Bürgermeisterwahl in List : Ronald Benck: Pragmatisch und voller List-Liebe

Ronald Benck vor dem Lister Hafen.
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Ronald Benck vor dem Lister Hafen.

Ronald Benck soll am Dienstag von der Lister Gemeindevertretung zum Bürgermeister gewählt werden.

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04. Juli 2015, 05:46 Uhr

Am Dienstagabend soll Ronald Benck von den Lister Gemeindevertretern zum neuen Bürgermeister des nördlichsten Inselortes gewählt werden. Der 58-Jährige, der zehn Jahre lang seinen Vorgänger Wolfgang Strenger als Stellvertreter unterstützt hat, geht mit viel Pragmatismus, aber auch einer gehörigen Portion Liebe für seinen Heimatort an seine neue Aufgabe heran.

Lange hatte er sich gesträubt, das Amt zu übernehmen. Die nachdrücklichen Bitten Strengers, die aufmunternden Worte aus der Lister Bevölkerung und der Hinweis seiner Frau, er würde doch ohnehin früher oder später Ja sagen, haben ihn dann doch noch umgestimmt.

Einfach, das weiß er schon, wird dieses zeitaufwändige Ehrenamt nicht – denn die Zahl der Lister Baustellen ist nicht klein. Und viele Probleme der Inselgemeinde, da ist sich Benck sicher, hängen mit dem leidigen MVS-Gelände zusammen. „Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass es mit dem Internat klappt – ich trauere dieser Idee immer noch hinterher.“ Nun – Jahre nach den gescheiterten Internatsplänen – liegt das 17 Hektar große Gelände weiter bracht. Die Gemeinde ringt mit den Besitzern, der NCS Betreibergesellschaft, der Landesplanung und dem Kreis darum, wie es dort weiter gehen kann – ob beispielsweise kommunaler Wohnungsbau auf einem Teil des Grundstücks möglich ist. „Aber bisher laufen die Gespräche immer wieder ins Leere“, sagt Benck, alle Beteiligten müssten einen Schritt weit aufeinander zugehen. Sollte das nicht passieren, könnte es aus seiner Sicht zur „schlimmsten Lösung“ kommen: Die Bindung für die Fläche erlischt und die NCS Betreibergesellschaft kann das Grundstück auf dem freien Markt veräußern. „Für mich ist das wirklich ein Trauma“, sagt Benck, „immer, wenn ich durch den Ort laufen will, stehe ich vor diesem Zaun auf dem Gelände. Der muss endlich weg.“ Wird er das in seiner Amtszeit schaffen? „Ich setze alles daran. Aber ich habe das ja nicht allein in meiner Hand. Da müssen ja so viele mitreden.“

Ohnehin hat Benck das Gefühlt, dass manche Projekte in List einfach länger dauern als anderswo: Seit eineinhalb Jahren bestünde auf dem Herrmannshain Baurecht, doch bisher konnte dort noch kein dringend gebrauchter günstiger Wohnraum für Insulaner geschaffen werden. „Wir haben durch den Zensus so viele Einwohner und damit auch 300  000 Euro Haushaltsmittel im Jahr verloren – wir brauchen dringend neue Lister und damit Wohnraum.“ Drei Jahre habe die Gemeinde vorher mit dem Land darum gerungen, dass dort Baurecht geschaffen werden könne – und nun das. Ohnehin, das Land: „Manchmal habe ich das Gefühl, die Inselorte List und Hörnum stehen da irgendwie hinten an, um die wird sich immer erst als letztes gekümmert.“

Weniger frustrierend sieht Benck die Pläne auf einem anderen Ex-Militärgelände: Dem ehemaligen Offiziersheim am Lister Watt. Nach dem Kauf der Lanserhof GmbH, die dort ein Medical Spa errichten will, habe er das Gefühl, dass die Pläne erfolgreich voran getrieben würden. „List, der ganzen Insel, würde es gut tun, wenn dort ein Lanserhof errichten wird“, ist Benck überzeugt. Die regelmäßigen Gespräche mit den Investoren würden bisher ausgesprochen positiv und konstruktiv verlaufen. Auch auf die Bauaktivitäten, die auf der ehemaligen Fahrbereitschaft Ende dieses Sommers starten sollen, freut sich Benck. Unter dem Titel „Lister Markt“ soll dort ein neues Zentrum entstehen: Geplant ist von der Investorengruppe dort für einen höheren zweistelligen Millionenbetrag unter anderem ein großes Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum mit zusätzlicher Wohn- und Hotelnutzung zu schaffen.

In die Politik ist der fünffache Familienvater eigentlich eher rein gerutscht. Nachdem er bei H.B. Jensen eine Lehre als Einzelhandelskaufmann gemacht hatte, widmete er sich in den 1980er Jahren seiner damaligen großen Leidenschaft: dem Surfen. Mit viel Spaß, auch großem Erfolg, aber eher geringen Einnahmen verkaufte er selbst gebaute Surfbretter. Als der Surftrend langsam abflaute, wechselte er mit seiner Frau langsam aber sicher in den Textilbereich. Seit zehn Jahren nun gehört ihm der große Bekleidungsladen Paradise Sylt am Lister Hafen. „Um die meisten geschäftlichen Dinge kümmert sich nun meine Frau.“ Und auch das Surfen hat Benck aufgegeben – er ist nun leidenschaftlicher Fliegenfischer und gern in seinem Seekajak unterwegs.

Aber wie kommt denn ein Surfer im Herzen zur CDU? „Ach“, sagt Benck und lacht, „als ich zur Politik gekommen bin, so vor 15 Jahren, da gab es eigentlich in List nichts anderes als die CDU – meine Eltern waren Parteimitglieder, meine Großeltern und die Honoratioren des Ortes auch.“ Das Parteibuch, merkt man ihm im Gespräch an, ist ihm nicht so wichtig. Politisch motiviert Ronald Benck die Entwicklung seines Ortes, seiner Insel. Diese voranzutreiben – das sieht er als wichtigste Aufgabe in den kommenden sechs Jahren.

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