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Flüchtlingsunterbringung : Qualität der ehemaligen Marineversorgungsschule umstritten

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Während Lists Bürgermeister das ehemalige MVS–Gelände als mögliche Flüchtlingsunterkunft sieht, ist einer der Eigentümer vollkommen dagegen.

Unklarheiten um die Marineversorgungsschule (MVS) in List: Während Lists Bürgermeister ein Gebäude auf dem MVS-Gelände als mögliche Herberge für Flüchtlinge preist, hält ein Eigentümer des Komplexes diese Pläne für„verrückt“.

Dass in dem Gebäude am früheren Bundeswehrstandort bei Bedarf rund 70 Asylsuchende wohnen könnten, sei Ende Februar entschieden worden, sagt der Lister Bürgermeister Ronald Benck (CDU). Vetreter des Sylter Ordnungsamts und einige Inselbürgermeister hätten das Haus demnach besichtigt (wir berichteten).

Aber auch Benck sieht die Unterbringung in List eher als Notlösung: „Ich gehe davon aus, dass die Lister Unterkunft an letzter Stelle auf der Prioritätenliste steht“, sagt er. Erst wenn der Platz in den anderen Inselorten nicht ausreiche, würden Schutzsuchende in dem rund 35 Meter langen MVS-Block einziehen. Das zweigeschossige Gebäude war vom Eigentümer – der NCS Grundbesitz GmbH mit Sitz in Kaiserslautern – ursprünglich für Bauleiter und Architekten eines Bauprojektes vorgesehen: Sowohl Betten als auch Bäder stünden bereit, sagt der Lister Bürgermeister. Mit wenigen Mitteln könnte das Gebäude bewohnbar gemacht werden.

„Ein großer Vorteil ist hier, dass der Komplex eine autarke Strom-und Gasversorgung hat“, sagt Benck. Als negativ empfinde er jedoch, dass die Menschen von zwei Zäunen umgeben wohnen müssten: Zusätzlich zu einem bestehenden Zaun, der das ehemalige Militärgelände nach Außen abschirmt, müsste noch ein Bauzaun aufgestellt werden, um die Menschen von den anderen Teilen auf dem 18 Hektar großen Areal fern zu halten. „In einer ehemaligen Kaserne zu wohnen – das will ich diesen Menschen eigentlich nicht zumuten“.

Auch Willi Fallot-Burghardt, einer der Hauptgesellschafter der NCS, sieht die Zäune als Problem für eine mögliche Flüchtlingsunterbringung. Doch in allen anderen Punkten widerspricht er Benck. Menschen in dem Block unterbringen zu wollen hält Fallot-Burghardt „für verrückt“. Der entsprechende Gebäudeteil sei nur eine provisorische Lösung gewesen, die inzwischen stark baufällig sowie teuer in der Renovierung sei. „Das ist eine ganz alte Hütte, die seit drei Jahren so steht – da regnet es oben rein“. Weder Betten noch ausreichend Waschmöglichkeiten seien in dem rund 1200 Quadratmeter großen Komplex vorhanden. „Da waren mal ungefähr 18 Betten drin - auf jeden Fall passen da keine 80 Menschen rein“, sagt Fallot-Burghardt.

Wenn alles nach Plan läuft, will die NCS Anfang 2017 damit beginnen, die alten Gemäuer auf dem Bundeswehrgelände zu renovieren und teilweise abzureißen. Dazu würden sie auch das für die Flüchtlinge vorgesehene Haus brauchen, damit dort Handwerker wohnen können. „Es gibt auf der Insel sicher bessere Gebäude zur Unterbringung von Flüchtlingen“, ist sich Fallot-Burghardt sicher.

Warum das Gebäude überhaupt thematisiert wird, obwohl zumindest einer der Eigentümer nicht damit einverstanden ist, dass dort Flüchtlinge leben, ließ sich gestern nicht abschließend klären. Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel erläuterte auf Nachfrage unserer Zeitung lediglich, dass von einem der drei Eigentümer eine Zustimmung vorläge, von den anderen beiden nicht. Logischerweise könnten unter diesen Bedingungen keine Flüchtlinge in dem Privatbesitz untergebracht werden. Häckel erklärte, stattdessen stünde in List eine Bundesliegenschaft zur Verfügung, in der dreißig Flüchtlinge leben könnten.

Der Favorit von Lists Bürgermeister Ronald Benck sieht wiederum anders aus: Er würde die Flüchtlinge gern im Haus Quickborn in Westerland unterbringen. Auch diese Option wurde mehrfach diskutiert. Hintergrund der Nutzung wäre ein Deal: Die Gemeinde signalisiert, dass sie dem Besitzer der ehemaligen Klinik den Bau von seniorengerechten Wohnungen ermöglicht und darf dafür das Gebäude für fünf Jahre zur Flüchtlingsunterbringung nutzen (wir berichteten). Die Gemeindevertretung Sylt hat diesen Deal dezidiert abgelehnt. Das stört Benck nicht: „Für mein Verständnis ist das Haus am besten geeignet: Es ist zentral gelegen und alles dort vorhanden“, sagt er. Doch Sylts Bürgermeister Nikolas Häckel erklärt, das Haus Quickborn komme nicht wieder aufs Tapet – er halte sich an die Beschlusslage. Weiterhin plädiere er für mehr Zurückhaltung bei dem heiklen Thema, wie Flüchtlinge nun untergebracht werden. Der nächste sinnige Schritt sei es doch, ein gesamtinsulares Vorgehen abzustimmen.

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erstellt am 30.Mär.2016 | 11:09 Uhr

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