Sand, Sauerland und List Vegas

Frank Deppe
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Frank Deppe

Die Serie „Zurückgeblättert“ beschäftigt sich heute mit Sylt im Jahr 1983, als unter anderem Sylter Gymnasiasten eine Oper aufführten

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16. Juni 2014, 17:29 Uhr

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer Serie „Zurückgeblättert!“ lässt Autor Frank Deppe anhand von archivierten Zeitungsbänden die jüngere Vergangenheit der Insel wieder lebendig werden.

Sylt im Juni 1983. „Sylter Hilferuf nach Kiel“, titelt die Sylter Rundschau und berichtet über einen dringlichen Appell des Landschaftszweckverbandes Sylt an Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Dr. Uwe Barschel: Angesichts eines jährlichen Sandverlustes von etwa zwei Millionen Kubikmeter Sand müssten von Land und Bund dringend zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. „Es geht um den Fortbestand der Heimat von 25 000 Menschen, aber auch um das beträchtliche Steueraufkommen, das die Erhaltung der Ferieninsel rechtfertigt“, mahnen die Absender.

Kooperationen wie heute zwischen Westerland und St. Moritz oder Kampen und Lech gab es auch schon in der Vergangenheit: Wie die Zeitung seinerzeit mitteilte, wollten Sylt und das Sauerland füreinander werben. „Das erklärte Volker Hoppe als Vorsitzender der Bädergemeinschaft Sylt und befand, dass man so die Urlauber in Deutschland halte.“ Eine Delegation aus dem Sauerland ließ anlässlich der Besprechung aus der Heimat eigens eine nachgebaute Postkutsche nebst zwei Pferden auf die Insel transportieren – sehr zur Freude der Gastgeber, die sich durch Keitum kutschieren ließen.

Ihren Spaß hatten auch die Lister und ihre Gäste: Mitarbeiter der Kurverwaltung und Stammgäste des FKK-Strandes studierten eine „List Vegas Show“ ein, die bei drei ausverkauften Vorstellungen im Kurhaus aufgeführt wurde. Stepptanz, Flamenco, Ballett und weitere Darbietungen sorgten nicht nur für viel Applaus, sondern auch für einen üppigen Reinerlös zugunsten der Lister Vereinsjugend.

Auch im Westerländer Kursaal wurde mit Beifall nicht gegeizt: Dort wurde mit Purcells „Dido und Aeneas“ erstmals auf Sylt eine Oper aufgeführt – und dies von jungen Akteuren des Gymnasiums Sylt mit Unterstützung von Berufsmusikern. „Alle Erwartungen wurden übertroffen“, konstatierte die Sylter Rundschau und lobte neben den „überdurchschnittlichen Sopranistinnen und dem harmonischen Chor“ insbesondere Musiklehrer Jörn Engert, der die aufwändige Aufführung einstudiert hatte.

Im Keitumer Freibad treffen sich derweil 60 Sylter Rettungsschwimmer zu einem Vergleichskampf. Beim Schwimmen, Tauchen und Retten müssen die Akteure ihr Können vor zahlreichen Zaungästen unter Beweis stellen. Letztlich darf Uwe Drath für die siegreiche Mannschaft aus Westerland den Pokal entgegennehmen.

Eine rundum positive Bilanz zieht der „Förderkreis für Theater und Konzert auf Sylt“: Neben dem erfreulichen Bestand von 171 Mitgliedern habe der Verein ein solides finanzielles Polster – damit solle der geplante Umbau des Alten Kursaals ebenso unterstützt werden wie kulturelle Veranstaltungen.

Mit Besorgnis betrachten die Sylter Gemeinden eine unerfreuliche Entwicklung: Immer mehr Wohnmobilisten würden sich das Geld für einen Campingplatz sparen und auf der Insel andernorts trotz Verbots übernachten. „Der Ellenbogen, der Westerländer Schützenplatz und das Morsumer Wäldchen sind einige der Stellen, die dafür sehr beliebt sind – mehr als 20 Wohnmobile wurden allein an nur einer Stelle pro Nacht gezählt.“ Nun richtet die Polizei ihr besonderes Augenmerk auf die nächtlichen Sünder, denen empfindliche Bußgelder drohen.

Und sonst so? Über ein nagelneues Fahrrad darf sich die Tinnumerin Maria Pankratz freuen. Die 13-Jährige wurde Landessiegerin im internationalen Wettbewerb „Natur erleben“ der Genossenschaftsbanken.

Einen Sieg erringt Peter Danklefsen aus Westerland: Bei einem Wettbewerb der Sylter Brieftaubenzüchter kehrt eine seiner Tauben als erste aus Göttingen zurück – sieben Stunden und 27 Minuten benötigte der flinke Vogel für die Strecke von Hessen in die Heimat.



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