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Strecke Westerland-Niebüll : RDC-Chef im Interview: „Es wird Rangierkonflikte geben“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wann rollen die Autozüge von RDC endlich über den Hindenburgdamm? Im Interview spricht Carsten Carstensen, Geschäftsführer der Railroad Development Corporation (RDC) über Bahnchaos und vermeintliche Personalprobleme.

Wie geht es weiter mit RDC? Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht Carsten Carstensen, Geschäftsführer der Railroad Development Corporation Deutschland, darüber, warum sein Unternehmen den Betrieb noch nicht aufgenommen hat und ob auch er ein Bahnchaos auf der Strecke Niebüll-Westerland erwartet.

Herr Carstensen, die brennende Frage lautet: Wann fährt RDC denn nun?
Gute Frage. Wir warten zur Zeit darauf, dass unsere Wagen genehmigt werden. Die nötigen Formulare liegen dem Eisenbahnbundesamt dazu vor. Wenn die Zulassung für die Wagen erteilt ist, können wir den Probebetrieb aufnehmen und bekannt geben, wann wir unseren Regelbetrieb aufnehmen.

Das zieht sich mit Ihren Wagen ja schon eine Weile hin. Glauben Sie, es ist jetzt bald soweit?
Ja, davon gehen wir fest aus. Es ist so, dass die von uns angemieteten Autozugwagen für den Autozugverkehrs nach Sylt nachgerüstet wurden. Die dazu nötigen Unterlagen prüft das Eisenbahnbundesamt nun final. Wir hoffen natürlich auf eine zügige Bearbeitung, aber es bringt nichts, da jetzt Termine zu nennen, die sich gegebenengfalls wieder verschieben.

Es könnte also sein, dass RDC erst im Sommer fährt?
Nein, davon gehen wir keinesfalls aus. Wir starten im Frühjahr – und würden uns freuen, noch vor Ostern mit dem Probebetrieb loslegen zu können. Außer für Kraftstoff fallen bei uns ja schon jeden Monat Kosten an – für Lok- und Wagenmiete, Personal und Trassen zum Beispiel.

Was meinen Sie eigentlich mit Probebetrieb?
Wir testen vor allem das Be- und Entladen der Fahrzeuge an den Autozugterminals. Da muss jeder Handgriff sitzen, weil die gesamte Be- und Entladung binnen einer Viertelstunde erfolgt sein muss. Unser Probebetrieb wird ungefähr zwei Wochen dauern.

Apropos Mitarbeiter: Auf der Insel kursiert das Gerücht, dass sie nicht genügend Personal hätten, beispielsweise nur einen Lokführer...
Uns ist bewusst, dass es auf der Insel immer mal wieder Gerüchte über uns gibt. Das liegt daran, dass wir eben noch nicht fahren, nicht sichtbar sind. Was unser Personal angeht – wir haben selbst sowie über unseren Betriebspartner Transdev, das ist die Muttergesellschaft der Nord-Ostsee-Bahn, alle nötigen Lok- und Zugführer, Verzurrer sowie insgesamt rund 50 Mitarbeiter. Wie gesagt – dafür bezahlen wir auch bereits.

Außerdem heißt es, Sie würden jetzt schon Loks über die Schienen fahren lassen, weil Sie die Trassen sonst wieder verlieren würden.
Es ist formal so, dass man die Trassen verlieren kann, wenn man sie nicht fährt. Das stimmt. Wir haben unsere Trassen zudem ohnehin dazu genutzt, um die Strecke kennenzulernen und Lokführer auf der Lokbaureihe auszubilden. Diese Fahrten sind abgeschlossen.

Um die Trassen nicht zu verlieren?
Um sie nicht zu verlieren und um Ausbildungsfahrten mit der Lokomotive durchzuführen.

Im Grunde müssen die Sylter ja froh sein, dass RDC nicht noch mehr oder gar alle Trassen gewonnen hat. Sonst gäbe es seit Mitte Dezember keinen Autozugverkehr auf die Insel mehr.
Ok, lassen Sie uns gerne spekulieren: Wenn wir wirklich ein volles Jahr Vorlauf gehabt oder tatsächlich alle Trassen bekommen hätten, wären wir im Dezember mit allem Zugmaterial pünktlich startbereit gewesen. Bis Ende August wussten wir aber gar nicht, wieviele Trassen wir überhaupt fahren können. Mit Aussicht auf mehr Trassen hätten wir ganz andere Summen investieren und Risiken in Kauf nehmen können.

Wenn Sie gewusst hätten: So wird das ganze Prozedere ablaufen - da kommt beispielweise die Deutsche Bahn mit ihrem Sylt Shuttle plus um die Ecke – würde RDC noch einmal versuchen, Trassen auf dem Hindenburgdamm zu gewinnen?
Ja, selbstverständlich. Fairer Wettbewerb schreckt uns überhaupt nicht.Für Autozuganbieter ist das auch wirtschaftlich eine attraktive Strecke – selbst wenn man, wie wir, im Wettbewerb fährt und günstigere Preise anbietet.

Staatssekretär Dr. Frank Nägele hat vergangene Woche im Gespräch mit unserer Zeitung schon angedeutet: Wenn es hart auf hart kommt, muss der Bund halt Geld in die Hand nehmen und die Insel quasi frei kaufen. Wieviel Geld müsste man RDC D denn bieten, damit Sie Ihre Pläne aufgeben?
Uns hat dieses Zitat in der Zeitung sehr verwundert, weil das klar gegen EU-Recht verstoßen dürfte. Ein für Verkehr zuständiger Staatssekretär sollte das besser wissen. Wenn der sich zudem so offensiv gegen Wettbewerb positioniert, wäre zumindest Neutralität geboten. RDC geht es ums Eisenbahnfahren. Würden wir spekulieren wollen, gäbe es weitaus einfachere Möglichkeiten.

Nach meinem Kenntnisstand führen Sie mit der DB in Kiel derzeit Gespräche, wie sich das Bahnchaos lösen lässt. Wie laufen die denn?
Es gab einige Treffen, ja. Den jüngsten Termin Anfang dieser Woche hat die DB aber überraschend abgesagt.

Wie könnte man das drohende Chaos denn aus Ihrer Sicht lösen?
Die Experten der DB Netz haben uns Betreibern gesagt, wie die bestehenden Fahrplankonflikte zu lösen sind, um alle von ihr rechtmäßig vergebenen Trassen zuverlässig fahren zu können. So wie die Trassen jetzt vergeben sind, funktioniert es nicht. Es fehlen tagsüber genügend Abstellgleise in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll. Für acht lange Autozüge fehlt der Platz. Im Idealfall kommt ein Autozug am Terminal an, wird entladen, erneut beladen und fährt gleich wieder zurück, ohne erst woanders geparkt werden zu müssen. Die beiden Betreiber müssen sich in regelmäßigem Turnus mit den Abfahrten abwechseln.

Wenn Sie also sagen, dass es bisher mit der DB keine Einigung gibt: Wird es so problematisch wie prognostiziert, wenn RDC auf die Strecke geht?
Es ist vorhersehbar, dass es durch den künftigen Wechsel der Betreiber ohne betriebliche Optimierung jeden Tag zu Rangierkonflikten kommen wird. Da es für eine solche Situation keinen Präzedenzfall gibt, wissen wir nicht, wie die Fahrdienstleiter diese Konflikte im Einzelfall lösen.


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erstellt am 26.Feb.2016 | 10:35 Uhr

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