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Keitum-Therme auf Sylt : „Raum für Fantasien schaffen“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach dem Abriss der Thermenruine herrscht bis zum Frühjahr Ruhe am Keitumer Watt. Zeit für Gedanken über die künftige Gestaltung des Areals.

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erstellt am 05.Okt.2017 | 05:28 Uhr

Fast zehn Jahre rottete das „Schandmal der Insel“, die Betonruine der Wellness-Therme mit ihrer 1a-Lage am Keitumer Wattenmeer, vor sich hin. Dann begann Mitte März dieses Jahres der von Insulanern ebenso wie von Sylt-Urlaubern lang ersehnte und von der Gemeinde Sylt beschlossene Abriss auf eigene Kosten. Die Abbrucharbeiten des Hamburger Spezialunternehmens Ehlert & Söhne dauerten mit exakt 27 Kalenderwochen jedoch mehr als doppelt so lange wie ursprünglich geplant. Die Gründe dafür waren vor allem eine, selbst für die Fachleute nicht vorhersehbare starke Bewehrung des verbauten Betons sowie die vielen „Überraschungen im Untergrund“ wie äußerst solide Kellerbauten oder metertief in die Erde reichende Sohlen und Fundamente, zum Teil sogar noch aus Zeiten des alten Meerwasserschwimmbads.

Insgesamt sei bis zum offiziellen Ende der Arbeiten am 25. August eine Betonmenge von 9000 Tonnen abgebrochen worden, erläuterte Marcus Kopplin in seinem Resümee auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats. Der Bauschutt konnte nach umwelttechnischer Untersuchung komplett zu Recyclingmaterial für die Modellierung des Geländes verarbeitet, nichts davon musste – wie zunächst von manchem befürchtet – mit Lkw durch die engen Straßen des Kapitänsdorf abgefahren werden. „Nur mal als Vergleich: Die Betonmenge ist so groß, als ob man sechs Mal den Keitumer Bahnhof geschreddert oder zwei ganze Bahnhöfe damit verfüllt hätte“, so der für den Thermenabriss zuständige Betriebsleiter des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) der Gemeinde Sylt. Allerdings wären auch 480 Tonnen Baustahl aus dem Beton separiert sowie zirka ein Kilometer Kunststoff-Versorgungsrohre aus den Becken entfernt und anschließend mit 50 Lkw zum Recyceln aufs Festland gefahren worden.

Aufgrund der besonderen Beschaffenheit des Betons und der Fundamente sei es zu überdurchschnittlich vielen Geräteschäden und -ausfällen gekommen, die in der Regel aber nach ein bis zwei Tagen repariert wurden. Alle drei zum Abriss eingesetzten Bagger mussten je einmal getauscht werden. Im Rahmen geblieben wären die Beschwerden von Anliegern oder Urlaubern, so Kopplin. Einmal sei es zu einer „Einstäubung“ der gegenüberliegenden Apotheke durch falsche Windrichtung gekommen, außerdem zu einer handvoll Lärmbeschwerden ausschließlich von Feriengästen auf einer Baubegehung. Darüberhinaus hätte es Besorgnisse aufgrund manchmal spürbarer Erschütterung gegeben – „alles in allem jedoch gab es überwiegend Vorfreude auf ein baldiges Ende und auf die Renaturierung“, sagte der KLM-Chef.

Damit jedoch müssen sich alle noch einige Zeit gedulden: Trotz teilweiser Entfernung des hölzernen Bauzauns an der Straßenseite bleibt das Thermen-Areal weiter eine Baustelle. Zwar sind für die Boden- und Gestaltungsmaßnahmen zusätzliche 105  000 Euro in den Haushalt eingestellt – die Abrisskosten liegen mit plus 3700 Euro nur geringfügig über der geplanten halben Million Euro. Aber aus Wettergründen, zum Beispiel starkem Wind und vielen Niederschlägen im Herbst und Winter, können die Anlieferung der speziellen Erde und die von der Naturschutzbehörde des Kreises genau vorgeschriebene Bepflanzung erst im Frühjahr 2018 vorgenommen werden. Bis dahin müssen auch sämtliche Zäune rings ums Gelände stehenbleiben und es gilt weiterhin: „Betreten der Baustelle verboten!“

Somit bleiben einige Monate, sich weiter Gedanken über die künftige Gestaltung und Nutzung der ehemaligen Baubrache zu machen. „Die Wunde muss sich erstmal schließen“, sagte KLM-Chef Kopplin. „Wir sollten jetzt eine Weile Ruhe lassen und uns die Zeit nehmen für neue Ideen.“ Klar sei bisher nur, dass in Zuge der Geländemodellierung der von den Dorfbewohnern gewünschte Bouleplatz angelegt werden soll, berichtete Oliver Ewald. Allerdings seien bei ihm als Ortsbeiratsvorsitzenden auch schon weitere Vorschläge auf dem Tisch gelandet. Jegliche Art einer Bebauung, wie beispielsweise vor einigen Jahren mit einem Kunstmuseum ins Spiel gebracht, wäre – zumindest offen ausgesprochen – bisher aber noch kein Thema.

Traugott Giesen jedoch ist das bislang Geplante zu wenig und nicht kreativ genug: „Es geht ja nicht um irgendwelche Baupläne“, sagte Keitums ehemaliger Pastor auf der Ortsbeiratssitzung, sondern darum, für das Areal „neue Fantasien, die nicht kommerziell sind“, zu entwickeln. „Dort könnte ein Erwachsenenspielplatz, ein Bürgergarten oder auch ein Skulpturenpark entstehen.“

Silke von Bremen hat den Eindruck, es gäbe jetzt „viele, sehr unterschiedliche Wünsche“ an die Flächen. „Aber wir sind doch alle komplette Laien, deshalb sollten wir unbedingt Fachleute einbeziehen“, schlägt die Sylter Gästeführerin vor. „Landschaftsarchitekten können viel besser beurteilen, wie es gelingt, Sichtachsen zu schaffen, die den Blick nicht nur in Richtung Meer lenken. Die Gestaltung des Ensembles aus ehemaligem Thermengelände und der benachbarten Arena sollte unbedingt als Gesamtes gesehen werden.“

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