorgung, beziehungsweise die Diagnose, erst nach 60 bis 90 Minuten eingeleitet werden, da der Patient zunächst mit dem Ambulanzfahrzeug in die Klinik gebracht werden muss und dann, sofern Sturm oder Nebel dieses nicht verhindern, mit dem Helikopter zur nächstgelegenen Stroke Unit nach Flensburg.

Die Initiative „Schlaganfallversorgung auf Sylt“ hat als Partner die „Promedig“ gewonnen, eine gemeinnützige Gesellschaft für medizinische Innovation GmbH. Denn nicht die Nordseeklinik, sondern die Promedig würde, wenn das notwendige Spendenaufkommen von rund 830.000 Euro erreicht wird, das moderne CT sowie das Konzept des Telestrokes erwerben, um es dann der Klinik kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Krankenhaus verpflichtet sich im Gegenzug über mindestens 10 Jahre, die laufenden Kosten für die Umsetzung des Stroke-Unit-Konzeptes und die damit zusammenhängenden Personalkosten zu übernehmen. Eine Summe, die jährlich mit rund 430.000 Euro veranschlagt wird. Bernard große Broermann, Gründer und Gesellschafter der Asklepios Kliniken, hat sich dazu persönlich in einem Schreiben an die Spenderinitiative verpflichtet. Er schreibt: „Asklepios garantiert für den Fall des erfolgreichen Spendenaufrufs die zugesagte Kooperation mit den Asklepios Kliniken Hamburg und die Schlaganfallversorgung auf Sylt für die Dauer von 10 Jahren. Asklepios wird die operativen Kosten des CT-Betriebes für diese 10 Jahre tragen unabhängig davon, ob die Klinik profitabel ist oder nicht.“

Die gute Nachricht ist, dass die Initiative „Schlaganfallversorgung Sylt“ mit ihrem Spendenaufruf bereits 670.000 Euro an Spenden von Zweitwohnungsbesitzern einwerben konnte und 10.250 Euro von Syltern. Die weniger gute Nachricht ist, dass immer noch 150.000 Euro fehlen und die Spendenbereitschaft unter den Syltern bei dieser Aktion bislang sehr zurückhaltend ist. „Schlaganfall betrifft aber nicht nur die Zweitwohnungsbesitzer, sondern kann uns alle jeden Tag treffen“, sagt Herbert Seckler, der große Sympathie für die Spender-Initiative hat. Als möglichen Anreiz für eine Spende von den Sylter Bürgern oder Unternehmen würde Herbert Seckler gern die zehn größten Spender zu einem Dinner in die Sansibar einladen. Auch das sh:z Medienhaus Sylt, in dem unter anderem die Sylter Rundschau erscheint, unterstützt die Spendenaktion, die noch bis Ende November 2013 laufen soll. Falls die Spendensumme von EUR 830.000 Euro bis dahin nicht erreicht sein sollte, hat die gemeinnützige PromedigGmbH sich verpflichtet, die Spenden zurück zu überweisen. Das sollte mit allen möglichen Mitteln von den Syltern verhindert werden.

Spenden für die Verbesserung der Schlaganfallversorgung auf Sylt können auf folgendes Konto überwiesen werden:

PROMEDIG gemeinnützige GmbH
HSH Nordbank
SWIFT: HSHNDEHH
IBAN: DE54210500001000377248 bzw. BLZ: 21050000
Kontonummer: 1000377248
Verwendungszweck: Schlaganfallversorgung Sylt

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erstellt am 12.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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