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Serie Sylter Sounds : Ron Glauth: „Mein Puls schlägt hinter der Bühne“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Serie Sylter Sounds: Seine Brötchen verdient Ron Glauth als Geschäftsführer der „Sylter Unternehmer“, seine Freizeit widmet der 46-jährige der Musik.

shz.de von
erstellt am 03.Jan.2016 | 17:36 Uhr

So klingt die Insel: Unter dem Motto „Sylter Sounds“ wird die Sylter Rundschau in einer neuen Serie Musiker der Insel vorstellen. Sie vertreten ganz unterschiedliche Stilrichtungen, sie haben ganz verschiedene Sounds – doch gemeinsam bringen sie Sylt zum Klingen.

Musikalisch geprägt wird der kleine Ronny von seinem 16 Jahre älteren Bruder. Der hat in den Siebzigern alles im Plattenschrank, was in puncto Rock Rang und Namen hat: Beatles, Stones, Clapton & Co. Außerdem bringen sich die Brüder das Spielen auf der Gitarre autodidaktisch bei. „Vielleicht wäre ich heute ein besserer Musiker, wenn mein musikalisches Wissen fundierter wäre“ sagt der Familienvater mit einer Spur Wehmut, „aber leider scheue ich seit jeher die Theorie.“

Ganz ohne Theorie funktioniert Glauths Leben aber nicht: Auf Sylt macht der gebürtige Insulaner eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und schiebt in Lübeck noch ein Studium in Betriebswirtschaftslehre mit der Fachrichtung Tourismus und Marketing hinterher.

Mit dem Gitarre spielen ist es bei Ron Glauth seit der Jugend wie mit Ebbe und Flut: mal brandet die Lust auf, er spielt sich zu neuen Ufern; dann wieder zieht sich die Gitarre für längere Zeit ans Ende des Horizonts zurück.

Im Jahr 2002 braucht die Sylter Band „Mojo“ einen neuen Gitarristen, das Ziel ist die Teilnahme am Henner-Krogh-Förderpreis im März 2003. Die Zeit ist knapp bemessen, aber Ron kann sich schnell ins Blues-Repertoire der „Mojos“ reinfuchsen.

Da das Durchschnittsalter der Band für einen Nachwuchswettbewerb immens hoch ist, landet die Band nur auf dem vorletzten Platz. Vielen Syltern gefällt die Musik allerdings viel besser als die Platzierung, „sogar Reinhard Mey hat es sehr gut gefallen, der im Publikum war.“ Die Teilnahme erweist sich als dankenswerter Multiplikator, nach dem Henner-Krogh-Preis steigt die Popularität von „Mojo“ kometenhaft an: Die Band spielt in den kommenden Jahren viele Gigs auf der Insel und am nahen Festland, hat Auftritte bei der Kliffmeile und im Meerkabarett, sprich erste Sylter Liga.
Nebenbei kümmert sich Ron Glauth beim Verein Sylter Bands um die Pressearbeit und engagiert sich für die Sylter Musikszene. „Das klappte auch ohne Vorstandsmandat ganz gut, ich konnte meinen Senf dazu geben, mal hat man auf mich gehört und mal eben nicht.“

Er wird stellvertretender Vorsitzender des Vereins, dampft sein Engagement aber eines Tages aus verschiedenen Gründen ein. Zum einen will er den Generationswechsel im Verein unterstützen, die jungen Leute sollen mehr Verantwortung übernehmen. Zum anderen möchte er ungern in einen Interessenkonflikt kommen: Im Jahr 2012 fragt ihn Uwe Tietjen, der damalige Organisator vom Henner-Krogh-Förderpreis, ob er sein Nachfolger werden möchte. Ron Glauth überlegt nicht lange. „Ich habe schon beim Verein Sylter Bands gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, mit jungen Musikern zu arbeiten, deren Weg zu verfolgen und Türen für sie zu öffnen.“

So organisiert er im Jahr 2013 den Förderpreis zusammen mit Tietjen, es ist eine kurze, komprimierte Lehrzeit, aus der in der Folge eine Freundschaft entsteht. Seitdem ist er beim Förderpreis als Kontaktperson das Bindeglied zwischen der Stiftung und den Musikern. Glauth klärt Fragen im Vorfeld, bearbeitet die Bewerbungen, er bewirbt den Förderpreis in Schulen und macht die Musikszene mobil. Dazu kommt die komplette Organisation der Veranstaltung, bei der er von der Gemeinde Sylt und vom ISTS unterstützt wird. „Mein Anspruch war, ein bisschen mehr Entertainment und Glamour in die Veranstaltung rein zu bringen, so wie man es vom Eurovision Song Contest kennt.“ So gibt es seit der Ära Glauth eine Backstage-Kamera, Video-Einspieler oder ein Skype-Live-Interview mit Musikern am anderen Ende der Welt. „Der Förderpreis ist etwas, was dich gefangen nimmt, er nimmt von dir Besitz, man lebt ihn. Mein Puls schlägt hinter der Bühne.“ Bei anderen geht das Jahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember , bei Glauth nach eigenen Angaben von Förderpreis zu Förderpreis. „Deshalb habe ich Silvester auch nicht groß gefeiert.“
Im Dezember 2014 löst sich die Band „Mojo“ auf. „Wir haben noch auf dem Morsumer Weihnachtsmarkt gespielt, da war die Luft aber schon raus. Dann hat es einen kleinen Knall gegeben. Aber so, dass wir uns heute noch in die Augen gucken können.“ Übrig bleiben Ron an der Gitarre und Sänger Arno Kraft, die als „Bandless Bastards“ weiter musizieren, irgendwo zwischen Rock und Folk. „Der Name ist den wütenden Emotionen bei der Trennung von „Mojo“ geschuldet.“ Aber Name und Besetzung sind nicht in Stein gemeißelt, im Gegenteil: Die beiden „Bastards“ suchen noch neue Bandmitglieder, die menschlich und musikalisch passen und beim Schaffen einer neuen Stilrichtung mitgestalten können.


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