Schüler auf Tour : Reise über eine unbekannte (Heimat-)Insel

In List wartete auf die Kinder ein Geschenk  von Jürgen Gosch.
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In List wartete auf die Kinder ein Geschenk von Jürgen Gosch.

120 Schüler der Schule St. Nicolai erkundeten einen Tag lang ihre Insel. Für viele der Kinder waren die Inselorte Neuland. Die Lehrer zeigten sich nach dem Ausflug zufrieden mit dem Lernerfolg.

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17. November 2013, 14:06 Uhr

„Herr Busfahrer, hier war ich schon mal!“, tönte es bisweilen durch den voll besetzten Bus. „Herr Busfahrer“ heißt eigentlich Volker Rosenbaum, er und sein Kollege Sascha Lewi kutschieren am Donnerstag 120 Schüler über die Insel; genau gesagt, die Jungs und Mädchen der Grundschule mit Förderzentrumsteil St.-Nicolai. Hier lernen alle unter einem Dach, die Schüler der Montessori- und Regelklassen und die Kinder, welche körperlich oder geistig eingeschränkt sind. Möglich ist dies durch ein engagiertes Kollegium mit zum Teil speziell geschulten Lehrern und Erziehern. Auch Kinder mit Migrationshintergrund sind gut aufgehoben, bis zur vierten Klasse werden sie in der Regel hier eingeschult, für Integrationsmaßnahmen bei älteren Schülern gehen Lehrer des Förderzentrums ins Schulzentrum. „Uns ist wichtig, jedes Kind individuell zu fördern“, sagt Schulleiter Horst-Peter Feldt. „Dazu gehören auch die Begabten und Hochbegabten, wir sind ausgebildet für Diagnostik und Förderung und entwickeln unser Schulprofil dementsprechend ständig weiter, in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft.“

Bernd Oelke zeigt sich von diesem Konzept so angetan, dass er gern mit einer Spende zu einem sozialen Projekt beitragen wollte. Da viele Schüler die Insel nicht besonders gut kennen, entstand die Idee einer Inselrundfahrt, die dank des stark ermäßigten Fahrpreises der Sylter Verkehrsgesellschaft schnell in die Tat umgesetzt werden konnte. Unterwegs waren sie in zwei Bussen, als Begleitung dabei: 14 Lehrer, drei Erzieherinnen, Lesepatin Erika Henze und Bernd Oelke.

So wurde „Heimatkunde“ einmal ganz anschaulich unterrichtet- als „Lehrer“ fungierten auch die Busfahrer, welche jedoch zur Freude der Mitfahrer nicht ganz auf Dönsches verzichteten, zum Beispiel als linksseitig der Sendeturm in Puan Klent auftauchte: „An den langen Seilen hängen Bodenplatten“, so hieß es. „Die werden bei Sturmflut hoch gezogen, so hebt sich der ganze Inselsüden an und das Wasser läuft einfach darunter durch. Diese Inselhebeanlage ist weltweit einmalig.“

An der Keitumer Kirche rannten die meisten Kids erstmal ans Watt, wo fix ein Steineweitwurf-Wettbewerb lief, bevor es zur St. Severin Kirche ging. „Hier ist mein Opa gestorben“, erklärte einer der jüngsten Mitfahrer ehrfürchtig.

Der „Lernstoff“ war auch für die Erwachsenen interessant: In Wenningstedt gab es vor langer Zeit einen Hafen (für die Wikingerschiffe), der Hörnumer Leuchtturm war mal eine Schule, die schmalste Stelle Sylts liegt zwischen Hörnum und Rantum in Höhe Samoa, die Wanderdüne ist 52,5 m hoch und wandert nach Osten, dann war da noch die „Mörderkuhle“ in Keitum, die Straße der Höflichkeit und ganz viel mehr...

Am Lister Hafen wurde jedem eine Brötchentüte samt Überraschung (von Jürgen Gosch)überreicht, allerdings verweigerten einige die Annahme. Erst als es hieß: „Das ist Pute“, griffen alle gern zu, die Kinder dachten nämlich, sie müssten Fisch essen. Großes Gejohle gab es, als ein Radlader in Wenningstedt die Straße versperrte und Bus- und LKW- Fahrer sich gespielt gegenseitig drohten.
Zurück in der Schule wurde das Erlebte gemeinsam besprochen und sortiert- schnell war klar, der Praxisunterricht ist sehr effektiv: „Wir staunen, wie viel die Kinder von der Fahrt behalten haben“, erklärt der Schulleiter begeistert.

Viele hatten schon mal von der Wanderdüne, dem Rettungskreuzer im Hafen oder der St. Severin Kirche gehört, nun hatten sie alles „in echt“ gesehen und so manches Aha- Erlebnis: Als dem Bus in List einige Lkws hintereinander entgegen fuhren, meinte eine Erstklässlerin aufgeregt: „Ach, von hier kommen also die ganzen Lastwagen. Ich habe mich schon gewundert, wo die immer alle herkommen.“


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