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Flüchtlinge auf Sylt : Räume für Sprachkurse gesucht

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Verein für Integrationshilfe will für die steigende Zahl an Flüchtlingen auf der Insel Deutschkurse anbieten, fühlt sich aber daran gehindert.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2015 | 05:41 Uhr

Zahlreiche Flüchtlinge werden in den nächsten Wochen auf Sylt erwartet, rund 150 leben derzeit bereits auf der Insel. Um sich hier integrieren zu können ist es wichtig, dass die Neuankömmlinge möglichst schnell Deutsch lernen. Sowohl die Sylter Volkshochschule (VHS) als auch der Verein Integrationshilfe Sylt wollen den Menschen auf der Insel die für sie neue Sprache vermitteln.

An drei Tagen in der Woche können an der VHS Sylt Deutschkurse besucht werden, sagt Leiterin Sabine Rosenthal. „Ab Mitte Oktober werden wir den Unterricht konzentrieren und mehr Kurse anbieten.“ Auch Abendkurse sollen dann in Westerland stattfinden.

Ob die VHS alleine die zahlreichen Flüchtlinge unterrichten kann, bezweifelt der Verein Integrationshilfe Sylt. „Wir sind startklar, wir könnten sofort anfangen und bis zu 200 Flüchtlinge auf der Insel unterrichten“, sagt Juliane von Holdt, Initiatorin der Sylter Integrationshilfe-Gemeinschaft. In Gruppen würde, dem Sprachniveau entsprechend, nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen unterrichtet. Das Kursangebot sei beliebig erweiterbar, da genügend ehrenamtliche Laien-Lehrer zur Verfügung stünden. „Wir haben rund 50 bis 60 Lehrer – der Stundenplan ist voll“, betont von Holdt. Einziges Problem: Die Gruppe hat keinen Raum in dem die Sprachschüler unterrichtet werden können. Zu Beginn des Jahres wurde das Projekt auf Eis gelegt: Eine Kooperation sei damals von der VHS verweigert worden, sagt die Sprecherin der Sylter Gruppe. Auf eine Zusammenarbeit sei daher verzichtet worden und die Schüler an die gemeinnützige Einrichtung abgegeben worden.

Ende letzten Jahres hatte es Streit um die Sprachkurse für Flüchtlinge gegeben: Es standen Vorwürfe im Raum, dass der ehrenamtlich tätige Verein Schüler und auch Lehrkräfte von der VHS abwerben würde, um mit ihnen die eigenen Sprachkurse durchzuführen. Dadurch habe die VHS auf Geld des Landes und der EU verzichten müssen. Am Ende konnten die Unstimmigkeiten Anfang Dezember in einem Schlichtungsgespräch – an dem auch die Verwaltung, der Kreis und der AWO-Landesverband teilnahmen – gelöst werden (wir berichteten). Damals entschieden die Gruppen, dass künftig vier Sprachkurse in verschiedenen Niveaustufen stattfinden sollen. Die Kurse sollten zu festen Terminen zwischen der VHS und der Integrationshilfe aufgeteilt werden. Der Verein sollte für seinen Unterricht weiterhin die Räume des Schulzentrums nutzen dürfen, ohne dafür zu bezahlen.

Einen erneuten Streit gäbe es jetzt jedoch nicht, sagt Juliane von Holdt. „Es muss hier nicht um Entweder- oder gehen und eine Konkurrenz entstehen – es geht nur darum, dass die Leute die Sprache lernen.“Trotzdem sieht sie große Unterschiede in den Absichten der Sprachförderer: „Die VHS hat ein wirtschaftliches Interesse an den Kursen, das haben wir überhaupt nicht – wir wollen die Leute einfach nur integrieren“.

Um das zu erreichen soll es jetzt möglichst schnell wieder losgehen: „Wir brauchen zwei Unterrichtsräume und eine Küche, um das Projekt wieder so zu starten, wie es war“, fordert von Holdt. Warum sie die Räume nicht bekommen– obwohl Ordnungsamt und Bürgermeister die Idee unterstützten – kann die engagierte Frau nicht sagen. Im Moment unterrichten die Ehrenämtler direkt in den Flüchtlingsunterkünfte.

 

 

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