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Verkehrsminister Meyer vor Ort : Rader Hochbrücke: Schnelle Lösung nicht in Sicht

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Vier Montate sollen die Arbeiten an der Rader Hochbrücke dauern. Unterdessen wälzt sich der Schwerlastverkehr durch Büdelsdorf und Rendsburg.

Rendsburg | Gegen die Staus im Lande ist auch ein Verkehrsminister machtlos. Mit 45 Minuten Verspätung traf Reinhard Meyer Mittwochnachmittag unter der Rader Autobahnbrücke ein, wo er sich ein Bild vom Stand der Sanierungsarbeiten machen wollte. Der Anreiseverkehr zum Wacken-Open-Air hatte seinen Zeitplan auf der Fahrt von Brunsbüttel nach Schacht-Audorf durcheinander gebracht.
Mit der Frage, ob man die dramatischen Schäden an der Brücke nicht früher hätte bemerken müssen, wollte sich der Minister nicht beschäftigen: "Nachher gibt es immer viele, die alles besser wissen", entgegnete er. Jetzt stehe zunächst einmal die Sanierung der wichtigsten Brücke des Landes im Vordergrund. Die soll vier Monate dauern und rund eine Million Euro kosten. Und wenn die Summe höher werde, sei das auch kein Problem: In einem Telefonat habe ihm Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zugesagt, dass ausreichend Geld zur Verfügung stehe.

"Wir werden von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt"

Die Sperrung der maroden Brücke für den Schwerlastverkehr hat unterdessen in Rendsburg und Umgebung Wirtschaftsverbände, Politik und Verwaltung auf den Plan gerufen. Trotz der Empfehlung, die Brücke weiträumig zu umfahren, wählen die meisten der täglich durchschnittlich 7000 Trucker auf der A7 immer noch den kürzesten Weg. Sie verlassen die Autobahn erst, wenn sie von der Polizei an den Abfahrten Rendsburger Kreuz (von Süden) oder Büdelsdorf (von Norden) herausgewunken werden. Die Strecke führt dann durch die Städte Büdelsdorf und Rendsburg sowie den Rendsburger Kanaltunnel - den Engpass der gesamten Region.
Die über 50 Jahre alten Röhren werden zurzeit mit großem Aufwand saniert - und noch bis weit ins Jahr 2015 steht pro Fahrtrichtung nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass die beiden Städte vom Verkehrsinfarkt bedroht sind und sich auf den Tunnelzufahrten kilometerlange Staus bilden. "Wir werden von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt. "Wie soll man mit Unternehmen über eine Ansiedlung sprechen, wenn hier solch ein Verkehrs-Chaos herrscht", wetterte IHK-Geschäftsführer Rainer Bock. Eine Verbesserung verspricht er sich von einer ungewöhnlichen Idee, der sich auch der Unternehmensverband Mittelholstein und der Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft angeschlossen haben: Die Tunnelsanierung soll unterbrochen werden, um innerhalb möglichst kurzer Zeit wieder vier Fahrstreifen zur Verfügung stellen zu können.

Meyer machte wenig Hoffnung auf schnelle Entlastung

Reinhard Meyer machte den Menschen in Rendsburg und Umgebung allerdings wenig Hoffnung auf schnelle Entlastung. "Federführend für die Tunnel-Baustelle ist die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes", sagte er am Mittwoch. Er habe Kontakt aufgenommen und erfahren, dass es rund zehn Wochen dauert, bis die Tunnelbaustelle geräumt werden könne. "Und dann müssen die Arbeiten für die Asphaltdecke auch noch ausgeschrieben werden - bis das soweit ist, haben wir die Sanierung der Hochbrücke abgeschlossen."
Zerschlagen hat sich auch der Plan, die Kanalfähren im 24-Stunden-Betrieb einzusetzen. Dafür gebe es die personellen Kapazitäten bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nicht, hat der Minister erfahren.
Der Region Rendsburg bleibt zurzeit wenig Hoffnung, dem Verkehrs-Chaos zu entkommen. Einen Versuch unternimmt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr mit neuen Schildern an der Autobahn, die spätestens Ende der nächsten Woche aufgestellt werden sollen. Sie empfehlen den Brummi-Fahrern, das Krisengebiet weiträumig zu umfahren - aus Richtung Norden über Husum und die Westküste, aus Richtung Süden über Kiel. Ob die Hinweise befolgt werden, ist jedoch ungewiss. "Wir können niemanden zwingen, sondern nur die Empfehlung aussprechen", erklärte Matthias Paraknewitz, der Leiter des Landesbetriebs in Rendsburg. Für die Probleme im Schatten der maroden Brücke gibt es offenbar noch keine Lösung.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 08:33 Uhr

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