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Das Prädikat „Sylt“ : Produktnamen: Der Streit ums „wahre“ Sylter Salz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Wie viel Sylt steckt in Sylter Produkten? Anhand zweier Sylter Salze ist diese Diskussion auf der Insel erneut entbrannt.

Mit dem Namen „Sylt“ lässt sich viel Geld verdienen. Im Handel existieren diverse Produkte mit dem Namen der Insel, obwohl diese nichts mit Sylt zu tun haben. Unter Sylter Produzenten ist eine Diskussion entbrannt, was sich zu Recht „Sylter Produkt“ nennen darf – und was nicht.

Alexandro Pape in List ist sauer. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit ist seit Oktober 2013 sein „Sylter Meersalz“ auf dem Markt. Das salzhaltige Wasser kommt aus der Nordsee, in der Lister Hafenstraße wird daraus das verkaufsfertige Produkt. „Wir haben hier einen Riesenaufwand betrieben, um unser Salz herzustellen. Und dann gibt es da dieses andere Salzprodukt, das angeblich aus Sylter Brunnenwasser gewonnen wird.“ Nach Aussage von Salzproduzent Pape hat der Hersteller des Konkurrenzprodukts bisher niemandem Zutritt zur Quelle gestattet. Es nervt ihn, dass sich ein Produkt trotzdem Sylter Salz nennen darf. „Mir kann doch niemand erzählen, dass die Dutzende von Tankwagen von Sylt nach Halle in Sachsen-Anhalt fahren, um dort aus dem Sylter Brunnenwasser Salz zu produzieren. Das kann gar nicht wirtschaftlich sein.“ Laut Pape ist jeder Schritt seiner eigenen Salz-Herstellung transparent, jeder Interessent kann unangemeldet nach List kommen und lückenlos die Produktion einsehen.

Björn Wulff in Morsum ist sauer. Er ist der Hersteller vom „Sylter Speisesalz“. Auf Bitte um Stellungnahme wird schnell klar, dass er und Alexandro Pape in diesem Leben nicht mehr Freunde werden. „Ich bin Sylter und wir produzieren seit 15 Jahren eine Kosmetikserie aus der Thermalsole in Rantum. Da war Herr Pape wahrscheinlich noch nicht mal auf der Insel. Es ist ein Unding, dass er sich hinstellt und Sylter des Betrugs bezichtigt“, sagt Wulff offensichtlich verbittert. „Unser Sylter Speisesalz gibt es länger als das Produkt von Herrn Pape. Das kann und wird er nicht ändern. Unser Produkt wird in Halle an der Saale im Deutschen Salinenmuseum ausgesalzen, die salzhaltige Sole stammt aus Rantum von der Sylt-Quelle.“ Auch Björn Wulff lädt ein, den Brunnen in der Sylt-Quelle zu besichtigen. Allerdings müssen seiner Aussage nach die Förderanlagen in Rantum nahe der Sansibar, woher das Wasser der Sylt Quelle ursprünglich stammt, geheim bleiben. Hier würde die Möglichkeit bestehen, dass diese mutwillig beschädigt werden. „Alexandro Pape soll mich bloß in Ruhe lassen. Jetzt wirbt er damit, dass sein Salz in der ‚Sylter Salatfrische‘ ist. Einer Salatsauce, die zuvor rein gar nichts mit Sylt zu tun hatte. Und nun, mit seinem Salz, ist das jetzt ein Sylter Produkt?“

Kirsten Deppe in Morsum ist nicht sauer. Aber es stört sie, dass vielen Kunden durch den Zusatz „Sylt“ ein Produkt untergejubelt wird, dass nichts mit der Insel zu tun hat. Sie ist die Inhaberin der Sylter Seifenmanufaktur und produziert ihre Produkte auf der Insel. „Ein Sylter Produkt sollte authentische Sylter Zutaten beinhalten oder aber auf Sylt hergestellt werden – im Idealfall sollten beide Kriterien erfüllt sein. Ein Zertifikat wäre wünschenswert – die Sylt Marketing GmbH wäre aus meiner Sicht die geeignete Institution für die Vergabe eines entsprechenden Labels.“

Tania Langmaack in Westerland ist schon gar nicht sauer. Wie auch, wenn man als Chefin der Sylter Schokoladenmanufaktur den ganzen Tag von begeisterten Schokoladen-Fans und Kuchen-Junkies umgeben ist. Trotzdem hat sie eine kritische Meinung zur Blendung von Konsumenten. „Es ist schade, wie die Verbraucher mit vermeintlichen Sylt-Produkten getäuscht werden. Und wir können von offizieller Seite nichts dagegen tun. Wenn etwas unter dem Namen Sylt vermarktet wird, sollte es auch auf der Insel hergestellt worden sein.“ Ein offizielles Sylt-Label oder -Zertifikat ist ihr aber nicht wichtig. „Ich halte den Verbraucher für so intelligent, dass er erkennt, ob ein Produkt von hier kommt oder nicht.“ Im alltäglichen Gespräch mit Gästen fällt ihr zunehmend eine kritischere Haltung der Konsumenten zu regionalen Versprechen und Zusatzstoffen auf. „Damit wird sich die täuschende Werbung für angebliche Sylt-Produkte bald ganz von allein erledigen ...“

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