Podiumsdiskussion auf Sylt : Riesen Interesse am Kandidaten-Check

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im Friesensaal: Moderator Claas Erik Johannsen, die Kandidaten Nikolas Häckel und Gabriele Pauli sowie Moderator Karl-Max Hellner  - v.l.n.r.
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Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im Friesensaal: Moderator Claas Erik Johannsen, die Kandidaten Nikolas Häckel und Gabriele Pauli sowie Moderator Karl-Max Hellner - v.l.n.r.

Auf Einladung der Sylter Unternehmer und der Dehoga-Sylt stellten sich Gabriele Pauli und Nikolas Häckel Fragen zu Tourismus und Wirtschaft.

shz.de von
08. Januar 2015, 05:35 Uhr

Von Wahlmüdigkeit oder gar Politikverdrossenheit auf Sylt kann sechs Tage vor der entscheidenden Stichwahl kommenden Sonntag keinerlei Rede sein – das zeigte überaus eindrucksvoll die Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten Gabriele Pauli und Nikolas Häckel am Montagabend. Weit über 500 Besucher waren in den Keitumer Friesensaal gekommen, standen dicht gedrängt im Foyer, auch an der Bar. Und wer zu spät kam, hatte keine Chance mehr: zirka 100 Neugierige mussten die Veranstalter nach eigenen Angaben sogar wieder nach Hause schicken.

Zum Erfolg der Veranstaltung des Vereins Sylter Unternehmer und der Dehoga Sylt trug zum einen sicher das Interesse an Wirtschafts- und Tourismusthemen bei. Zum anderen war es in der kurzen Wahlkampfphase nach den Feiertagen die einzige und letzte Chance für die Bürger, beide Kontrahenten gemeinsam auf einer Bühne zu erleben, ihnen Fragen zu stellen und so der eigenen Wahlentscheidung doch noch eine Wendung oder zumindest den endgültig letzten Schliff zu geben. Wesentlichen Anteil am Gelingen der Podiumsdiskussion, so das übereinstimmende Urteil vieler Besucher, hatte die Moderatoren Karl-Max Hellner und Claas Erik Johannsen. Sie ließen beide Kandidaten ausgewogen zu Wort kommen, lenkten sie bei Abschweifungen jedoch charmant wieder in geordnete Bahnen.

Einigkeit herrschte zwischen Gabriele Pauli und Nikolas Häckel bei der Einschätzung der Tourismusstrategie 2025 Schleswig-Holstein: Unter dem Slogan „30-30-3“ setzt sie eine Zielmarke von 30 Millionen gewerblichen Übernachtungen sowie von 30 Prozent mehr touristischem Bruttoumsatz und soll das Land von jetzt Rang Sieben unter die Top Drei bei der Gästezufriedenheit von Urlaubsreisenden bringen. Für Pauli stecken darin zu viel Planung, zu viele Vorgaben, aber zu wenig freier Markt. Das Land gehe damit über die Belange der Insel hinweg. Es dürfe keine Unterordnung der starken und attraktiven Marke Sylt unter die neu formulierte Dachmarke „Schleswig-Holstein. Der Echte Norden“ geben.

Häckel beurteilte die Landesstrategie als vielleicht gut gemeint, jedoch schlecht im Ergebnis. Umsatz und Gewinn seien nicht alles, noch mehr Gästebetten undenkbar auf der Insel. „Die Ziele gehen eindeutig an den originären Sylter Interesse vorbei: Eine Unterwerfung wäre fatal und geradezu schwachsinnig“, sagte der Kandidat von SWG, SPD und SSW.

Bei der Diskussion über die Keitumtherme betonte Häckel zu Beginn, dass er entgegen anders lautender Behauptungen dafür in keinster Weise verantwortlich sei: „Das war damals nicht mein Thema.“ Er unterstütze den von Bürgermeisterin Petra Reiber vorgeschlagenen Weg einer außergerichtlichen Einigung mit Bauunternehmer Kurt Zech. „Allerdings nicht um jeden Preis. Wir müssen auch an die Zukunft des Grundstücks und die Entwicklung von Keitum insgesamt denken“, so Häckel.

Gabriele Pauli dagegen fordert in Sachen Thermenruine eine schonungslose Aufarbeitung der Vergangenheit: „Einfach Schwamm drüber kann und darf nicht sein.“ Sollte sie die Wahl gewinnen, werde sie versuchen, die damals Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und zumindest einen Teil der „im Sande versickerten 15 Millionen“ zurückzuholen. Allerdings mussten beide Kandidaten eingestehen, die Genesis des Thermendebakels bisher nur aus der Presse zu kennen. Häckel versprach, mit seinem Amtsantritt auf jeden Fall die Akten zu prüfen – auch, weil er nicht wirklich daran glaube, das Thema sei bis Ende April vom Tisch: „Das wird selbst Frau Reiber nicht schaffen.“

Deutliche Gegensätze beider Bewerber um den Bürgermeistersessel offenbarten sich bei einer Frage aus dem Zuschauerkreis, welche Positionen sie zu Events wie dem jährlichen Harley-Treffen einnehmen. Nikolas Häckel bekannte offen, dass er – auch, weil seine Familie Ferienwohnungen in der Elisabethstraße vermietet – ja zu den „Geschädigten“ gehöre. Er plädierte für eine größtmögliche Ausgewogenheiten zwischen attraktiven, aber lautstarken Events und dem Genießen der Schönheit und Stille der Inselnatur. Gabriele Pauli dagegen hofft, schon bald auch ihr Motorrad nach Sylt bringen zu können und dann selbst teilzunehmen: als „geduldeter Gast, weil es ja noch keine Harley ist.“ Es sei auch eine Aufgabe der Gemeinde, solche Veranstaltungen wohlwollend zu begleiten, aber ebenso selbst werbewirksame Angebote zu machen.

Zum Abschluss der Fragerunde baten die Moderatoren die Kandidaten um einen Vorausblick auf ihre (fiktive) Bilanz nach 100 Tagen Amtszeit. Nikolas Häckel sagte, er werde bereits in diesen gut drei Monaten die Verwaltung effizient verschlankt, alles auf digitale Technik umgestellt und ihren Dienstleistungscharakter deutlich verbessert haben: „Denn ich bin der Bündeler der Interessen und der Berater für unsere Bürger, für meine Heimat.“

Gabriele Pauli versprach, dass die Verwaltungsarbeit 100 Tage nach ihrem Antritt reibungsloser funktioniert und bürgernäher arbeitet, dass eine zeitgemäße, Doppik genannte Haushaltsführung umgesetzt ist, dass wieder Kinder auf der Insel geboren werden können und für jedes Sylter Baby auch ein Willkommensgeld gezahlt wird.

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