Schild-Bürgerin

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26. Juni 2014, 16:01 Uhr

Ich liebe Schilder. Nein, anders formuliert: ich kann ohne Schilder nicht leben. Bei mir in Morsum habe ich eins an den Sicherungskasten im Flur direkt neben der Eingangstür gehängt. Was draufsteht? „Fenster zu? Heizung, Licht und Geschirrspüler aus? Müll?“. Ohne diese Checkliste hätte ich ein echtes Problem. Nein, falsch: bevor ich das Schild aufgehängt habe, hatte ich das ein oder andere Mal ein echtes Problem. Einmal hat es tierisch gerochen, als wir nach mehrwöchiger Sylt-Abstinenz in unsere Wohnung zurückgekehrt sind. Carsten war sich sicher, dass bei uns in wenigen Minuten die Mordkommission ermitteln würde. Glücklicherweise erwies sich beim vorsichtigen Betreten der Wohnung sofort der Mülleimer in der Küche als Übeltäter. Seit ich das Schild aufgehängt habe, klappt aber alles wie am Schnürchen.



Es gibt viele wichtige Schilder auf Sylt. Ich bin zum Beispiel fest davon überzeugt, dass der ein- oder andere Familienpapa sehr für das Schild oben am Fahrradweg, wo der Weg Richtung Buhne 16 hinunterführt, dankbar ist. Dort steht schlicht und ergreifend „Kurkarte?“. Eine gute und wichtige Frage, denn so kann Vati schnell noch mal nachgucken, bevor die Familie mit Strandmuschel und Kühltasche beladen den beschwerlichen Weg Richtung Beach auf sich nimmt, um dann festzustellen, dass die Kurkarten sicher im Handschuhfach des Autos verstaut sind. Dann muss Papi nämlich schön den ganzen Weg noch mal hin- und wieder zurücklaufen, während der Rest der Meute in der prallen Mittagshitze am Wärterhäuschen ausharren muss. Der anschließende Strandtag muss da schon 1A sein, um den häuslichen Frieden wieder herzustellen.

Auch auf dem letzten Sandweg-Stück zum Grand-Plage steht ein wichtiges Schild - diesmal für Radfahrer „Letzter Fahrradständer vor dem Strand“.
Heißt im Umkehrschluss wahrscheinlich: ab jetzt wird das Schieben richtig beschwerlich und zudem ist das Anbinden der Fahrräder am Grand Plage unerwünscht.



Bei Gosch in Wenningstedt muss man dagegen nicht zwischen den Zeilen lesen. Dort steht klar und deutlich „Fahrräder abstellen HIER verboten.“ So weit, so gut, schließlich soll nicht der ganze schöne Bereich dort mit Drahteseln zugestellt werden. Andererseits müsste es der Formulierung auf diesem Schild zufolge auch eines geben, auf dem steht: „Fahrräder abstellen HIER erlaubt.“ Das habe ich aber noch nicht entdeckt.



Dafür ist ein anderes gut gemeintes Schild ebenfalls in Wenningstedt zu sehen, und zwar an der Ausfahrt eines Hauses, das direkt in einer Kurve einer auch von Rädern viel befahrenen Strasse liegt: „Achtung Radfahrer! Ausfahrt!“. Schöne Idee, aber meiner Meinung nach ist der Text nicht ganz korrekt: „Autofahrer, achtet auf die Radfahrer!“ müsste es heißen. Die Radfahrer sind schließlich der schwächere Verkehrsteilnehmer. Nun denn.



Mein Lieblings-Schild steht übrigens am Sylter-Flughafen, genauer gesagt am Anfang der Strasse auf dem Weg zu den Linienflügen. „Die Welt freut sich auf Sie“ heißt es da. Da geht mir irgendwie immer das Herz auf, obwohl ich noch nie von Sylt irgendwohin geflogen bin und als Kielerin im Zweifel auch nie in die Verlegenheit kommen werde.



Jetzt werden Sie wahrscheinlich denken: toll, es geht um Schilder und die wichtigsten wurden überhaupt nicht erwähnt. Richtig. Und zwar die Schilder, die zu und zu gerne beharrlich ignoriert werden. Um diese Schilder geht’s in der nächsten Woche. Na, dann hänge ich hier und jetzt auch mal mein Schildchen raus: „Für heute geschlossen“.


Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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