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Interview zum Jahresabschluss : Rolf Speth: „Diese unfundierten Angriffe gegen mich müssen irgendwann einmal aufhören“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hörnums Bürgermeister Rolf Speth spricht über Asylbewerber im Inselsüden, die Ermittlungen gegen ihn und ob er in diesem Jahr ans Aufhören gedacht hat

von
erstellt am 27.Dez.2015 | 19:00 Uhr

Während sich das Jahr langsam dem Ende zuneigt, hat sich die Sylter Rundschau mit den fünf Inselbürgermeistern unterhalten, welche Themen sie und ihre Gemeinden 2015 bewegt haben. Heute: Hörnums Bürgermeister Rolf Speth.

Herr Speth, was war aus Ihrer Sicht das wichtigste Thema, mit dem sich die Hörnumer 2015 beschäftigt haben?

Für mich war das gravierendste Thema unsere Südspitze. Ich muss sagen, das Konzept zur Sicherung der Ortslage ist zwar hervorragend gelungen, die Verlängerung des Längswerks hat gut funktioniert. Aber es ging zu Lasten unserer Südspitze. Ich bin kein großer Patriot, aber da geht mir schon Heimat verloren. Ich mag da gar nicht mehr hinfahren. Das Land müsste sich eigentlich dafür einsetzen, dass an der Odde zumindest das jetzige Niveau gehalten wird. Aber wir als Gemeinde haben ja wenig Einflussmöglichkeiten.

Ihr Plan, die Odde mit weiteren Tetrapoden zu schützen, würde das Land nach meinem Kenntnisstand vier, fünf Millionen Euro kosten ...

Ich bin der Meinung, das muss es dem Land wert sein. Wir werden darauf drängen. Ob sie es denn tun, ist eine andere Geschichte. Aber wir werden zumindest das Signal setzen: Leute, ihr müsst da ran.

Ein weiteres Thema, das 2015 auch in Hörnum sehr präsent war, ist ja die Frage, wo und wie auf der Insel Flüchtlinge untergebracht werden.

Zum Thema Flüchtlinge gibt es ja viele Meinungen. Ich bleibe dabei: Ich habe nichts gegen Flüchtlinge. Wenn man die Bilder sieht von da unten, würde ich jedem raten, abzuhauen – ist doch klar. Wenn die Flüchtlinge hier sind, müssen wir funktionieren. Das heißt, wir als Gemeinde haben einen Auftrag. Den haben wir zu erfüllen und den werden wir auch erfüllen. Allerdings wird es auch für uns schwieriger, Finanzmittel bereit zu stellen.

Warum?

Das ist Geld, das wir eigentlich nicht haben. Wenn ich an meinen Haushalt für nächstes Jahr denke: Der wird enger gestrickt. Und auch Hörnum muss zunächst einmal 60  000 Euro für Flüchtlinge ausgeben.

In unserer Zeitung wurden Sie zum Thema Flüchtlinge im Sommer dieses Jahres mit dem Satz zitiert: „Die hat ja keiner eingeladen“. Dieser Satz hat auf der Insel ziemliche Wellen geschlagen. Bereuen Sie denn, das gesagt zu haben?

Eigentlich nicht. Das steht ja nach wie vor. Wir haben sie nicht eingeladen. Aber ich habe ja nicht gesagt, dass wir sie nicht haben wollen oder verteufeln. Wenn ich Gäste einlade, dann hofiere ich sie. Wer da jetzt unkontrolliert kommt ... Aber da will ich nicht in Einzelheiten gehen. Die fragen ja nicht nach Essen oder Trinken, die fragen ja nur nach einer Steckdose, um das Handy aufzuladen.

Glauben Sie das?

Das wird so erzählt. Man sieht ja auch andere Bilder. Ich will mich da aber auch gar nicht näher zu auslassen. Mir ist auch aufgefallen, dass jeder, der da einen kleinen negativen Touch rein bringt, in den Medien sofort runter gedonnert wird. Aber es gibt die Gäste, die hier anrufen und fragen, ob hier schon Asylanten wohnen – die wollen dann hier keinen Urlaub mehr machen. Die werden Ihnen so etwas aber nicht öffentlich sagen.

Hat Sie die Diskussion um Ihre Person im Zusammenhang mit diesem Thema belastet?

Als belastend habe ich nur empfunden, dass sich Kirchenvertreter über mich geäußert haben. Die hätten zumindest mit mir ein Gespräch führen müssen. Die Kirche hat eigentlich für alle ein großes Herz. Nur für mich hatten sie keins. Ich bin eigentlich nicht nachtragend, aber das werde ich so schnell nicht vergessen.

Sie sind seit Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister in Hörnum. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel gegen Sie wegen des Vorwurfs der Veruntreuung. Sitzen Sie nicht manchmal abends da und fragen sich: Warum mache ich das eigentlich noch?

Die Frage habe ich mir noch nicht gestellt.

Echt nicht?

