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Chaos in Sylter FuSSgängerzonen : Rücksichtslos mit dem Rad unterwegs

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Durch die Fußgängerzone fahren trotz Verbotsschildern täglich viele Radfahrer. Urlauber sind häufig Verursacher von Unfällen mit Rädern

„Das ist hier eine Fußgängerzone“, ruft ein älterer Herr wütend einem Ehepaar hinterher, das auf seinen Rädern am Vormittag durch die Friedrichstraße fährt und beinahe einen Fußgänger erwischt. „Ja, ja“, bekommt der Mann, der im Gegensatz zu dem Ehepaar seinen Drahtesel vorschriftsmäßig durch die Friedrichstraße schiebt, nur als Antwort zu hören. Die Radfahrer steigen nicht ab, sondern fahren einfach weiter. Solche Situationen kann man täglich in der beliebten Einkaufsstraße beobachten. Ähnlich sieht es in der parallel verlaufenden Strandstraße aus, in der genau wie in der Friedrichstraße Schilder an beiden Enden auf die Fußgängerzone hinweisen.

Polizei und Ordnungsamt führen deshalb in unregelmäßigen Abständen Kontrollen durch und begegnen den Regelbrechern mit Ermahnungen oder Verwarnungsgeldern. Bis zu 30 Euro kann es den Radfahrer kosten, in einer für Fußgänger gekennzeichneten Zone zu fahren, sagt Haye Jebsen, Leiter des Polizeireviers Sylt. Wie viele Radfahrer sie dabei an einem Tag erwischen, kann er aber nicht sagen. Das werde statistisch nicht erfasst.


Radfahrer verursachten bisher 26 Unfälle


Die Sylter Rundschau hat gestern Vormittag einmal selbst den Test gemacht: Auf dem Weg zu Fuß vom Strandübergang bis zum Bahnhof konnten insgesamt 13 Personen gezählt werden, die sich unerlaubt mit ihrem Rad durch die Fußgänger in der Friedrichstraße schlängelten, darunter auch zwei Familien mit Kindern. Immerhin 17 Personen hielten sich an die Regel und gingen neben ihrem Fahrrad her. Doch natürlich haben es die Beamten nicht nur mit Regelbrechern in der Einkaufsstraße zu tun. „Wir bemühen uns täglich, in irgendeiner Form präsent zu sein, in der Innenstadt, aber zum Beispiel auch am Hörnumer Hafen“, so Jepsen.

Die Verkehrsmissachtungen laufen aber nicht immer so glimpflich ab wie meist in der Friedrichstraße. Die große Anzahl von Radfahrern auf der Insel bringt auch viele Verkehrsunfälle mit sich. Bisher konnte die Polizei in diesem Jahr 40 Unfälle mit Fahrrädern zählen, bei denen 26 mal der Radfahrer den Unfall verursacht hat, sagt Polizeipressesprecher Matthias Glamann. Dass davon 19 Personen Touristen und nur sieben Insulaner waren, verwundert kaum. Denn Urlauber kennen sich auf der Insel nicht so gut aus und fahren zu Hause oftmals weniger Rad. Deshalb seien sie auch nicht so sehr an die Verkehrsregeln gewöhnt, heißt es von Seiten der Polizei. Ein weiteres Problem: Bei der Masse an Autos, Fußgängern und Radfahrern gibt es gerade in der Saison sehr viele Verkehrsteilnehmer. „Das ist deutlich zu spüren“, sagt Haye Jebsen. Das innerstädtische Radwegekonzept stoße dabei an seine Grenzen.

Und dann ist da noch das E-Bike, das sich wachsender Beliebtheit erfreut, und gleichzeitig noch mehr Gefahren im Verkehr mit sich bringt. Denn plötzlich wagen sich auch wieder ältere Menschen vermehrt aufs Rad, so Jebsen. Und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 20 Kilometern pro Stunde ist man mit dem E-Bike außerdem deutlich schneller unterwegs.

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erstellt am 06.Aug.2014 | 06:02 Uhr

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