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Strandgut : Reisefertig und vom Affen gebissen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine fehlende Tollwutimpfung, ein Affenbiss und Sylt-Klischees am Nachbartisch - was bei einem Thailandurlaub alles so schief gehen kann und wie "reisefertig" eine ganz neue Bedeutung bekommen kann, erzählt Friederike Reußner in ihrer Kolumne.

Wie nennt man den Erschöpfungszustand nach dem Urlaub? Reisefertig. Habe ich irgendwann mal gelesen, fand ich damals noch lustig. Bis ich mich nun selbst reisefertig gemacht habe. Das geht total leicht. Für die absolute Unentspanntheit nach dem Urlaub musste ich nur drei gut gemeinte Ratschläge in den Wind schießen: „Urlaubsbekanntschaften erzähle ich nie, dass ich auf Sylt lebe.“ (Kollege), „Wenn Du Deine Versicherungskarte nicht bald erneuern lässt, hast Du bald echt ein Problem.“ (Mutter), „Buddhistische Gelassenheit erreicht man nicht von heute auf morgen.“ (Quelle: allgemeiner Menschenverstand).

Ein Fehler-Protokoll: Ko Phi Phi, gefühlte 65 Grad im Schatten, endlich Unterkunft gefunden, endlich Kokosshake in der niedlichen Strandbar. Am Nebentisch: Mäßig niedliche Deutsche, kontaktfreudig. Klar, die Wohnortfrage. „Sylt.“ (Fehler Nummer Eins). Die Landsleute lassen den Blick von schmuddeligen Turnschuhen über H&M-Kleidchen bis zu ungeschminktem Gesicht wandern – Rucksackreisen halt. Dann: Ungläubiges „Neee!“ Sylt, ist klar, sieht in ihrer Vorstellung verdammt anders aus. Perso wird auf den Tisch geknallt (Fehler Nummer Zwei). Zeiten des Grauens brechen an, da meine Mitbürger nun sämtliche Sylt-Klischees der letzten zwanzig Jahre auspacken. Flucht zu Touri-Ausflug mit Affenschau (Fehler Nummer Drei).

Zwei Wochen später, Krankenhaus auf Sylt. Wetter- und Stimmungslage gefühlt minus zehn Grad. Versuch, diensthabenden Arzt davon zu überzeugen, nach Angriff von garstigen Affen bei Affenschau nötig gewordene Tollwutimpfung in meinen Oberarm zu rammen. Sein Problem: Tollwutimpfstoff knapp, durch Versicherungskarte fälschlich als Kielerin gebranntmarkte Patientin sollte den Syltern nicht den Restimpfstoff wegnehmen. Diensthabender Arzt lässt sich auf Diskussion mit Frau ein, die von wildem Affen gebissen wurde (auch ’n Fehler, aber ausnahmsweise nicht meiner).

Ein Tag später, geimpft. Versuch, in Thailand gekauftes Imitat der dänischen Design-Leuchte „Norm 69“, die aus 69 Einzelteilen besteht, zusammen zu bauen (Fehler Nummer Vier). Erkenntnis nach zwei Stunden ergebnisloser Bastelei: Hätte Geld besser für Valium-Imitat ausgeben sollen. Rückkehr in die Redaktion, nun komplett reisefertig. Zeit bis zum nächsten Urlaub: Knapp zwei Monate. Sollte ausreichen, mich wieder zu erholen.


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erstellt am 05.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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