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Sylter Rundschau

18. Oktober 2017 | 09:41 Uhr

Facebook-Aktion : „Rettet die Sylter“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Jasmina Ben-Slimane (35) hat eine Facebook-Gruppe gegründet und eine Postkarten-Protestaktion gestartet. Deren Motto „Rettet die Sylter“ kommt bei Insulanern und Touristen gut an.

von
erstellt am 19.Feb.2014 | 06:00 Uhr

„Ich will keine Hiobsbotschaften mehr“, schreibt Jasmina Ben-Slimane in der Facebook-Gruppe „Rettet die Sylter“. Keine Grundschul-Schließungen, keine Geburtenstation, die es auf einmal nicht mehr gibt, kein Wohnraumproblem für Insulaner mehr. Gut, könnte man sagen, wer auf Sylt hört solche Botschaften schon gern? Facebook-Gruppen lassen sich schnell gründen, noch schneller finden sich Menschen, die dieser Forderung digital mit einem Mausklick zustimmen. Bei der „Rettet die Sylter“-Gruppe, die Ben-Slimane am 9. Februar gegründet hat, sind das bis heute über 1 500 Menschen.

„Dass das so durch die Decke geht, habe ich nicht gedacht“, sagt die 35-jährige Mutter zweier kleiner Kinder. Der Entschluss zur Gruppen-Gründung sei recht spontan gefallen – „ich wollte etwas machen, das über die Fassungslosigkeit und das Gemecker, das wir ja alle kennen, hinaus geht.“

Das fehlende Gemeckere, da hat sie recht, ist das, was die Gruppe von den anderen Sylt-Foren unterscheidet – hier lassen Sylter nicht nur Dampf ab, hier wollen sie gemeinsam an kreativen Lösungen zur Insel-Rettung arbeiten. Nun sind – zumindest im Digitalen – Gleichgesinnte gefunden. Als erste Aktion hat Ben-Slimane 2 000 Postkarten mit dem „Rettet die Sylter“-Slogan drucken lassen, die in den Filialen der Raffelhüschen-Bäckereien ausliegen. Adressiert sind sie an Ministerpräsident Torsten Albig, der im vorgedruckten Text aufgefordert wird, aktiv zu werden, um den Syltern zu ermöglichen „mit ihren Familien in ihrer Heimat leben zu können“. Der gesamte Text ist aus Sicht eines Sylt-Urlaubers geschrieben. Denn die will Ben-Slimane dezidiert mit ins Boot holen – auch ein Punkt, in dem sich ihre Gruppe von anderen Sylt-Foren unterscheidet, in denen Gäste eher als nervige Störenfriede gesehen werden.

„Ich habe in anderen Ländern, vor allem auf anderen Inseln, immer mit Erstaunen wahrgenommen, wie freundlich die Bewohner zu ihren Gästen sind“, schreibt Ben-Slimane dazu in ihrer Gruppe, „ich will gar nicht sagen, dass wir unbedingt unfreundlich sind. Aber ein Großteil, inklusive mir, ist im Sommer schon böse genervt von den ’Touris’.“ Die gebürtige Westerländerin, die während ihrer Ausbildung und des Studiums in Kiel und Hamburg lebte, glaubt, dass das auch daran liegt, dass viele derjenigen, die immer auf Sylt leben und arbeiten, den Bezug zu ihrer Insel verloren haben, dass sie selbst Strand, Natur, Meer kaum genießen. Und dafür, findet Ben-Slimanes, sind die Insulaner auch selbst verantwortlich: „Die Kinder und Jugendlichen müssen ihre Insel wieder kennen lernen.“

Die Touristen, die Mitglieder in der Facebook-Gruppe sind, stehen ihrem Anliegen positiv gegenüber, wissen um die Probleme der Insulaner und würden gern helfen. Wie sie das könnten, ist nach der Postkarten-Aktion noch nicht ganz klar. Ben-Slimane plant, sich regelmäßig mit einigen Mitstreitern zu treffen, und die Ideen, die in der Gruppe entstehen, auf Machbarkeit zu prüfen. Außerdem arbeitet sie gerade an einer Homepage und überlegt, den „Rettet die Sylter“-Verein zu gründen. Einen Verein, keine Wählergemeinschaft, wie einst die Insel-Liste Zukunft.Sylt, die ähnliche Wurzeln hat wie Ben-Slimanes Gruppe: „Ich will nicht politisch sein“, sagt die junge Frau, „würde ich in die Politik gehen, müsste ich beispielsweise verstehen, warum die Wendt-Wiese in Morsum nicht mit Dauerwohnungen bebaut werden darf. Warum so etwas nicht geht – das will ich gar nicht wissen. Da gehe ich lieber weiter naiv an die Sache ran.“

Naivität – vielleicht eher positives Denken – lässt Ben-Slimane auch walten, wenn es um ihre eigenen Lebenspläne geht: „Logisch wäre, mit zwei kleinen Kindern aufs Festland zu ziehen.“ Aber sie und ihr Mann wollen bleiben, schätzen die fröhliche Nachbarschaft Am Renning in Hörnum und hoffen, dass es für eine Kehrtwende für die Insel noch nicht zu spät ist.

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