Sammler

Sommelier Nils Lackner
Sommelier Nils Lackner

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26. Oktober 2018, 16:46 Uhr

Es gibt Sammler für jeden Quatsch. Briefmarken, Coca Cola Artikel, Tinder Dates, und so weiter. Natürlich auch für Weine. Die Rede ist nicht von denjenigen, die sich Weine in den Keller legen, um ihn reifen zu lassen, sondern ausschließlich von den Weinfans, denen es einfach darum geht, die Weine zu besitzen. Nicht umsonst gibt es Weinklimaschränke, die so schick gestylt sind, dass man sie sich gerne zuhause ins Wohnzimmer stellt. Pure Show-Kabinette mit Innenbeleuchtung und Mahagonidekor.

In der Weinwelt herrschen zwei Meinungen dazu vor. Es gibt diejenigen, die behaupten, Wein müsse getrunken werden. Und wenn wir ehrlich sind: das ist tatsächlich einmal seine Hauptbestimmung.

Auch in dieser Gruppe gibt es Sammler, welche zu jeder Probe ihre Notizbücher mitbringen und akribisch den Wein beschreiben, ihm eventuell auch Punkte ihrer eigenen Skala zuordnen. Sie sammeln das Genusserlebnis des Trinkens und ihnen ist es wichtig, möglichst viele dieser Momente zu erleben und festzuhalten. Außerdem sind sie unglaublich praktisch in einer Probe dabei zu haben, wenn man selber nicht mitschreiben möchte.

Aber auch Sammler, die sich daran erfreuen, einen Wein in möglichst vielen Jahrgängen im Keller liegen zu haben, gibt es. Ihn einfach zu besitzen macht sie glücklich. Und einige
Weinhäuser spielen mit genau diesen Emotionen, indem sie jeden Jahrgang mit einem neuen Etikett versehen. Oft von Künstlern entworfen. Mouton-Rothschild, das große Château im Bordeaux, ist beispielsweise bekannt dafür. Das Rheingauer Weingut Georg Breuer bringt seinen Spitzenwein Riesling Schoßberg mit kunstvoll gestalteten Labels auf den Markt.

Wie auch immer man nun darüber denkt, beide Gruppen werden wohl immer Teil der Weinszene bleiben. Und bei allen Diskussionen sollte man eines nicht vergessen. Es geht nur um Wein. Ein kalifornischer Sammler hat einmal einer interviewenden Journalistin auf die Frage, wie er einen privaten Weinkeller im mehrfachen Millionenbereich rechtfertigen könne, sehr schnell den Wind aus den Segeln genommen. Dazu hat er sie in sein Büro mitgenommen und ihr ein Teil
seiner anderen Sammelleidenschaft gezeigt. Einen echten Picasso, den er gerade für 40
Millionen Dollar ersteigert hatte. Das relativiert Dinge ziemlich schnell.

Der auf Sylt lebende Nils Lackner ist ein international gefragter Sommelier und Weindozent. Auch Ihr könnt Nils für Eure Weinprobe buchen: nl@nilslackner.com. Er ist bekannt für seinen leger-unkonventionellen Stil und modernen Umgang mit dem Thema Wein.

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