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Cirque MidiSen : Quirlige Proben hinter den Kulissen des InselCircus

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Countdown läuft: zehn erprobte Zirkus-Hasen, vier junge Küken und ein jungendlicher Galan probenim Cirque MidiSen.

Im InselCircus arbeiten Artisten zwischen 20 und 86 Jahren derzeit gemeinsam an ihrer Show. In der Manege macht sich eine unverwechselbare Unruhe breit, die entweder beflügelt oder fürchterlich an den Nerven reißt – je nachdem, wie man damit umgeht. Es ist Donnerstagabend. Noch drei Wochen und etwa sechs Proben vor dem ersten und einzigen Sylt-Auftritt des Cirque MidiSen. Auf dem im Abendlicht vor sich hindösenden Zirkusplatz kehrt langsam Ruhe ein, nur im Grand Chapiteau geht es hoch her. Der Herr Direktor versucht gerade eine gemischte Hunde-Frauen-Dressur in den Griff zu bekommen und gibt deutliche Anweisungen: „Dann tritt Oda mit Calvin nach vorne und sagt: ,Bei uns im Zirkus gibt es keine Tiere’ Alles klar?“ Für die drei Dompteusen ist alles klar, für die sechs Hunde allerdings noch nicht so ganz.

InselCircus-Chef und in diesem Fall auch Regisseur Martin Kliewer hat für diesen Sommer Sylter ab 30 Jahren dazu aufgerufen, gemeinsam eine zauberhafte Zirkus-Show auf die Beine zu stellen. Gekommen sind zehn erprobte Zirkus-Hasen des SeniorCircus, vier junge Frauen sowie ein jungendlicher Galan, der auch nicht weggeschickt wurde. „Ein prächtiges Ensemble: unsere Idee, generationen-übergreifend zu arbeiten, geht voll auf. Wir haben eine Altersspanne von 66 Jahren. Der Jüngste ist 20, die älteste 86 Jahre alt“, schwärmt Kliewer, der sich nach Tausenden von Kindern und Jugendlichen jetzt im sechstem Sommer auch den „Verwachsenen“„ widmet. Mit riesiger Resonanz: Über den SeniorCircus wurde ein Kino-Dokumentarfilm gedreht, die „reifen Talente“ zierten bereits etliche Titel großer Magazine. Die besondere Qualität der Shows der Nicht-Profis: Der Mangel an artistischer Spektakularität wird durch Präsenz, Ausstrahlung, Poesie und schöne Bilder ersetzt.

Die Idee der aktuellen Produktion „Backstage“, die am Donnerstag, dem 28. August, um 19 Uhr im InselCircus gezeigt wird: Der Zuschauer wird mitgenommen hinter die Kulissen einer alternden Zirkustruppe, die noch diese eine Show zeigen will, bevor sie aus dem Business für immer aussteigt und in den Süden zieht. „Der Zuschauer wird Zeuge unserer Schrägheiten, Liebesgeschichten und Neurosen, bevor wir im zweiten Teil die eigentliche Show zeigen“, erläutertOda Steritz, die in der Produktion die gestrenge Direktorin gibt, die sich allerdings den Luxus eines jugendlichen Liebhabers erlaubt.

Unterdessen bei der Probe: Nach dem quirligen Einsatz des gesamten Ensembles für den ersten Teil von „Backstage“, ziehen sich die einzelnen Grüppchen zum Ausfeilen ihrer Disziplin mit ihren Trainern in die Zelte zurück. Die famosen Hansen-Sisters, Inken und Helga, die im wahren Leben ihres Wissens nach weder verwandt noch verschwägert sind, arbeiten mit einer jungen Artistin an einem Sister-Act. Am anderen Ende des Zeltes wird an der Akrobatik-Performance mit dem vielsagenden Titel „Ball à Balla“ gefeilt. Der Direktor selbst trainiert die Clowns, während über ihnen die Luftartistinnen Iris Ballhausen und Birgit Lanz im Luftring den Gesetzen der Schwerkraft zu widerstehen versuchen.

„Ein wenig mulmig wird mir schon bei dem Gedanken, dass wir bald auftreten“, gesteht Iris Ballhausen vom Tourismus-Service in Wenningstedt, die Novizin im Projekt. Die anderen trösten sofort: „Du kannst sicher sein, wir bekommen das hin“, heißt es im Chor der Erfahrenen, bevor dann zum Schluss der Probe die organisatorischen Details der kommenden Tage geklärt werden. Am nächsten Sonntag steht eine Art Betriebsausflug nach Lunden auf dem Programm. Dort erwartet das Ensemble die Chefin eines Kostümverleihs, die alle Artisten mit Geduld und geübter Hand für die Show einkleidet. „Im InselCircus können wir zwar 180 Kinder auf einen Schlag kostümieren, aber für erwachsene Größen müssen wir zum Profi“, erzählt der Direktor vor der Fahrt, die für alle als geselliger Höhepunkt der Trainingssaison gilt. Die Kulissen der Backstage-Produktion entstehen in diesem Sommer im Kampener Kindergarten, wodurch das Projekt noch ein wenig generationen-übergreifender wird, als ursprünglich angedacht.

Und auch für die Zeit nach dem großen Tag X gibt es bereits Pläne: „Wir arbeiten mit Hamburger Senioren am selben Thema. Anfang 2014 zeigen wir uns die Shows gegenseitig und alle, die Lust haben, gehen dann auf Tournee. Wir haben schon etliche Anfragen von Theatern, unsere Artisten sind Feuer und Flamme“, so Direktor Kliewer.


Die Show Backstage des Cirque MediSen wird am Donnerstag, 28. August, um 19 Uhr ein einziges Mal gezeigt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, im Circorante zu essen. Karten gibt es ab sofort für acht Euro 8 (Kinder) und zwölf Euro (Erw.) im InselCircus oder telefonisch unter 04651-299 499

 

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erstellt am 13.Aug.2014 | 05:05 Uhr

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