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Sylter Natur : Salzwiesen sind ein ganz besonderer Naturraum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie mit der Stiftung Küstenschutz Sylt geht es heute um die Bedeutung der Salzwiesen auf der Insel.

Mancher wird fragen, wo sind sie denn, die Salzwiesen. Auf Sylt gibt es sie auf der Ostseite der Insel. Dazu wird man fragen, wozu die denn gut sind? Sie bilden den Übergang zwischen Meeresboden und nutzbaren Land. Am ehesten wird die Salzwiese heute im Bereich des Naturschutzes beschrieben. Als Element des Küstenschutzes werden diese Wiesen kaum gesehen oder beachtet, weil auf der Insel Sylt heute keine Landgewinnung mehr betrieben wird. Aber es gibt immer noch Salzwiesen auf Sylt: in den Bereichen der Dörfer beziehungsweise der Ortsteile List, Kampen, Wenningstedt-Braderup, Munkmarsch, Keitum, Morsum, Rantum und Hörnum. Meistens handelt es sich um von Menschen ungenutzte Flächen.

Auf der Wattseite in Rantum befinden sich ausgedehnte Salzwiesen. Von hier stammt auch die Geschichte über den Fischer, seine Frau und den Meermann „Ekke Nekkepenn“.
Auf der Wattseite in Rantum befinden sich ausgedehnte Salzwiesen. Von hier stammt auch die Geschichte über den Fischer, seine Frau und den Meermann „Ekke Nekkepenn“. Foto: Zoellner
 

Eine sehenswerte, natürliche Entwicklung findet dort statt. Eine Fläche, die durch das Wechselspiels von Ebbe und Flut immer wieder, zweimal am Tag, mit Schwebeteilchen (Sedimenten) im Meereswasser versorgt wird. Dadurch wächst die Fläche in die Höhe. Im Laufe eines Jahres können das ein bis zwei Zentimeter sein. Wenn dann nur wenige Sturmfluten stattfinden, bilden sich in der Wasserwechselzone Pflanzen. Der Queller und das Schlickgras sind dabei die wohl bekanntesten Gewächse, die sich dort entwickeln. In dem nassen nährstoffreichen Untergrund gedeihen recht viele Pflanzenarten und lassen sich auch von einer Überflutung nicht stören. Wenn der Aufwuchs durch die Sedimente fortschreiten kann und einige Bereiche der Salzwiesen nicht mehr regelmäßig von der Flut umspült werden, entstehen dazu andere Pflanzenarten und drängen zum Beispiel den Queller zurück.

In den Jahren, in denen auf Sylt noch aktiv Landgewinnung betrieben wurde, hat der Mensch die Entwicklung des Aufwuchses beschleunigt. Er griff in die wachsende Wiese ein. Es wurden Gräben gezogen, damit sich das „frische“ Land schneller entwässern konnte. Der Erdaushub wurde beiderseits der Gräben aufgehäuft. „Grüppen“ nennt man das in unserer Region. Wer an dem Hindenburgdamm vorbeifährt, kann das immer wieder sehr gut beobachten. Die Deutsche Bahn lässt damit ihren Bahndamm schützen. Das aufwachsende Land soll die Wellen brechen. In den Salzwiesen im Osten der Insel wird der Aufwachs durch den Menschen nicht mehr beeinflusst. Lediglich die vorhandenen Lahnungsfelder werden noch unterhalten. Meistens liegen bei den Wiesen landeinwärts Dünen, die den sonst üblichen Küstenschutz mit Deichen oder Deckwerken entbehrlich scheinen lassen. Dieses wird regelmäßig von den Wasserbauwerken des Landschaftszweckverbandes (LZV) Sylt oder dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH) beobachtet. Nur wenn Küstenabbrüche erlebt werden, wird über einen Eingriff nachgedacht und entschieden. Die Salzwiesen auf Sylt gehören heute alle zu den Naturschutzgebieten, daher müsste ein gewollter Eingriff auch von der Naturschutzbehörde genehmigt werden.


Auf Sylt heißen die Wiesen „Inge“

In den Salzwiesen auf Sylt weiden viele Schafsfamilien – daher auch die Bezeichnung Salzwiesenlämmer.
In den Salzwiesen auf Sylt weiden viele Schafsfamilien – daher auch die Bezeichnung Salzwiesenlämmer. Foto: Kurverwaltung List

Die Salzwiesen wurden an der Nordseeküste auch Heller, Inge oder Groden genannt. Auf Sylt war und ist der Begriff „Inge“ für die Wiesen gebräuchlich. Man hatte früher auf den „Ingen“ auch Vieh weiden lassen. Eine landwirtschaftliche Nutzung war lange Zeit üblich. Daher hat man die Entwicklung auch sorgsam beobachtet und war besorgt, wenn nach einer Sturmflut etwas von der „Inge“ weggespült worden war. In den früheren Jahrhunderten suchte man nach Erklärungen, warum das eigene Land ein Raub der Fluten wurde.

In Rantum erzählte man sich dazu eine Geschichte: Ein Fischer fuhr mit seiner Frau zum Fischen auf Meer. Sie kamen in einen Sturm, das Schiff drohte zu versinken. Da saß auf einmal auf dem Schiff „Ekke Nekkepenn“, das war der Meermann. Er verlangte von dem Fischer, dass die Frau mit ins Meer kommen sollte. Seine Frau, die „Raan“, sollte ein Kind bekommen und dabei sollte die Fischersfrau helfen. Es geschah so und der Fischer glaubte, seine Frau für immer verloren zu haben. Nach kurzer Zeit saß sie aber plötzlich wieder auf dem Boot und hatte die Schürze voller Gold. Sie fuhren zurück an Land und erzählten keinem von dem Ereignis.

Nach einiger Zeit bekam auch die Fischersfrau ein Kind – eine Tochter, sie nannten sie Inge. Mit den Jahren wurde sie eine hübsche, stolze Friesenfrau. Die Inge ging in den Rantumer Dünen spazieren, da kam ihr ein Mann entgegen. Es war Ekke Nekkepenn, er hatte die Gestalt eines jungen Mannes angenommen. Er drängte sie, ihn zu heiraten. Die stolze Friesin jedoch lehnte ab. Da fing er an, ihr zu drohen und sagte, wenn sie wisse, welchen Namen er hätte, dann bräuchte sie ihn nicht zu heiraten.


Jedes Jahr kommt „Ekke Nekkepenn“


Die Geschichte ging weiter wie das Märchen „Rumpelstilzchen“. Sie sagte ihm also die Namen „Ekke Nekkepenn“. Dieser wurde sehr böse und verschwand im Meer. Seit der Zeit kommt der Meermann aber jedes Jahr nach Rantum und holt sich ein Stück von der „Rantum Inge“. So erklärte man in jener Zeit den Landverlust.

Heute wissen wir, wie Sturmfluten entstehen und pflegen die Salzwiesen wegen des besonderen Naturraumes. Neben den vielen Pflanzen nutzen die Seevögel die Wiesen als Brutgebiet und zur Nahrungssuche. Die Bedeutung als Küstenschutzzone ist allerdings etwas in den Hintergrund gerückt. Dennoch werden die Salzwiesen von den Fachleuten des Landesbetriebs für Küstenschutz und dem Landschaftszweckverband Sylt noch immer sehrgeschätzt.


Helge Jansen initiierte im Jahre 2007 die Gründung der Stiftung Küstenschutz Sylt. Bis heute ist er der Vorsitzende dieser Stiftung.

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erstellt am 08.Dez.2016 | 00:00 Uhr

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