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Sandaufspülungen auf Sylt : Sand - der Stoff, aus dem die Insel ist

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Warum quietscht frisch aufgeschütteter Sand unter den Füßen? shz.de beantwortet die wichtigstens Fragen rund um die Sandaufspülungen auf Sylt.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 12:17 Uhr

Wieviel Sand wurde bisher aufgespült?
Seit Beginn der Sandaufspülungen im Jahr 1972 haben die Spülschiffe an der Sylter Küste 42,7 Millionen Kubikmeter Sand aufgespült. Mit dieser Menge Sand könnte man mehr als hundert Mal den Kölner Dom füllen.
Wie hoch sind die Kosten dafür?
Die Sandaufspülungen auf Sylt haben bislang rund 170 Millionen Euro gekostet - die Elbphilarmonie wird nach letzten Schätzungen immerhin mehr als das Vierfache kosten. Bezahlt werden die Sandaufspülungen übrigens aus Bundes-, Landes- und EU-Mitteln.
In großen Fontänen schießt das Sand-Wasser-Gemisch durch das Rohr auf den Strand. Da entsteht schnell der Eindruck, dass am Ende mehr Wasser als Sand ankommt. Wie hoch ist der Anteil von Wasser, der mit dem Sand an den Strand gespült wird?
"Damit der Sand gut durch die Rohre fließen kann, verwenden wir ein Sand-Wasser-Gemisch im Verhältnis von 70 Prozent Wasser und 30 Prozent Sand", sagt Wolfgang Siegfriedt vom Landesamt für Küstenschutz (LKN). Je länger die Rohre werden, desto mehr Wasser wird benötigt. Außerdem werden die Rohre am Anfang und am Ende jeder Sandaufspülung mit reinem Wasser durchgespült, um Verstopfungen zu vermeiden.
Besonders an der Westerländer Promenade versammeln sich bei Sandaufspülungen schnell größere Menschentrauben, um das Spektakel zu beobachten. Was sind die verrücktesten Fragen, die den Mitarbeitern des LKN gestellt werden?
"Wenn die Leute sehen, wie das Wasser-Sand-Gemisch glänzt, fragen sie mich häufig, ob wir Öl oder Schlick aufspülen würden", erzählt Wolfgang Siegfried. Generell seien die meisten Zuschauer aber sehr gut über die Abläufe informiert.

Nicht nur Menschen, sondern auch Möwen versammeln sich um die Rohre, aus denen das Sand-Wasser-Gemisch fließt. Woran liegt das?
Die Spülschiffe ziehen das Sand-Wasser-Gemisch aus 15 Metern Tiefe. Das überleben im Sand des Abbaugebiets lebende Benthosorganismen, wie kleine Krebse, in der Regel nicht. Aus dem Wasser werden ab und zu aber Muscheln, Seesterne oder Krabben mit eingesogen und landen dann am Strand. Die Möwen hoffen darauf, ihre Leckerbissen so direkt vor den Schnabel gesetzt zu bekommen. Die Meerestiere, die das Glück haben, nicht im Magen einer Möwe zu landen, treiben mit dem Wasser zusammen zurück ins Meer.
Liegt der frisch aufgespülte Sand am Strand, stellen Spaziergänger schnell ein seltsames Quietschen unter ihren Schuhsohlen fest, das sie vorher noch nicht bemerkt hatten. Wie komm das?
"Die Sandkörner, die direkt aus dem Meer kommen, sind eckig und scharfkantig. Erst im Laufe der Zeit werden sie rundgeschliffen", erklärt Arfst Hinrichsen vom Landesamt für Küstenschutz. Deshalb sei es auch noch nicht so angenehm, auf dem frisch aufgepülten Strand zu liegen und es entstehe das oben beschriebene Quietschen unter den Schuhsohlen.
Wenn eine Sandvorspülung abgeschlossen ist, bleiben riesige Löcher im Meeresgrund zurück. Wie groß sind diese Löcher und was passiert damit?
Bei den ersten Sandaufspülungen zwischen 1972 und 1978 wurde der Sand aus dem Rantumbecken entnommen. Erst ab 1983 ging man dazu über, den Sand vor Westerland zu entnehmen. "Wir haben das große Glück, dass es hier große Mengen geeigneten Sandes gibt", erklärt Arfst Hinrichsen. Ideal sei Sand mit einer mittleren Korngröße von 0,4 Millimetern. Neun Kilometer vor der Küste entstanden 15 Meter unterhalb der Wasseroberfläche zehn Meter tiefe Löcher - zunächst an der Entnahmestelle Westerland II und seit 2009 an der Entnahmestelle Westerland III. Westerland III besteht aus sechs genehmigten Teilflächen von jeweils einem Quadratkilometer Größe. "Diese Fläche wird Sylt für 30 Jahre mit Sand versorgen", erklärt John Unbehaun vom LKN. Danach schließen sich die Löcher wieder von selber. Denn die feineren Sandkörner im Wasser fallen wegen der geringeren Strömung innerhalb der Löcher zu Boden und füllen sie nach und nach auf. Das kann lange dauern: An der Wattseite dauerte es zehn bis 20 Jahre, an der Westküste gehen Gutachter des zuständigen niedersächsischen Landesamts für Bergbau aber von rund 60 Jahren aus.

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