„Auszeit für die Seele“ : Radeln gegen den Krebs

„Opa Hans“ (74) möchte auf die Nöte von Krebserkrankten und ihren Familien hinweisen.
„Opa Hans“ (74) möchte auf die Nöte von Krebserkrankten und ihren Familien hinweisen.

In der Nordseeklinik berichten „Opa Hans“ Böge und Onkologen Mittwoch Abend über das Leben nach der Krebsdiagnose

shz.de von
25. Juli 2018, 10:40 Uhr

Wenn Hans Böge mit seinem auffälligen Fahrrad über die Insel radelt, sieht man ihm seine schwere Erkrankung nicht an. Auf den Rädern steht „Auszeit für die Seele“, der Hintergrund: Hans Böge möchte Bewusstsein schaffen für die Nöte von Krebserkrankten und ihren Familien.

„Viele Betroffene sind oft recht hilflos. Sie wissen nicht, wo sie ein offenes Ohr, Informationen über die besten Therapien und weiteren Rat für ihre Lebenslage bekommen“, betont der 74-jährige Spendenradler. Er selbst verlor als Zwölfjähriger kurz hintereinander beide Eltern durch den Krebs, es folgte eine von Armut geprägte Jugendzeit. Nie hat er diese Jahre vergessen. Als Rentner engagierte er sich im Sozialverband VdK, half bei Schwerbehinderten- und Rentenangelegenheiten.

2010 erkrankte Hans Böge dann an Zungenbodenkrebs: „Ich musste mehrfach operiert und eine Zeit lang mit dem Verlust der Sprache fertig werden.“ Es folgte ein regelrechter Therapiemarathon, doch Böge gewann den Kampf gegen den Krebs. Neue Lebenskraft fand er beim Fahrradfahren und nutzte dies zugleich, um die Bevölkerung aufzuklären, über die Erkrankung Krebs mit all den körperlichen, psychischen und auch finanziellen Folgen. Daher bittet er um Unterstützung des Vereins „Auszeit für die Seele“, der bundesweit mittellosen Krebspatienten kostenlose Ferienwochen vermittelt.

„Wer länger als 72 Wochen wegen einer Krankheit arbeitsunfähig ist, der wird von seiner Krankenkasse ausgesteuert oder bekommt Frührente. Da bleibt meist kein Geld für einen Erholungsurlaub“, erklärt Hans Böge, der während einer Benefizveranstaltung den Namen „Opa Hans“ bekam. „Wir versuchen, einigen von ihnen während der therapiefreien Zeit eine kleine, unbeschwerte Auszeit zu ermöglichen.“

Unter den Betroffenen sind auch Patienten, denen kein Arzt der Welt mehr helfen kann, und natürlich Familien mit Kindern. „Ein Urlaub hilft dabei, Kräfte zu sammeln, am besten gemeinsam mit seinen Lieben, deren Leben ja auch von der Erkrankung des Angehörigen geprägt ist“, erklärt Hans Böge. „Vor allem freue ich mich, wenn Kinderherzen nach viel erlebtem Leid wieder einmal lächeln können.“

2017 kehrte bei ihm der Krebs zurück, es folgte eine Operation an der Lunge, dann mussten die Zunge und Teile des Kiefers entfernt werden. Sie wurden jedoch durch Wiederherstellungs-Chirurgie erfolgreich wieder aufgebaut. Und Opa Hans radelt weiter. Woher nimmt er die Kraft dazu? „Ach, es gibt mir ganz viel Kraft, wenn ich anderen Betroffenen Mut und Zuversicht vermitteln kann“, erklärt er lächelnd. Am Mittwoch, 25. Juli, berichtet er weiter, im Rahmen der Veranstaltung „Aktiv gegen Krebs“, die um 19.30 Uhr im Raum Westerland (Kurhaus) der Nordseeklinik beginnt. „Opa Hans“ erzählt von seinen Erfahrungen, danach referieren Frank Lorenzen (Chefarzt der Onkologie), Gesa Assmann (Sportwissenschaftlerin) und Claudia Zeidler (Psychologin und Psychoonkologin).


An Krebs erkrankte Patienten, die ALG II oder Grundsicherung beziehen, und Menschen, die den Verein unterstützen möchten, können sich bei „Auszeit für die Seele“ (www.auszeit-für-die-Seele.info bzw. Tel. 02383/2055) oder direkt bei Hans Böge (Ingrid-Hans-Boege@web.de) melden.

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