Ich kann den Dingen ja nicht vorgreifen. Aber in der Sache steht ja nichts an. Herr Häckel hat das als Leitender Verwaltungsbeamter alles aufgearbeitet. Und dabei ist rausgekommen, dass ich  aus dem  Vorwurf der Veruntreuung raus bin. Wenn dann noch Fehler gemacht worden sind, hätte die Verwaltung das merken müssen. Was ich dazu auch noch mal sagen möchte: Die Staatsanwaltschaft hätte nicht so viel Getöse veranstalten müssen. Sie hätten doch einfach Herrn Häckel als Verwaltungschef anrufen können, damit er ihnen die nötigen Akten zur Verfügung stellt. Anstatt gleichzeitig mein Büro, meine Privaträume, die GBR auf der Düne und das Bauamt zu durchsuchen. Mit insgesamt 20 Leuten! Jetzt musste ich mir einen  Strafverteidiger nehmen. Gemeinsam räumen wir jetzt erst einmal die Minen weg. Und wenn die weg sind, werden wir weiter gehen.

Das heißt?

Die Vorwürfe, die gegen mich im Raum stehen, sind ja nicht fundiert. Dann steht doch die Frage an, ob jemand berechtigt ist, solche Vorwürfe zu erheben.   Ich weiß ja, wie Politik so tickt: Parteifreund, Parteifeind, Todfeind. Das muss man aushalten. Denn ein gewisses Recht hat die Opposition ja. Ob sie nun das Recht haben, so weit zu gehen ...

Ich habe mich aber sehr über die Unterstützung unter anderem von den Bürgermeistern der anderen amtsangehörigen Gemeinden gefreut.

Kann man denn jetzt in Hörnum noch vernünftig Politik machen?

Weiß ich nicht. Es wird ja sicherlich auch eine Reaktion unserer Wählergemeinschaft geben.

Es ging ja in diesem Jahr in Hörnum auch um verschiedene Bauprojekte. Unter anderem um den Plan, anstelle des Hauses Budersand Golfhäuser zu bauen. Wie sieht es denn in der Sache aus?

Auf dem Ortstermin im November hat die Landesplanung gesagt, nun wisse  unser Planer ja, was er machen müsse, damit das Projekt von Seiten des Landes genehmigt wird. Aber unser  Planer weiß gar nichts. Das ist das große Problem: Die  Landesplanung lässt sich etwas vorlegen und verwirft es. Sie sagt aber nicht, wie sie es haben möchte. Sondern lässt uns im Dunkeln tapsen. Das ist doch  keine Basis. Wenn sie uns ihre Vorstellungen erläutern würden, wäre das schon besser. Ich weiß derzeit also gar nicht, ob sich das mit den Golfhäusern überhaupt noch realisieren lässt. Das gleiche ist ja auch:  Jetzt bauen wir am Renning 17 Häuser, mit insgesamt 23 Wohnungen und da kommt ständig Störfeuer. Wir schaffen Eigentum für Sylter. Trotzdem wird wieder alles von der CDU-Fraktion versucht zu verhindern.

Höre ich da raus, dass Sie die Hörnumer Ortsentwicklung eher negativ sehen?

Ja. Meine Angelegenheit hat ja beispielsweise auch Konsequenzen: Die GbR auf der Düne hat  1,5 Millionen Euro investiert und für uns fünf Mietwohnungen gebaut, damit wir Wohnraum für Sylter schaffen. Das ist kein Investment, mit dem sie große Gewinne gemacht haben. Und dann kommt anschließend die Staatsanwaltschaft, die  ihr Haus durchsucht. Glauben Sie, dass die noch mal in Hörnum investieren? Das machen die nicht wieder. Deswegen weiß ich nicht, wie wir weiter kommen. Die unfundierten Angriffe, die müssen  irgendwann mal aufhören.

Wie bewerten Sie die touristische Entwicklung?

Die Erreichbarkeit von Sylt  ist äußerst mies. Die Inselgemeinden bringen jedes Jahr eine Millionen Euro auf, um den Flughafen zu unterstützen. Und das ist auch  das einzige, was super klappt. Aber wir können sonst doch nichts machen. Sollen wir jetzt die Zweigleisigkeit bezahlen?  Gucken Sie sich doch bei der Bahn an, wie die vorgehen. Der eine weiß doch nicht, was der andere gemacht hat. Das Chaos ist jetzt da. Und  jeder weist die Schuld von sich. Und wir haben dabei nichts zu sagen, obwohl wir die Betroffenen sind.  Ich hoffe nur, dass RDC gar nicht antritt. Dann diese unsinnige Idee von der Bahn,  Personenverkehr an den Autozug zu kuppeln. Wie soll das klappen? Das geht doch alles gar nicht.

Kommen wir zum Schluss noch zu etwas Positivem. Worüber freuen Sie sich im Jahr 2015 am meisten?

Über die  Einweihung unseres Mehrfamilienhauses, in dem elf kleine Kinder leben. Ganz toll. Und in unserem Kindergarten sind 2016 ganze 22 Kinder angemeldet.

Was wünschen Sie sich für ihre Gemeinde kommendes Jahr?

Dass der Umgang miteinander offener wird. Ich hatte einen langjährigen Stellvertreter. Wenn dem was nicht gefiel, ist der zu mir rein gekommen und hat gesagt: Du hast einen Vogel, mach das man nicht so. Das war ein offenes Wort. Dann haben wir diskutiert, dann kamen wir zu einem Ergebnis. Das passiert so nicht mehr. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, der ist hier noch nie in meinem Büro gewesen, in all den Jahren. Höchstens  dann, wenn ich nicht da war und meine Vertretung hier übernommen hat.

Interview:  Friederike Reußner

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