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Einsatzfreudig : Rund um die Uhr im Einsatz - ehrenamtlich

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Sie sind Banker, Dachdecker, Kraftfahrer... und Feuerwehrleute. Als solche waren gerade die Kameraden der Tinnumer und Westerländer Wehr in den vergangenen Wochen extrem gefordert. Hier erzählen sie, wie sie den Anforderungen gerecht werden, wie hoch ihr Schlafdefizit ist und warum das Ehrenamt trotzdem Spaß macht.

Sylt/rik | Und was ist, wenn es bei ihr brennt? Ob die Frau, die neulich über den Feuerwehr-Slogan "Unsere Freizeit für Ihre Sicherheit" gelästert hat, dann auch noch sagen würde, dass die Kameraden ihren Einsatz auch einfach lassen könnten?
"Der ist bei der Feuerwehr"

Als Banker, Lkw-Fahrer, Hausmeister, Ärzte, Verkäufer oder Dachdecker hätten die 75 aktiven Mitglieder der Westerländer Wehr tatsächlich auch dann genug zu tun, wenn sie nicht auch noch ehrenamtlich Brände löschen, Ölspuren abstreuen oder überschwemmte Keller auspumpen würden. Dann wäre Alexander Ebert wie geplant am Sonnabend statt erst gestern mit Pflasterarbeiten im Gewerbegebiet fertig gewesen. Jette Sachtleben (5) würde auf die Frage, wo denn ihr Papa gerade sei, nicht ständig "Der ist bei der Feuerwehr" antworten. Kay-Christian Jansen hätte nach den Überflutungseinsätzen vor einer Woche keine 15 Stunden Schlaf nachzuholen gehabt und Markus Stumm seine zehn Urlaubstage nicht mit acht ("Oder waren es neun?") Einsätzen verbracht...
115 Einsätze binnen 14 Tagen

Was besonders die Freiwilligen Feuerwehren von Westerland und Tinnum - oft mit Unterstützung von Kameraden der anderen Inselwehren - zurzeit leisten, geht über normales ehrenamtliches Engagement weit hinaus: 115 Einsätze binnen 14 Tagen, die meisten davon in den beiden Starkregen-Nächten, zählen Wehrführer Hauke Block und sein Stellvertreter Jörg Elias. Ihr Tinnumer Kollege Siegfried Engel kommt auf 33 innerhalb einer Woche. Für dieses Pensum reicht es nicht mehr "nur" seine Freizeit zu opfern. Da muss, je nachdem wann der Notruf kommt, auch mal Arbeitszeit (C.G. Christiansen-Kraftfahrer Thomas Mordhorst: "Zum Glück haben die Arbeitgeber Verständnis.") oder die Nachtruhe dran glauben.
Unterwegs mit bis zu 40 Kilo schweren Ausrüstungen

Tinnums Wehrmitglied Dieter Joost: "Als vergangene Woche der zweite Starkregen anfing, hatten wir kurz vor dem Alarm in der Wache gerade die letzten Spuren des vorherigen Unwetters beseitigt." Bis morgens um 3 Uhr ist er dann schon wieder unterwegs gewesen - und war vier Stunden später trotzdem pünktlich bei der Arbeit. "Wie sehr das schlaucht, merkt man meistens erst ein oder zwei Tage später."

Michael Gossow aus Westerland beschreibt, welche Auswirkungen Einsätze mit einer bis zu 40 Kilo schweren Ausrüstung (Schutzkleidung, Atemschutzgerät, Luftflasche...) auf den Körper haben: "Man schwitzt extrem und verliert dabei so viel Flüssigkeit, dass man möglichst schon vor und in jedem Fall nach dem Einsatz ganz viel trinken muss." Und Wehr-Kollege Dr. Robin Schürk-Bulgrin ergänzt: "Wenn man beispielsweise Gebäude absucht und fürchten muss, Opfer zu finden, geht der Puls leicht auf bis zu 200 rauf."

Der Zeitaufwand, die körperlichen sowie psychischen Belastungen... Ist diese Schlagzahl einer ehrenamtlichen Wehr überhaupt noch zuzumuten?
Der Wunsch zu helfen

Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern sind gesetzlich zur Einrichtung einer Berufswehr verpflichtet. Dass die Insel in der Hochsaison in diese Kategorie fallen dürfte, spielt keine Rolle. Laut Thomas Giebeler, Sprecher des Landesinnenministeriums, zählt "einzig und allein" die Zahl der dauerhaft an einem Ort lebenden Bürger.

Block zuckt bei solchen Aussagen die Schultern: "Eine Berufswehr ist hier gar nicht zu finanzieren und wir sind ja schon froh darüber, dass die Stadt uns nach Kräften unterstützt." Wenn er einen Wunschzettel schreiben dürfte, würden darauf weitere Kameraden und vor allem endlich eine größere Wache stehen. Und seine Truppe? Die nimmt es sportlich, lobt das Gemeinschaftsgefühl und hat, wie beispielsweise Quirin Stadkus oder Jan Rehm sagen, "einfach nur den Wunsch zu helfen."

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erstellt am 14.Aug.2008 | 03:37 Uhr

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