„Rettet das Sölring!“ Die Geschichte vom Möweneier-Gendarm

Das Einsammeln von Möweneiern war auf Sylt besonders in den Listland-Dünen eine beliebt – aber verboten.
Das Einsammeln von Möweneiern war auf Sylt besonders in den Listland-Dünen eine beliebt – aber verboten.

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18. Juni 2015, 17:05 Uhr

Das gesamte Jahr steht für die Sylter Rundschau unter dem Motto „Rettet das Sölring!“ Neben Sprichwörtern werden auch Kultur und Brauchtum der Insel vorgestellt. Heute gibt es eine kleine humorvolle Anekdote (Düntji) von Jens Emil Mungard (1885 bis 1940), der als friesischer Lyriker über die Grenzen der Insel Sylt bekannt ist.


In den Listland-Dünen haben die Möwen seit je her gebrütet und so lange die Eier schmeckten, sind sie auch gesammelt worden. Und dass alles mit rechten Dingen zuging und Eier zum Brüten liegen blieben, dafür sorgten die Listbewohner selber, sie hatten ihren eigenen König auf List, wenn es auch nur ein „Eierkönig“ war.

Er passte auf, dass alles geregelt war. Der Krieg von 1864 war vorbei und List war erst zwei Jahre nach dem Frieden preußisch geworden, da sie es bei den Friedensverhandlungen vergessen hatten. Das Schießpulver war so teuer geworden, dass es nicht angehen konnte, nur für das Listland einen neuen Krieg zu beginnen und so wurde es gegen ein anderes Stück Land ausgetauscht. Was vorher gut gewesen war, sollte nun besser gemacht werden. In Preußen gab es nur einen König und alle anderen Herrscher wurden abgesetzt, darunter auch der „Eierkönig“. Wer nun annahm, dass das Eiersammeln im List-Land erlaubt wurde, der irrte. Eines guten Tages im Frühling wurde dort ein Gendarm mit Pickelhaube, Koppel, Säbel, Revolver, langen Schaftstiefeln und mit grünem Uniformrock, zugeknöpft bis zum Hals, stationiert. In dieser Montur sollte er nun den ganzen Sommer Dünen auf und Dünen ab den Jagdfrevel abwehren. Die jungen Männer von Sylt waren zumeist übermütig und respektlos und eines Tages wurde einer vom Gendarm mit einem Tuch voll Möweneiern gestellt. Als der Gendarm die Personalien notieren wollte, meinte dieser, er solle ihm den „Buckel herunterrutschen“ und rannte davon, so schnell er konnte. Der Gendarm setzte ihm nach. Meinert Friedrichs sah ihn laufen und fragte nach dem Grund der Eile. Er antwortete atemlos: „Er hat gesagt, ich solle ihm den Buckel herunterrutschen!“ „Ist das denn so eilig, dass Sie so laufen müssen?“ antwortete Friedrichs. Es war die Zeit des Buhnenbaus und die polnischen Fremdarbeiter hatten ihre Unterkünfte und die Kantine an der Kliff-Kante. Der Gendarm hatte auch hier stets zu tun, denn die Arbeiter hatten morgen und abends frei und konnten den fleißigen Möwen die Eier wegnehmen. Nun erwischte er einen polnischen Arbeiter beim Eiersammeln und fragte sogleich: „Wie heißen Sie?“ und dabei zog er seinen Notizblock und Bleistift aus der Hosentasche. „Pbrzapboulsky“ antwortet dieser. „Wie?“ fragte der Gendarm erneut. Er antwortete dasselbe. „Buchstabieren Sie Ihren Namen!“ sagte der Gendarm. „ P wie Paulowsky, B wie Bourutschina, R wie Rostneestwensy, Z wie Zarewitsch, A wie Ademschewsky, „Schon gut“, sagte der Gendarm, aber lassen Sie sich nicht wieder erwischen!“


Sölring-Sprichwörter



Dit staant höm ön, üs di Aap dit Fijoolspölin. (Das steht ihm wie das Geigenspiel einem Affen)

Diar ek tö Hingst kumt, uur uk ek ofsmeten. (Wer nicht aufs Pferd kommt, der wird auch nicht abgeworfen)


Dit dér di Taader nönt, wan di Kin ön di Beri laap. (Das tut dem Buchweizen nichts, wenn die Kühe in der Gerste sind)


Hat ken ek ariger uur üs duar en da tö di Hel. (Es kann nicht ärger werden als tot und dann zur Hölle)

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