Hamburger Jugendheim auf Sylt : Puan Klent erfindet sich neu

Traumhafte Lage: Puan Klent liegt zwischen Rantum und Hörnum direkt am Watt.

Traumhafte Lage: Puan Klent liegt zwischen Rantum und Hörnum direkt am Watt.

Neue Zielgruppen, neue inhaltliche Schwerpunkte und ein großer Umbau: In Puan Klent wird einiges passieren.

Julia Lund von
17. Februar 2018, 06:00 Uhr

Es war ein emotionaler Appell an die Sylter Politiker: „Wir wollen mehr sein als eine Bushaltestelle. Und dafür brauchen wir auch die Hilfe der Insel Sylt“, sagte Jörg Simsky, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Puan Klent, im jüngsten Hauptausschuss der Gemeinde Sylt.

Simsky und auch Peter Klix, der Vorsitzende der Stiftung, waren auf Einladung von Gerd Nielsen (SPD) in die Sitzung gekommen, um das vergangene turbulente Jahr für das Jugenderholungsheim zwischen Rantum und Hörnum Revue passieren zu lassen und einen Ausblick zu geben, wie es dort weitergehen soll. Denn eins steht fest: Es muss sich einiges ändern, sowohl baulich als auch inhaltlich.

Aber der Reihe nach: Im vergangenen Jahr stand das legendäre Schullandheim, in dem seit fast 100 Jahren Generationen von Hamburger Schülern ihre Schulausflüge verbringen, vor dem Aus. Die Stiftung Puan Klent, die das Jugenderholungsheim betreibt, musste Insolvenz anmelden. Hohe Personalkosten galten als eine Ursache. „Das Presseecho in gesamt Norddeutschland auf die Insolvenz war gigantisch“, sagte Jörg Simsky gegenüber dem Hauptausschuss. Die Hamburger Sozialbehörde willigte schließlich ein, einen Zuschuss über 200 000 Euro bereitzustellen und die Stiftung konnte den Insolvenzantrag zurücknehmen (wir berichteten).

Jetzt ist es die Aufgabe der Mitarbeiter, die zukünftige Ausrichtung von Puan Klent zu planen: „Wir müssen uns neu aufstellen, neue Zielgruppen erschließen und auch Schüler aus anderen Bundesländern und aus ganz Europa generieren“, so Simsky.

Unter anderem soll das Jugenderholungsheim vollumfänglich inklusiv gestaltet werden. „Wir wollen die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen mit jeder Art von Behinderung möglich machen“, betonte Peter Klix.

Auch einen neuen Namen gibt es: Das ehemalige „Hamburger Jugend- und Erholungsheim Puan Klent“ ist zur „Hamburger Jugend-, Bildungs-, und Begegnungsstätte Puan Klent“ geworden. Diese Namensänderung spreche für sich, so Klix. „Es wird verschiedene Programmangebote geben und wir werden den Schwerpunkt in Richtung Ökologie und Nachhaltigkeit ausbauen“, sagte er.

„Dazu wollen wir Fortbildungen in Richtung Bewegung und Gesundheit anbieten, werden uns aber auch in ganz neue Felder begeben müssen und zum Beispiel Berufsvorbereitende Lehrgänge für ältere Schüler anbieten“, so Klix. Bisher seien die Hauptzielgruppen die Klassen drei bis sechs gewesen, „wir werden nun auch ältere Schüler ansprechen müssen“. Angst vor einer zu großen Veränderung müsse aber keiner haben: „Unsere Gäste werden dieselben sein, nur unser Angebot wird ein etwas anderes sein“, so Klix.

Die inhaltliche Neuausrichtung muss auch aus finanzieller Sicht vorgenommen werden: Ende 2016 wurden vom Bund 15 Millionen Euro für die Sanierung Puan Klents genehmigt. Doch das Geld, das nur bei Einhaltung gewisser Kriterien vergeben wird, ist gekoppelt an ein neues Profil, das auf Bildung und nicht auf Tourismus ausgerichtet ist.

„2019 geht es mit den Baumaßnahmen los, die 2020 abgeschlossen sein sollen. Die Gebäude sind 80 Jahre alt und es muss etwas getan werden“, so Simsky, der sich von den Plänen viel verspricht: „Puan Klent kann nach den Umbauten zu einem echten Leuchtturmprojekt für Sylt werden“.

Trotz der Umbauten: Vergrößern soll sich Puan Klent nicht. „Wir werden bei unseren 400 Betten bleiben“, so Klix. „Wir brauchen allerdings deutlich mehr Übernachtungen, vor allem in der Zeit von November bis März. Außerdem brauchen wir mehr Gäste an den Wochenenden“.

Buchen können alle Gäste unter 27 Jahren, aber auch Familien, deren Kinder unter 27 sind, können Bildungsurlaub in Puan Klent machen. „Wir dürfen auf gar keinen Fall touristisch sein, sondern wir sind dann eine Bildungs- und Begegnungsstätte“, so Simsky.

Hilfe, auch von Sylt, brauche die Stiftung vor allem in finanzieller Hinsicht: „Wir kommen gerade aus der Insolvenz und brauchen Geldspritzen, die uns ein bisschen Luft verschaffen“, so Simsky. „Mit dem Geld der Hamburger Sozialbehörde und den vielen Spendern und Mäzenen können wir mit Müh und Not auskommen, aber da darf auch nichts ungeplantes passieren.“ Außerdem sei Unterstützung im Bereich Marketing von Nöten. „Wir sind viel zu wenig präsent, auch in den Köpfen der Sylter – und das soll sich ändern.“

2020 möchte Puan Klent auch wieder schwarze Zahlen schreiben: „2018 wird noch defizitär sein, 2019 werden wir genau auf der Nulllinie ankommen“, sagte Jörg  Simsky und prognostizierte: „2020 sind wir wieder voll liquide und können die ersten Gewinne machen.“

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