zur Navigation springen

Erfahrungsbericht vom Syltlauf 2016 : Sauschön und saukalt: mein erster Syltlauf

vom
Aus der Onlineredaktion

Bei fast Frost 33,3 Kilometer von Hörnum nach List: Wie verrückt ist das eigentlich. Unser Reporter weiß es.

von
erstellt am 13.Mär.2016 | 16:14 Uhr

Hörnum/List | Ein Syltlauf ist anders. Das wurde mir spätestens am Start klar. 0,5 Grad zeigte das Thermometer. Oh je.

Im Vorfeld grübelte ich, wie er denn werden würde, so ein Syltlauf – mein erster. 33 Kilometer ist eine Distanz, die nicht sonderlich schreckt, wenn man schon den einen oder anderen Marathon gelaufen ist. Aber 13. März. Das ist normalerweise die Zeit im Jahr, um das Wintertraining mit kurzen Distanzen mal um den einen oder anderen Halbmarathon zu ergänzen.

Nun liegen also 33 Kilometer vor mir, 0,5 Grad, Nebel. Vom angekündigten Sonnenschein keine Spur. Den ersten Laufkilometer absolvierte ich vor dem Start außer Konkurrenz, um nicht auszukühlen.

Anders ist beim Syltlauf auch die Anmeldeprozedur. Einen so offlinigen Veranstalter gibt es wohl nur noch hier. Eine hübsche Strandkorbpostkarte als Anmeldebestätigung. Beim Abholen der Startnummer im Congress Centrum Sylt ist kein helfender Computer zu sehen. Klappt trotzdem. Hat es ja 1982 auch, beim ersten Syltlauf.

Punkt 10 Uhr geht es am Ortsausgang von Hörnum los. „In Westerland mit angezogener Handbremse, dann wird es erst richtig hart“, warnt der offizielle Starter. Ja, die letzten zehn Kilometer haben es in sich, bestätigen auch meine Start-Nachbarn. Aber das ist doch bei jedem Langstreckenlauf so? Egal, los geht's.

<p>Gedränge am Start: Alle wollen schnell los – es ist kalt.</p>

Gedränge am Start: Alle wollen schnell los – es ist kalt.

Foto: Syltpicture
 

Trotz eisiger Temperatur wird der Körper schnell warm, die ersten neun Kilometer vergehen rasant. Alles im grünen Bereich. Meine Frau reicht ein Gel-Fläschchen, die Tochter winkt, weiter geht es nach Westerland. Die Strecke dorthin verläuft optisch irgendwie ständig bergauf. Dabei kann das doch gar nicht sein? Der leichte Südostwind hilft, noch mehr helfen die Zuschauer, die an jeder Ecke begeistert klatschen, rasseln und tröten.

Auf dem Weg zur Westerländer Kurpromenade gibt es ein paar scharfe Kurven wo man aufpassen muss, sich nicht zu vertreten. Dann das Schaulaufen vor den Menschenmengen. Macht Spaß. Der Pulsmesser zeigt einen Wert, den ich für angemessen halte.

Dann erwischt mich der Fotograf der Sylter Rundschau. „Umdrehen, umdrehen“, ruft er. Und ich tue, was man auf einer Langdistanz vermeiden sollte: den Rhythmus verändern, sogar die Laufrichtung. Die Fotos sind bestimmt super geworden. Meinem rechten Oberschenkelmuskel geht es durch die ungewohnte Bewegung nicht ganz so gut auf den nächsten paar hundert Metern.

Syltlauf2016

Ein Stückchen rückwärts laufen – was so einfach aussieht, bringt Läufer schnell aus dem Rythmus.

Foto: Syltpicture
 

Das gibt sich aber wieder. Was sich nicht gibt, ist die Kälte an meinen Knien. In Kampen äußert sie sich in einem kleinen stechenden Schmerz. Doch das Publikum hält mich aufrecht. Tröten können Schmerz töten.

Das wird anders ab Kilometer 23. Hier beginnt der berüchtigte Teil der Strecke, vor dem im Vorfeld gewarnt wurde. War die Steigung zwischen Rantum und Westerland noch gefühlt, wird sie hier  real. Schlimmer: Das Publikum dünnt aus. Die Rasseln und Hände fehlen. Ab und zu hört man die Klingel von E-Bikern, denen wir zu langsam sind. An der Vogelkoje wird es noch etwas laut. Dann Einöde bis zur Straßenquerung vor List.

Bei Langstreckenläufen gibt es seit einigen Jahren ein Phänomen, dass besonders nervt und demotiviert, wenn es, wie jetzt hier auf den Dünen hinter Kampen, etwas härter wird. Dann überholen sehr frisch aussehende Männer und Frauen in einem gefühlt irren Tempo ohne einen Schweißtropfen auf der Stirn. Staffelläufer. Nicht ablenken lassen! Die wollen halt wissen, wie es ist, einen Syltlauf zu laufen, ohne ihn (ganz) laufen zu müssen.

Syltlauf2016

Staffelläufer und Langstreckenläufer mischen sich.

Foto: Syltpicture
 

Der Schmerz im Knie nimmt zu, die Motivation aber auch, als Kilometerzahlen zu sehen sind, die ich als sehr ermutigend empfinde. 28, 29, 30. Gleich bin ich durch. Wie gut, dass das heute kein Marathon ist. Jetzt noch zwölf Kilomter? Nie im Leben.

Dann kommen die Häuser von List in Sicht. Der Puls ist noch im akzeptablen Bereich, auch wenn die Beine schon schmerzen. Die Luft zieht in knapp drei Stunden doch ordentlich Wärme aus dem Körper, selbst wenn man sich einigermaßen viel bewegt.

Dann das Schild „Ziel“. Ich gebe Gas, noch geht es, um die Läuferin abzuhängen, die schon seit einigen Kilometern neben mir läuft, aber deutlich  lauter schnauft.  Ob ich sie am Ende überholt habe, weiß ich gar nicht. Denn da, wo „Ziel“ steht, ist gar nicht das Ziel. Es geht noch rechts um die Kurve und 50 Meter weiter, die sich wie 150 anfühlen. Nach 33,3 Kilometern kann das sehr viel sein.

Dann endlich: Arme hoch! Das selbst gesetzte Zeitlimit hat gehalten. Es war total schön. Mir ist saukalt.

Sylt, wir sehen uns sportlich wieder. Im Juli beim Tri Islands Triathlon. Bitte sei dann etwas wärmer. 22 Grad? Danke!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen