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Zukunftschance : Rehakliniken: Mit Qualität gegen die Krise

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Die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein befürchtet, dass bis 2020 landesweit 16 Prozent der 72 Rehakliniken auf der Strecke bleiben könnten. In den vier Sylter Einrichtungen ist man jedoch trotz schwieriger Rahmenbedingungen optimistisch. Der Standortvorteil Sylt und eine hohe Qualität würden die Zukunft sichern.

Sylt | Die Zukunft der vier reinen Rehakliniken, die es auf Sylt gibt, sieht nicht so düster aus, wie von Experten für das Bundesgebiet oder auch Schleswig-Holstein prognostiziert. Zwar klaffe die Schere zwischen steigenden Kosten und nur minimal erhöhten Pflegesätzen immer weiter auseinander, doch mit einer Auslastung von 90 bis 100 Prozent stehen die Sylter Häuser mit ihren insgesamt 478 Reha-Betten gut da.
"Sehr unsicheres Geschäft"

Neben den beiden Häusern der Asklepios Nordseeklinik (Innere und Dermatologie) gibt es in Westerland die auf Kinder mit Haut- und Atemwegserkrankungen, Diabetes oder Adipositas spezialisierte Fachklinik Sylt der Deutschen Rentenversicherung Nord sowie in Wenningstedt die Syltklinik der AWO für krebskranke Kinder und deren Familien.

Mit 290 Betten (174 Innere, 116 Dermatologie) und 200 Mitarbeitern ist Asklepios auf Sylt der größte Reha-Anbieter. Die meisten Patienten kommen hier über die Deutsche Rentenversicherung, fast genauso groß ist der Anteil der so genannten Anschlussheilbehandlungen, bei denen Patienten direkt aus einer Akutklinik zur Reha überwiesen werden. Mit jährlich 94 000 Belegungstagen liegt die Auslastung bei rund 90 Prozent - Tendenz zuletzt steigend. Trotzdem ist der Reha-Bereich nach Einschätzung von Klinik-Chefin Angela Bartels "ein sehr unsicheres Geschäft". Wenn sich die gesundheitspolitischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen änderten, könnten die Kostenträger die Belegung von heute auf morgen stoppen. "Da eine schwache Konjunktur zu mehr Arbeitslosigkeit und damit sinkenden Beiträgen und weniger Reha-Bewilligungen führt, muss man für die nähere Zukunft wohl mit Rückgängen rechnen", sagt Bartels.
Wichtig ist die Qualität

Größtes Problem sei jedoch nach wie vor, dass die Pflegesätze der Kostenträger nicht ansatzweise mit den tatsächlichen Kosten mithalten. "In den letzten zehn Jahren haben sich die Personal- und Sachkosten um 22 Prozent erhöht, die Pflegesätze um 1,17 Prozent. Da muss unbedingt etwas passieren."

Gut aufgestellt sei man dennoch. Und das nicht nur durch den "Standortvorteil Sylt". Denn: "Der beste Standort nützt nichts, wenn die Qualität nicht stimmt." Zudem sei eine gute Vernetzung innerhalb des Gesundheitswesens wichtig, wie sie die Dermatologische Klinik durch eine enge Verbindung zu über 200 Hautärzten in ganz Deutschland praktiziere. Bartels: "Viele Patienten wissen gar nicht, dass sie ein generelles Wahlrecht bei der Entscheidung für einen Reha-Ort haben."
"Vor der Politik ist man nie gefeit"

Neben der hohen medizinischen Qualität ("Unsere Ärzte arbeiten mit an den bundesweiten Leitlinien") setzt Gudrun Schmeier, Leiterin der Fachklinik Sylt, auch auf die Zufriedenheit der Patienten. 25 Millionen Euro wurden in den letzten Jahren in den Um- und Anbau des Hauses mit 160 Patientenbetten sowie Platz für 60 Begleitpersonen investiert.

Schmeier rechnet damit, die 2008 erreichte Auslastung von 91 Prozent in diesem Jahr steigern zu können. "Der Markt ist dafür jedenfalls groß genug." Denn obwohl die Deutsche Rentenversicherung Nord Träger der über etwa 140 Mitarbeiter verfügenden Fachklinik ist, liegt der Anteil der Eigenbelegung nur bei 15 Prozent. Auch sie sieht ihre Klinik optimal aufgestellt - "wobei man nie davor gefeit ist, was sich die Politik als nächstes einfallen lässt".
"Gesichertes Nischendasein"

Mit ihrer Spezialisierung auf eine familienorientierte Reha für krebskranke Kinder führt die Wenningstedter Syltklinik mit ihren 50 Mitarbeitern nach Aussage ihres Leiters Jörg-Eric Zarth ein gesichertes "Nischendasein". Die 28 Patienten-Betten, die jeweils in einem Appartement untergebracht sind, da sich die Kinder vier Wochen lang mit ihren Familien auf Sylt aufhalten, sind zwischen 96 und 100 Prozent ausgelastet. Bundesweit gibt es nach Zarths Angaben nur vier weitere familienorientierte Einrichtungen. Um steigende Kosten durch höhere Einnahmen zu steigern, hat die Klinik kürzlich eine 13. Reha-Maßnahme im Jahr eingeführt. Zarth: "Das heißt, das jetzt wirklich jeder Tag im Jahr für die Belegung ausgeschöpft wird."

Doch selbst das reiche lediglich, um die laufenden Kosten für das normale Programm zu erwirtschaften. "Viele Besonderheiten der familienorientierten Therapie können wir nur durch Zuschüsse und Spenden finanzieren", erklärt Zarth.

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erstellt am 02.Mär.2009 | 08:52 Uhr

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