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Autozug Sylt-Niebüll : RDC fährt – aber oft allein

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die blauen Züge zu weniger als zehn Prozent ausgelastet. Eine verbilligte Karte soll das schleppende Geschäft beleben.

Erst lief monatelang gar nichts, jetzt läuft es nicht rund beim zweiten Autozug-Anbieter. Viel zu wenig Autofahrer entscheiden sich an den Terminals in Niebüll und Westerland für das Angebot der Railroad Development Corporation (RDC). Oft fährt nur eine Handvoll Autos mit der Konkurrenz der Deutschen Bahn. RDC selbst nennt eine Auslastungsquote von weniger als zehn Prozent. Wie lange will sich RDC-Chef Henry Posner III das angucken?

Mit über zehn Monaten Verspätung hatten sich die blaulackierten Waggons der Railroad Development Corporation am 18. Oktober in Bewegung gesetzt – mit einem knappen Dutzend Pkw an Bord. In den ersten Wochen pendelte der RDC-Autozug nur zwei- oder dreimal täglich über den Hindenburgdamm. Seit Umstellung auf den Winterfahrplan am 11. Dezember fährt RDC das volle Programm – täglich sieben Abfahrten sowohl von Niebüll als auch von Westerland aus.

Doch meist befördern die blauen Autozüge, auf die 80 Autos passen, nicht mehr als drei, vier Pkw. Das neue Angebot werde „überhaupt nicht zufriedenstellend“ angenommen, sagte RDC-Sprecherin Meike Quentin gestern unserer Zeitung. Auch RDC-Technik-Chef Jens Arne Jensen sprach von „Enttäuschung“. Für die Anfangsphase hatte der Konkurrent des Sylt Shuttles der Deutschen Bahn mit einer Auslastungsquote von 30 bis 40 Prozent kalkuliert. Für die kommenden Tage rechnet RDC aber mit einer vorübergehenden Besserung – in der Zeit zwischen den Jahren werden auf der Insel über 30  000 Besucher erwartet. Im Januar setzt wieder die Winterpause ein – und RDC dürfte in die Röhre gucken.

Die Ursachen sind schnell gefunden: An den Verladerampen in Niebüll und Westerland führt RDC nur ein Schattendasein. In Niebüll sind es die Spuren 9 und 10, in Westerland die Spur 1, die zu den blauen Autozügen führen. Wer sich nicht auskennt, steuert hilfesuchend das Kassenhäuschen an – doch da sitzt ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn und verkauft nur Tickets für den eigenen „Sylt Shuttle“. Eine elektronische Informationstafel mit den nächsten Abfahrtzeiten fehlt.

Wer sich vorher im Internet schlau macht und bei Google nach „Autozug Sylt“ sucht, bekommt als erste drei Treffer Webseiten der Deutschen Bahn. RDC Deutschland kommt als vierter Eintrag, die richtige RDC-Adresse www.autozug-sylt.de sogar erst auf der zweiten Seite der Google-Suchergebnisse. Bis zur nächsten Abfahrtzeit sind es noch ein paar Klicks. Da ist die Deutsche Bahn besser aufgestellt: Für den Sylt Shuttle gibt es sogar eine eigene Smartphone-App, die schon beim Start die nächsten Abfahrtzeiten verrät. Natürlich nur die der Deutschen Bahn.

Hausherr auf den Terminals in Niebüll und Westerland ist die DB Fernverkehr AG – das gleiche Unternehmen, das auch die roten Autozüge des „Sylt Shuttles“ betreibt. Unserer Zeitung sind Fälle bekannt, in denen Fahrgäste auf die Frage nach dem nächsten Autozug zum Sylt Shuttle geschickt wurden (und beim Warten den RDC-Autozug abfahren sahen) oder konkret vor dem Neuling gewarnt wurden. Dass die Informationen an den Terminals unzureichend sind, sieht auch Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Erst gestern hätten die Beteiligten wieder ein Gespräch zu dem Thema geführt. Auf den Terminals seien zusätzliche mobile Schilder installiert worden, die auf RDC hinweisen. Eine zusätzliche Beschilderung auf öffentlichem Grund sei aber von der Straßenverkehrsbehörde abgelehnt worden. DB und RDC verhandelten derzeit über eine gemeinsame Ausschilderung, vermutliche auf der ersten Hinweisbrücke am Terminal. Mit einer Umsetzung sei im neuen Jahr zu rechnen.

RDC reagierte gestern Mittag mit einem neuen Angebot auf die niedrige Nachfrage – ab sofort gibt es ein Ticket für die Hin- und Rückfahrt zum Preis von 75 Euro. Bisher waren nur Einzeltickets zum Preis von 40 Euro verfügbar. DB-Kunden berappen für die Hin- und Rückfahrt 92 Euro, dienstags bis donnerstags 79 Euro. Für Vielfahrer mit Wohnsitz auf der Insel ist das RDC-Angebot aber kaum interessanter – bei der Zehnerkarte werden bei RDC 19 Euro pro Fahrt fällig, bei der DB-Zwölferkarte 19,17 Euro.

Der US-amerikanische RDC-Firmengründer Henry Posner III stand gestern nicht für ein Interview bereit. Allerdings ließ Posner schon beim Betriebsstart am 18. Oktober durchblicken, dass er durchaus auf eine längere Durststrecke am Hindenburgdamm vorbereitet ist. „Im Bahngeschäft sollte man einen langen Atem haben“, erklärte Posner III im Gespräch mit dem sh:z. „Es kann manchmal zehn Jahre oder mehr dauern, bis sich der Erfolg einstellt.“

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