G8 oder G9? : Ringen um den richtigen Weg

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Die Schulkonferenz im Sylter Schulzentrum entscheidet am 1. Februar über den Fortbestand von G8 oder den Umstieg auf G9.

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11. Dezember 2017, 18:45 Uhr

Alles zurück auf Anfang: Am Westerländer Gymnasium wurde 2014 auf Turboabi nach acht Jahren umgestellt, doch nun hat die neue Kieler Landesregierung zum Schujahr 2019/20 wieder G9 zum Standard erklärt. Das Sylter Gymnasium muss also wieder umstellen – es sei denn, in der Schulkonferenz findet sich eine Dreiviertelmehrheit für den Status quo. Wie werden sich die 36 Vertreter von Lehrern, Eltern und Schülern im Februar entscheiden? In unserer neuen Serie berichtet die Sylter Rundschau über die verschiedenen Meinungen – und wir rufen unsere Leser auf, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Die Zeit drängt, denn alle Beteiligten brauchen Planungssicherheit. Vom 26. Februar bis zum 7. März 2018 müssen Eltern ihre Kinder für das Schuljahr 2018/19 an den weiterführenden Schulen anmelden. Bis dahin muss die Entscheidung gefallen sein, ob das Gymnasium ab dem Schuljahr 2019/20 die neunjährige Schulzeit anbietet oder das aktuelle Angebot beibehält, also G8 oder das sogenannte Y-Modell, das G8 und G9 kombiniert. Führt das Gymnasium wieder G9 ein, werden auch die im Schuljahr 2018/19 eingeschulten Kinder ab dem sechsten Jahrgang G9 durchlaufen.

Allerdings haben Schüler und Eltern auf Sylt kaum Alternativen zum Schulzentrum in Westerland, von den Angeboten des dänischen Schulvereins abgesehen. Nach vier Jahren in einer der vier Sylter Grundschulen (Norddörfer Schule in Wenningstedt, Boy-Lornsen-Schule in Tinnum sowie die St. Nicolai-Schule in Westerland mit dem zweiten Standort Am Nordkamp) wechseln die Sylter Kinder ins Schulzentrum an der Tonderner Straße. Offizielle Bezeichnung: Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil des Schulverbandes Sylt. Wer die zehnte Klasse der Gemeinschaftsschule erfolgreich mit dem Mittleren allgemeinen Schulabschluss (MSA) abschließt, kann zur Oberstufe des Gymnasiums wechseln und das Abitur nach drei Jahren erreichen, ohne die Insel verlassen zu müssen.

Haupt- und Realschule wurden 2010 landesweit von der Regionalschule abgelöst, die Schüler am Gymnasium wurden auf das Abitur nach acht Jahren hingeführt. Heute besuchen 345 Gemeinschaftsschüler und 495 Gymnasiasten das Sylter Schulzentrum.

Voraussichtlich am 1. Februar wird die Schulkonferenz über G8 oder G9 entscheiden. Die Versammlung aus zwölf Schülern, zwölf Eltern und zwölf Lehrern muss das Thema nicht auf die Tagesordnung nehmen – dann wird mit Beginn des Schuljahres 2019/20 auf den neuen Standard G9 umgestellt. Sollte sich aber in der Schulkonferenz eine Dreiviertelmehrheit für G8 finden, so bleibt es bei der jetzigen Regelung. Der verbindliche Beschluss muss bis spätestens zum 23. Februar gefasst sein. Allerdings ist der Entwurf für das neue Schulgesetz noch gar nicht in trockenen Tüchern. Die zweite Lesung steht für morgen auf der Tagesordnung des Kieler Landtages. Zum 1. Januar 2018 soll das neue Gesetz beschlossen sein. Den Schulleitern fehlen daher noch viele Informationen über das genaue Procedere.

Bürgermeister Nikolas Häckel gehört zu den Befürwortern der jetzigen Lösung, also G8 für das Gymnasium und G9 für Gemeinschaftsschüler. „Warum sollten wir die G8-Chance auf Sylt aufgeben?“, fragt der Verwaltungschef und Vorsitzende des Schulverbandes. „Wir haben durch dieses System eine optimale Lehrerversorgung, stehen im leistungsbezogenen Schulvergleich wirklich gut dar.“ Wenn die Landesregierung „wieder einmal eine neue Präferenz“ habe, müssten die Sylter deswegen nicht ihr „gut laufendes Schulsystem“ aufgeben. Häckels Appell: „Bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern weiterhin die Chance, ihr Abitur in acht oder neun Jahren hier auf Sylt zu machen – ganz ohne Bahnfahrt, auf ihrer Insel, in ihrer Heimat.“

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