Kinder- und Jugenderholung auf Sylt : Puan Klent ist gerettet

Als größtes der Hamburger Schullandheime verfügt Puan Klent über 400 Betten.
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Als größtes der Hamburger Schullandheime verfügt Puan Klent über 400 Betten.

Hamburger Sozialbehörde stellt 200 000 Euro für den Betrieb des Schullandheimes bereit

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02. Februar 2018, 05:06 Uhr

Große Erleichterung unter den zehn Mitarbeitern von Puan Klent: Die Insolvenz ist vom Tisch, das Rantumer Schullandheim bleibt in Betrieb. Nachdem die Hamburger Sozialbehörde gestern einen Zuschuss über 200 000 Euro zugesagt hatte, konnte die Stiftung den Insolvenzantrag zurücknehmen.

Die Nachricht vier Tage vor Weihnachten hatte große Befürchtungen ausgelöst: Das legendäre Schullandheim, in dem seit fast 100 Jahren Generationen von Hamburger Schülern ihre Schulausflüge verbracht hatten, stand vor dem Aus. Die Stiftung, die das Jugenderholungsheim betreibt, musste Insolvenz anmelden. Nach monatelangen Verhandlungen über ein tragfähiges Konzept hatte die Sozialbehörde die Zahlungen eingestellt, weil ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr gewährleistet war.


Alle gebuchten Reisen können stattfinden

„Die gute Nachricht: Puan Klent bleibt uns erhalten. Alle gebuchten Reisen können stattfinden“, erklärte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) gestern in Hamburg. „Wir haben zusammen die Grundlage geschaffen, dass der Betrieb gesichert ist und die Stiftung nun die Zukunft gestalten kann.“

„Puan Klent lebt weiter“, konnte der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Jörg Simsky, gestern in Rantum vermelden. „Wir können uns nun als Stiftung professionalisieren, stellen einen geschäftsführenden Vorstand ein und starten durch.“ Die Stiftung werde sich in den nächsten Wochen eine neue Organisationsstruktur geben, um den Betrieb zukunftsfähig zu gestalten.

Die Hamburger Sozialbehörde beteiligt sich mit einem einmaligen Zuschuss in Höhe von 200 000 Euro, 180 000 Euro hat die Stiftung an Spenden gesammelt, berichtete Simsky. Die Sozialbehörde habe vorletzte Woche zunächst einen Unternehmensberater nach Rantum geschickt, um das Schullandheim einem „Quick Check“ zu unterziehen.

Der Vorstand erhofft sich von einem Geschäftsführer frischen Antrieb für das Erholungsheim direkt am Watt. Was man anders machen könnte, ist auch die Fragestellung an den Bremer Horst Bötcher, der sich mit seiner Agentur auf die Beratung von gemeinnützigen Unterkünften spezialisiert hat. Er soll in den Vorstand der Stiftung aufgenommen werden.

Jörg Simsky stellt klar, dass Puan Klent keineswegs überschuldet sei. „Wir haben keine Gewinne erwirtschaftet in den letzten Jahren, aber es lief alles rund.“ Mit der Einstellung eines hauptamtlichen Vorstand würde zum ersten Mal in der 98jährigen Geschichte von Puan Klent die Organisation geändert. Bisher gibt es zehn hauptamtliche Mitarbeiter in Rantum – in der Heimleitung, im Büro, in der Buchhaltung, der technischen Leitung, der Hausmeisterei, der Reinigung und der Küche. Von April bis Oktober verstärken sieben befristete Mitarbeiter das Team. Künftig kommt ein Geschäftsführer als elfter Hauptamtlicher hinzu.


Ganzjährig für Gruppen geöffnet

Puan Klent als größtes Hamburger Schullandheim leidet wie die übrigen 30 Hamburger Einrichtungen dieser Art unter dem Ansturm der 90 Hamburger Schulen, der sich nicht über das Jahr verteilt. Mehr als 400 Gäste kann Puan Klent nicht unterbringen. Das Heim ist ganzjährig für Gruppen aus allen Bundesländern geöffnet, doch im Moment herrscht gähnende Leere.

Die jungen Gäste, die nach Puan Klent kommen, rümpfen beim ersten Blick oft die Nase. Keine Steckdosen in den Zimmern, zentrale Waschräume – für komfortgewohnte Kinder und Jugendliche eine echte Herausforderung. Im Funkloch versagt dann auch noch das Smartphone. Und doch sind oft die Tränen groß, wenn es auf die Heimreise geht.

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