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Autozug auf Sylt : RDC fährt öfter – was bringt das?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bis zu 62 Autozüge fahren mit Beginn des neuen Fahrplans ab 10. Dezember 2017 täglich über den Hindenburgdamm.

Sylt | Deutlich mehr Autozüge – Sylter und Gäste können sich auf zusätzliche Verbindungen für den Autotransport über den Hindenburgdamm freuen. Bisher starteten in Westerland und Niebüll täglich im Sommer bis zu 54 Autozüge, der Fahrplan 2018 bietet bis zu 62 Autozüge pro Tag. Am Freitag veröffentlichte RDC seinen neuen Fahrplan mit deutlich mehr und gleichmäßiger über den Tag verteilten Abfahrtzeiten. Statt bisher täglich zwölf wird RDC künftig bis zu 22 Abfahrten anbieten.

Der Platzhirsch Deutsche Bahn hatte seinen neuen Fahrplan schon letzte Woche vorgelegt. Erstmals wird nicht mehr nach Sommer und Winter unterschieden, die Zahl der täglichen Fahrten ist ganzjährig konstant. Insgesamt fährt der DB-Syltshuttle künftig bis zu 40 Mal am Tag – im Vergleich zum derzeit geltenden Sommerfahrplan zwei Abfahrten weniger pro Tag, teilte die DB-Pressestelle mit.

Die deutsche Tochter des US-amerikanischen Eisenbahnunternehmens RDC verfügt bekanntlich über keine Doppelstockwagen – die Kapazität jedes 600 Meter langen RDC-Autozuges mit einstöckigen Flachwagen erreicht mit 75 bis 80 Autos nur die Hälfte der DB-Konkurrenz, die auf ihren Doppelstockwagen 150 bis 160 Fahrzeuge unterbringt.

Wächst also mit der Zahl der Abfahrten überhaupt die Kapazität der Autozüge?

„Ja“, sagt RDC-Chef Dr. Markus Hunkel klipp und klar. Nach der neuen Trassenvergabe durch die DB Netz zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 fahre die DB nur zwei Mal weniger, RDC aber zehn Mal mehr. Hunkel widersprach der im Gemeinderat geäußerten Kritik, dass der neue Anbieter zulasten der Pkw-Kapazität geht. „Die DB hat uns informiert, dass wir keine Doppelstockwagen für Spitzentage anmieten können, da bereits alle verfügbaren Doppelstockwagen vollständig im Einsatz seien. Somit könnte der DB Sylt Shuttle gar nicht mehr fahren – selbst wenn Konkurrent RDC gar nicht auf der Strecke unterwegs wäre.“

Die DB und RDC führen gemeinsam jetzt häufiger als 2014 – zwei Jahre vor dem Markteintritt des blauen Autozug-Anbieters. Der regelmäßige Stau vor den Verladerampen zu Ferienbeginn und an Sonnabenden entstehe nicht durch zwei Anbieter – „den hat es laut Aussage von Sylter Stammgästen an solchen Tagen immer gegeben.“ Hunkel betonte, dass die gestiegene Anzahl der Autozugverbindungen auch nicht den Personenverkehr beeinträchtige: „RDC nimmt niemandem etwas weg.“

Langes Wochenende: Abreisetipps für Dienstag

Viele Gäste nutzen den Feiertag am Dienstag für ein verlängertes Sylt-Wochenende. Dadurch kann es bei der Abreise am Dienstag und auch am Mittwoch zu Wartezeiten bei der Autoverladung kommen. Nach einer Mitteilung von Günter Schroeder (Sylt Touristik Information) fahren die Autozüge am Dienstag zwischen 5.30 und 21.30 Uhr (Sonderzug), am Mittwoch zwischen 5.30 und 21 Uhr (Verladeschlusszeiten in Westerland). Besonderer Andrang wird für die Verbindungen um 7.25 und 8 Uhr, zwischen 9.30 und 11 Uhr, um 12.25 und 13.30 Uhr sowie um 14.55 und 15.30 Uhr erwartet. Abreisende sollten diese stark nachgefragten Verbindungen für ihre Reiseplanung vermeiden.

 

Um das Fahrzeugaufkommen auf den Terminals in Niebüll und Westerland an Spitzentagen besser zu bewältigen, setzt Hunkel auf ein Online-Reservierungssystem. Schon seit Juni werden darüber Sparpreis-Tickets ab 19,90 Euro für die einfache Fahrt angeboten, wenn Kunden sich vorab auf eine Verbindung festlegen. Dabei gehört der Sechs-Uhr-Zug am Mittwoch stets zu den günstigsten Verbindungen, beliebtere Fahrzeiten sind teurer. Gleichzeitig hatte RDC im Juni den Einführungspreis beendet, der Preis für die einfache Fahrt stieg von 40 auf 43 Euro sowie von 23 auf 25 Euro für Insulaner.

Neu im Online-Angebot sind teurere „Flex-Tickets“, die eine Reservierung enthalten, aber im Gegensatz zum Sparpreis-Ticket nicht verfallen, wenn der gebuchte Zug nicht erreicht wird. Kunden mit Flex-Ticket können auch jeden anderen RDC-Autozug nehmen. An der Autoverladung reicht es, das ausgedruckte Online-Ticket oder den QR-Code auf dem Handy vorzuzeigen. Der RDC-Insulanertarif beträgt derzeit 25 Euro für die einfache Fahrt, Zehnerkarten gibt es für 190 Euro. Alle Preise blieben bis Jahresende 2017 konstant, erklärte Hunkel unserer Zeitung.

Bürgervorsteher Peter Schnittgard reagierte am Freitag mit großer Skepsis auf die RDC-Ankündigung. Das Gemeindeoberhaupt zeigte sich enttäuscht, dass bislang offenbar aus Kostengründen nicht alle Trassen bedient wurden. Für den Sylt-Verkehr dürfe es aber nicht nur um Wirtschaftlichkeit gehen – schließlich sei der Bahnverkehr die Lebensader der Insel. Er werde die RDC-Offensive mit Argusaugen beobachten. „Wenn das klappt, gratuliere ich als erster – aber im Moment klappt eigentlich gar nichts.“

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